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Herausforderungen und Dankbarkeit: Meringer Asylhelfer blicken auf fünf Jahre Engagement zurück

Am Meringer Sportplatz konnten die vor fünf Jahren in der Kanalstraße einquartierten Syrer die ersten Kontakte zu Einheimischen knüpfen.

2015 bezogen 40 Syrer die damals neu eröffnete Unterkunft in der Meringer Kanalstraße. Für die Ehrenamtlichen war das eine große Herausforderung.

Der Meringer Siegfried Schwab erinnert sich noch genau an den Sommer vor fünf Jahren. Damals kamen 40 syrische Asylbewerber in der Kanalstraße an und die zu dieser Zeit größte Männerunterkunft in Mering wurde in Betrieb genommen. Zusammen mit Merings Asylkoordinatorin Maureen Lermer nahm der Ehrenamtliche sie in Empfang. Nur zwei von ihnen sprachen Englisch. „Das war eine enorme Herausforderung für uns“, betont Schwab.

Mit dem Bus waren die 22 Araber und 18 Kurden von einem Sammellager in Niederbayern in die Marktgemeinde gebracht worden. Der letzte dieser „Erstbesetzung“ vom Sommer 2015 zog erst im August vergangenen Jahres aus der vom Landratsamt betriebenen dezentralen Unterkunft aus. Die meisten von ihnen machten inzwischen ihren Weg und fassten in der neuen Heimat Fuß, was für die ehrenamtlichen Helfer die größte Anerkennung für ihren Einsatz ist. Das erste Eis zwischen den Neuankömmlingen und Einheimischen brach damals beim gemeinsamen Bolzen auf dem Sportplatz. Dank der aufgeschlossenen Haltung des SV Mering mit seinem Vorsitzenden Georg Resch konnten die Flüchtlinge täglich zum Fußballspiel kommen.

Die anfängliche Idylle einer beginnenden Integration wurde jedoch jäh gestört, als zwei Wochen später, Mitte September 2015, am Bahnhof St. Afra ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Schnell rückte das nahe gelegene Asylbewerberheim in den Fokus. Auch wenn dieser Verdacht durch DNA-Abgleiche rasch entkräftet werden konnte, brachte der Vorfall doch ein tiefes Misstrauen. „Auch aus dem Kreis der Ehrenamtlichen, die zu Beginn zahlreich in der Unterkunft für Unterstützung zur Verfügung standen, hielten sich fortan einige zurück“, erinnert sich Schwab. Nicht jedoch die Sprachlehrer für den Deutschunterricht. „Wir haben uns gesputet, dass wir gleich nach der Ankunft der Syrer im September 2015 mit Sprachkursen anfangen konnten“, erzählt Ingo Reiser. Zusammen mit seiner Frau und rund 15 weiteren Helfern betätigte er sich als Deutschlehrer und ist bis heute im Einsatz. Die Neuankömmlinge wurden je nach Kenntnisstand in drei Gruppen geteilt und gemeinsam mit Schülern aus anderen Unterkünften unterrichtet. Es gab Menschen, die vor ihrer Flucht an einer Universität studiert hatten und andere, die als Analphabeten noch niemals eine Schule besucht hatten. „Wenn wir jetzt manchmal ehemalige Schüler treffen, dann spüren wir immer wieder Dankbarkeit“, erzählt Ingo Reiser zufrieden. „Ohne euch hätten wir es nicht geschafft“, heißt es dann oft.

Die Asylhelfer unterstützten die jungen Männer aus der Kanalstraße nicht nur beim Spracherwerb, sondern bei allen bürokratischen Angelegenheiten, der Job- und Wohnungssuche. Viele konnten nach einem halben oder dreiviertel Jahr die Gemeinschaftsunterkunft verlassen und durften ihre Familien nachkommen lassen. „Neun der damaligen Ankömmlinge wohnen noch in Mering, zwölf nach wie vor im Landkreis, sechs davon mit ihren Familien“, erzählt Schwab mit Blick auf seine genau erfasste Dokumentation. „Ich sehe meinen ehrenamtlichen Einsatz für die Flüchtlinge ganz klar als Erfolgsgeschichte“, betont Schwab. „Oft heißt es ja, die Flüchtlinge wollen nicht arbeiten, das kann ich widerlegen. Denn allein 15 von ihnen helfe ich, den Lohnsteuerjahresausgleich zu machen“.

Die vor fünf Jahren angekommenen Syrer arbeiten in Handwerksbetrieben vor Ort, einer im Dönerladen, ein anderer bei einer Umzugsfirma, wieder ein anderer bei einem Mobilfunkanbieter, ein weiterer hat sich als Fensterputzer selbstständig gemacht und es gibt auch Studierende. Einige haben Kinder im Alter von einem Jahr bis zu jungen Erwachsenen. Deutsche Freunde zu gewinnen, ist für die Flüchtlinge nach wie vor schwierig. Zu groß erscheinen die kulturellen Unterschiede. Am ehesten gelingt es noch den Kindern in Kita oder Schule. Vorurteile sind nach wie vor viele da, was die Asylhelfer vor allem merken, wenn sie ihren Schützlingen helfen eine Wohnung zu finden. „Die Unterkunft in der Kanalstraße ist aus unserer Sicht ein gut funktionierendes Haus ohne große Probleme“, betont Simone Losinger als Leiterin der Ausländerbehörde. „Dies ist vor allem das Verdienst derer, die sich über die fünf Jahre engagiert haben“. Siggi Schwab beispielsweise führt sein Weg beinahe täglich in die Kanalstraße. Seit zweieinhalb Jahren wohnt dort auch ein taubstummer Palästinenser, dessen Unterstützung eine besonders große Herausforderung darstellt.

Wer in Deutschland ankommt, wird zunächst in einer Ankereinrichtung untergebracht, bis die ersten Schritte des Asylverfahrens geregelt sind. So eine Ankerdependance gibt es inzwischen ja auch in Mering. Abhängig vom Stand des Verfahrens und nach bestimmten Fristen werden die Flüchtlinge dann in Anschlusseinrichtungen gebracht. Das können vom Landratsamt betriebene dezentrale Unterkünfte wie die in der Meringer Kanalstraße sein oder auch Gemeinschaftsunterkünfte. Derzeit sind in der Meringer Kanalstraße 27 Personen untergebracht.

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