Region: Aichach|Friedberg

Engagement gegen Ausgrenzung: Aktionsbündnis „Mering ist bunt“ setzt sich für Demokratie und Toleranz ein

Die Mitgliederversammlung im Wasserhaus St. Afra wurde auch online übertragen. Peter Hörmann (links) und Stefan Hummel leiten weiterhin als Duo im Sprecherrat das Aktionsbündnis „Mering ist bunt“

Das Aktionsbündnis „Mering ist bunt“ setzt sich seit zwölf Jahren für Demokratie und Toleranz in der Marktgemeinde ein.

Als im März vergangenen Jahres in Mering publik wurde, dass die vom Verfassungsschutz unter Beobachtung stehenden Identitären eine Kundgebung auf dem Marktplatz planten, war das Aktionsbündnis „Mering ist bunt“ sofort auf dem Plan. Im Nu hatte es eine Gegenkundgebung auf die Beine gestellt, an der Mitglieder aus allen Parteien und Organisationen der Marktgemeinde mit von der Partie waren. „Wir haben gezeigt, dass wir in der Gemeinschaft vor Ort zusammenhalten und uns in solchen Fragen einig sind“, betont Peter Hörmann. Er ist seit vielen Jahren Sprecher des Aktionsbündnisses und im Duo mit Stefan Hummel wurde er bei den jetzigen Neuwahlen erneut im Amt bestätigt.

„Mit wachsender Sorge sehen wir, dass das rechte Spektrum mit der AfD als politischem Arm immer mehr an Boden in Deutschland gewinnt“, sagt Hörmann. „Mering ist bunt“ hat sich den Einsatz für Demokratie und Toleranz auf die Fahnen geschrieben. Das Aktionsbündnis wurde im Jahr 2008 in Leben gerufen, als Mitglieder des Gemeinderats, des Jugendparlaments und anderer Organisationen und Gruppen massiv von Rechtsradikalen bedroht wurden. Inzwischen gehören ihm rund 25 Meringer Vereine, Parteien und kirchliche Gruppierungen als Mitglieder an. Auch nach zwölf Jahren gehen den für eine Vielfalt der Gesellschaft Engagierten die Themen nicht aus. Gleichberechtigung und Geschlechtsidentität aber auch Hetze gehen politisch oder ehrenamtlich aktive Menschen sind neben rassistischen Vorurteilen und Diskriminierungen Aspekte, die das Bündnis in seiner Arbeit aufgreifen und auf Veranstaltungen thematisieren möchte. Dies kündigten Peter Hörmann und Stefan Hummel vom Sprecherrat des Aktionsbündnisses bei der jüngsten Mitgliederversammlung an. Warum sich Stefan Hummel, seit dem Frühjahr Kreisrat und zweiter Bürgermeister von Mering, seit zwei Jahren an der Seite von Peter Hörmann im Vorsitz engagiert, erklärt er mit eigener Betroffenheit und Erfahrung von Ausgrenzung. Er lebt mit seinem Ehemann Florian in der Marktgemeinde und weiß wie es sich anfühlt, wenn hinterm Rücken getuschelt wird.

Besonders wichtig ist dem Aktionsbündnis die gute Zusammenarbeit mit dem Verein Internationale Kultur Mering (IKM). Für Teilnehmer der Mitgliederversammlung wurde auf die Aktivitäten der vergangenen Jahre gehalten. Dazu gehörte auch die Teilnahme an den Festivals der IKM oder den Israel Begegnungsfesten. Mit dem Motto „Gute Argumente gegen falsche Vorurteile“ begegnete „Mering ist bunt“ der Hetze auf Asylsuchende und hatte auch eine Referentin vom bayerischen Flüchtlingsrat zu Gast. „Wir wollen informieren und auch Dinge geraderücken“, erklärt Peter Hörmann. Vor den Wahlen wurde ein Dokumentationsfilm „Die Gewählten“ gezeigt und die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr zur Diskussion geladen. Solidarisch mit den Kissingern im Rahmen einer friedlichen Demo zeigte sich das Meringer Bündnis, als AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zu einer Wahlveranstaltung des AfD-Kreisverbands in den Nachbarort kam.

Wer nicht zur Wahl im Vereinsheim am Wasserhaus anwesend sein konnte, hatte auch die Möglichkeit, sich über das Internet per Skype zuzuschalten. Vor Ort und im Online-Chat wurden auch die beiden bisherigen Stellvertreter im Sprecherrat Jaromir Prochazka, Ortsvorsitzender der Meringer AWO, und Jürgen Schwilski wiedergewählt. Letzterer, auch durch die Meringer Speakers Corner-Veranstaltungen bekannt, bot sich an, das Thema Rassismus auch einmal von literarischer Seite her aufzuarbeiten. Für die aktive Zusammenarbeit wurde zudem wieder ein Beirat gewählt. Dazu gehören für die nächsten zwei Jahre Edith Eichler-Süß, Peter Holthaus, Barbara Häberle, Birgit Geyer, Maureen Lermer und auch Petra von Thienen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende und Marktgemeinderätin hielt ein engagiertes Kurzreferat zum Thema Hetze gegen politisch oder gesellschaftlich engagierte Menschen. Beleidigungen demokratisch Engagierter in sozialen Medien bis zu Androhung von Gewalt seien immer mehr an der Tagesordnung. Auch sie sei als Kommunalpolitikerin schon zur Zielscheibe geworden. Dies führe dazu, dass immer weniger Menschen für ein Engagement bereit seien. Hier sei es nötig, über die Öffentlichkeit Druck aufzubauen gegen Stammtischparolen. „Wir brauchen die Unterstützung der zivilen Gesellschaft und dazu ist Bildung und Information nötig“. (ike)

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