Zum 75. Todestag: Gedenken an Augsburger Politiker und NS-Opfer Clemens Högg

Gemeinsam mit anderen KZ-Opfern teilt sich Clemens Högg auf dem Westfriedhof einen Gedenkstein.

Zum 75. Todestag gedachten die Augsburger SPD und AWO dem KZ-Opfer – Die Erinnerung an Clemens Högg und seine Weggefährten sei heute wieder besonders wichtig

Die Augsburger SPD und Arbeiterwohlfahrt haben am Dienstag zu seinem 75. Todestag dem Augsburger Politiker und Widerstandskämpfer Clemens Högg gedacht. Dabei handelt es sich beim 11. März 1945 lediglich um den Tag, für den Höggs Tod offiziell festgestellt wurde. Wann er wirklich starb, konnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr festgestellt werden. Er wurde wohl zwischen dem 10. Februar 1944 und der Befreiung durch die Alliierten im KZ Bergen-Belsen umgebracht oder starb an seinen Verletzungen.

Besonders heute sei die Geschichte Höggs wieder eine wichtige Mahnung, betonten die Redner auf dem Westfriedhof vor der Gedenkstätte für Opfer der Konzentrationslager. Ulrike Bahr, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Augsburger SPD, sagte, dass Clemens Högg "in der Augsburger SPD und AWO nie vergessen sein wird". Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten lebte Högg im Augsburger Stadtteil Pfersee und war Bezirkssekretär der SPD sowie einer der Gründer der Augsburger Arbeiterwohlfahrt. Er versuchte mit seiner Partei und der Gruppe "Eiserne Front" mehrere Jahre lang, den Erfolg der NSDAP einzudämmen.

Drei Konzentrationslager erlebt

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Im darauf folgenden April wurde Clemens Högg in den Augsburger Stadtrat gewählt. Bereits im Mai wurde allerdings die gesamte SPD-Fraktion aus dem Stadtrat ausgeschlossen. Alle Mandate der KPD waren bereits zuvor annulliert worden, wodurch die NSDAP, die in Augsburg eigentlich nur 32,2 Prozent der Stimmen erhielt, nun die absolute Mehrheit hatte. Clemens Högg wurde, wie viele seiner Parteigenossen, mehrmals im Gefängnis am Katzenstadel eingesperrt. Im August des selben Jahres wurde er dann zum ersten Mal in ein Konzentrationslager gebracht. Im KZ Dachau war er ein Jahr lang eingesperrt.

Nach der Freilassung arbeitete er einige Jahre als Seifenvertreter und hielt durch diesen Beruf, bei dem er viel herum kam, Kontakt zur Widerstandsgruppe „Revolutionäre Sozialisten“. 1939 wurde Clemens Högg erneut verhaftet und in das KZ Oranienburg-Sachsenhausen gebracht. Dort litt er wohl vor allem unter Lagerkommandant Hans Loritz, der als besonders grausam bekannt war und laut einiger Quellen einen persönlichen Groll gegen Högg hegte.

Nachdem er in Oranienburg-Sachsenhausen fast erblindet war und nach einem Oberschenkelbruch ein Bein verloren hatte, wurde er am 10. Februar 1944 wohl mit weiteren kranken Häftlingen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht. Viele arbeitsunfähige Häftlinge wurden zu dieser Zeit dort untergebracht. Wann Clemens Högg in Bergen-Belsen starb, konnte nach Kriegsende nicht mehr festgestellt werden. Als die Alliierten das Lager befreiten, war Högg nicht mehr auffindbar. Auf Antrag seiner Frau wurde sein Tod rund zwei Jahre später auf den 11. März 1945 festgelegt.

Vorbild im Kampf gegen Nationalismus

Am Dienstag erinnerte Ulrike Bahr an rechtsextrem motivierte Taten, die sich auch in der heutigen Zeit wieder häuften – so etwa die Attentate in Hanau und Halle und die Ermordung des CSU-Politikers Walter Lübke. "Diese Blutspur kann niemand mehr leugnen und ignorieren", so Bahr. Wer heute an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern wolle, müsse deshalb auch "Demokratie und Rechtsstaat schützen". Bahr appellierte an einen stärkeren Zusammenhalt in der Gesellschaft. Rechtspopulisten würden weiterhin eine Minderheit darstellen, von der sich der Rest der Bevölkerung nicht einschüchtern lassen dürfe. Beim entschlossenen Kampf gegen rechtes Gedankengut könne "uns Clemens Högg ein Vorbild sein".

Auch Bürgermeister Stefan Kiefer (SPD) betonte, wie wichtig es sei, einer Person zu gedenken, die immer für die "Leitsterne" der Demokratie eingetreten war. "Clemens Högg ist ein Geschenk für Augsburg gewesen", sagte Kiefer. Er sei es sowohl zu seiner Zeit gewesen, als auch heute, weil er jeden mahne, für Demokratie einzutreten. "Wie sehr hätte er es verdient, das Ende des Nationalsozialismus zu erleben", so Kiefer. "Und wie sehr hätte ihn die Nachkriegsgesellschaft gebraucht".

Trotz besorgniserregender Entwicklungen sei die heutige Zeit allerdings nicht mit dem Ende der Weimarer Republik vergleichbar, glaubt Heinz Münzenrieder, Präsidiumsvorsitzender der AWO Schwaben. Zwar verblasse "die Scham vor dem was war und die unmittelbare Erinnerung" immer mehr, und das helfe den "Leugnern, Hetzern und Verharmlosern". Allerdings gebe es heute auch eine starke Zivilgesellschaft, die sich gegen nationalistische Strömungen stelle, starke Gewerkschaften und Medien, die hinter der demokratischen Gesellschaft stehen. "Wir haben also die Mittel, um den Nazismus wieder da hinzukriegen, wo er hingehört", betonte Münzenrieder. Dazu gehöre auch die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. "Es geht heute nicht nur um Clemens Högg, sondern um alle KZ-Opfer", betonte Münzenrieder.

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