Region: Aichach|Friedberg

Was ist aus den Meringer Asylbewerbern geworden?

von Freier Mitarbeiter Heike Scherer aus Mering
Die Kinder der Flüchtlingsfamilien sagen am Marktplatz unter dem Weihnachtsbaum vielen Dank, Mering und Deutschland, für die freundliche Aufnahme und Hilfe.

Die ersten 28 Asylbewerber aus dem Senegal, Pakistan und Afghanistan kamen im Jahr 2013 nach Mering. Zwischen 2015 und 2018 gab es sogar acht dezentrale Unterkünfte, in denen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und afrikanischen Ländern untergebracht waren. Etwa 150 Personen befanden sich zu dieser Zeit in Mering, die ihre Deutschkurse absolvierten und nun im Studium, einer Ausbildung oder in Arbeit sind.

Die meisten Flüchtlinge, die in Mering ankamen, wurden vom Bundesamt für Migration und Flucht als Flüchtlinge oder Asylsuchende bestätigt. Es gibt aber noch Personen, die auf ihren Bescheid warten. Einige wurden bereits in ihre Heimatländer zurückgeschickt. Wer im Frühjahr 2016 seine Anerkennung bekam, durfte den Landkreis Aichach-Friedberg verlassen und sich einen Wohnsitz außerhalb Bayerns suchen. Deshalb zogen einige Familien und Männer in den Norden Deutschlands zu Verwandten, wo sie mit deren Unterstützung Wohnung und Arbeit fanden. Im Sommer 2016 kam die Wohnsitzauflage: Anerkannte Personen mussten sich in Bayern und später sogar im Landkreis Aichach-Friedberg eine Wohnung suchen, was mitunter sehr schwer war.

Die betroffenen Familien werden bis heute von den ehrenamtlichen Helfern tatkräftig unterstützt. Am Anfang umfasste die Hilfe die Begleitung zu Arztterminen, Behördengänge, Kontoeröffnungen, Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen. Außerdem fanden täglich mehrere ehrenamtliche Deutschkurse auf verschiedenen Sprachniveaus statt, aber auch Projekte mit Müttern und Kindern wie zum Beispiel Basteln und Nähen. Für die Männer wurden Fußballspiele organisiert und drei Teams starteten sogar beim Meringer Intertrempes Elfmeterturnier im Juli.

Inzwischen haben sich die Aufgaben verändert. Es geht hauptsächlich um Unterstützung bei der Wohnungs- und Jobsuche, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen für Jugendliche, Hilfe bei behördlichen Formularen und der Steuererklärung. Die Eltern benötigen Hilfe in der Kommunikation mit den Schulen- und Bildungseinrichtungen.

Die Flüchtlinge fühlten sich immer wohl in Mering und sagten oft zu den Helfern, dass sie glücklich sind und von fremden Menschen auf der Straße angelächelt und gegrüßt werden. Leider gab es auch Menschen, die sie beschimpft haben, aber das war eine geringe Minderheit. Die größte Männerunterkunft in Mering wurde im September 2015 mit 40 Syrern belegt. Im August 2019 zog der letzte Syrer dieser „Erstbesetzung“ aus.

Die Helfer können mit Stolz sagen, dass alle ihren Weg und Platz in Deutschland gefunden haben. Sie haben inzwischen ihre Deutschkurse abgeschlossen und durch die Sprache eine Arbeit gefunden. Einige der Männer konnten ihre Familien aus Flüchtlingslagern nach Deutschland holen und sind glücklich, nach Trennung und Flucht wieder vereint zu sein. Zwei haben bereits das Sprachniveau C1 erreicht und mit ihrer Vorbildung in Syrien die Zulassung für ein Studium an einer Deutschen Hochschule beziehungsweise Universität erworben.

Ein Familienvater befindet sich in der Weiterbildung zum Steuerfachgehilfen, lernt das deutsche Steuerrecht und wendet dies in einer Steuerkanzlei in Mering im Praktikum an. Andere Männer bekamen von ortsansässigen Firmen die Chance auf Arbeit. In der Altenpflege und beim Pflegedienst wurden einige Flüchtlinge angenommen und können so einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ein junger Mann absolviert die Ausbildung zum Krankenpfleger: Sein Traum ist es, im Rettungswagen anderen zu helfen.

Viele der jungen Schützlinge haben in der Berufsschule Wittelsbacher Land ihren Hauptschulabschluss erlangt und befinden sich in Ausbildung oder auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. So konnten eine junge Frau und ein junger Mann ihre Ausbildung im Hotelfach erfolgreich abschließen, einer Branche, in der händeringend Nachwuchs gesucht wird. Andere Jugendliche befinden sich im handwerklichen Berufsorientierungsjahr.

Ein Mädchen hat als Schulbeste mit der Traumnote 1,5 den Qualifizierenden Hauptschulabschluss geschafft und visiert den Realschulabschluss an.

Vor allem die Kinder sind eine riesige Freude, weil sie schon perfekt Deutsch sprechen. Familien mit Kindern haben es verstanden, das deutsche Bildungsangebot zu nutzen. So ist es kein Wunder, dass einige sogar den Übertritt ins Gymnasium geschafft haben.

In der Freizeit nutzen die Flüchtlinge das Angebot der lokalen Vereine. Die ehrenamtlichen Helfer hören immer wieder, dass die Flüchtlinge gegenüber Deutschland sehr dankbar sind, dass sie so gut aufgenommen wurden und Hilfe erfahren haben.

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