Corona-Krise: Stadt- und Wirtschaftsvertreter besprechen Maßnahmen zur Sicherung der Unternehmen und Arbeitsplätze

Im Augsburger Rathaus hat sich am Dienstag zum ersten Mal eine "Allianz für Wirtschaft und Arbeit" getroffen, um ein gemeinsames Vorgehen in der Corona-Krise im Hinblick auf die Augsburger Wirtschaft und Arbeitsplätze abzustimmen. 

Beteiligt waren Noch-Finanzreferentin und OB-Kandidatin Eva Weber sowie Vertreter der Stadtsparkasse Augsburg, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, der Agentur für Arbeit, des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Schwaben und des Handelsverbands (HBE) Schwaben. Das Hauptanliegen sei es in der aktuellen Lage, Unternehmen zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern, sagte Weber im Anschluss. Um dafür die geeigneten Instrumente zu finden, brauche man „ein breites Netzwerk in der Region“.

Besonders wichtig sei es dabei, die Liquidität der Unternehmen zu sichern. So begann die Regierung von Schwaben am Mittwoch, die vom bayerischen Kabinett beschlossenen Soforthilfen umzusetzen, die vor allem kleineren Unternehmen zu Gute kommen sollen. Die Behörde nimmt seither entsprechende Anträge an. Die ersten Zahlungen können laut Weber wohl am Freitag fließen.

„Ein sehr unbürokratisches, sehr schlankes Formular“ 

Bei den Soforthilfen handelt es sich um Zuschüsse vom Staat, die nicht zurückgezahlt werden müssen, und die kurzfristig die Liquidität sichern sollen. Allerdings müsse man wohl nach den Betriebsgrößen entscheiden, wie viel Soforthilfe im Einzelfall gewährleistet werden kann, erklärte Weber. Für interessierte Unternehmen gebe es „ein sehr unbürokratisches, sehr schlankes Formular“ auf der Homepage der Regierung von Schwaben.

Neben den staatlichen Zuschüssen hat auch die Stadtsparkasse angekündigt, sie werde „alles menschlich und technisch mögliche unternehmen“, um ihre Kunden in der Krise zu unterstützen. Dafür wolle man einerseits „auch kurzfristig Liquidität zur Verfügung stellen“, und biete andererseits auch Tilgungsaussetzungen an. Raten zur Tilgung eines Darlehens müssten dann vorerst nicht gezahlt werden, die entsprechenden Zinsen fielen jedoch weiterhin an. „Voraussetzung dafür ist aber jeweils, dass ein gesundes Geschäftsmodell vorliegt“, betonte Wolfgang Tinzmann, Vorstand der Stadtsparkasse. Die beiden Förderbanken LFA und KFW werden außerdem aktuell mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet, um Kredite mit verbesserten Konditionen anbieten zu können. Dieses Programm werde man gerne in künftige Finanzierungen miteinbeziehen, so Tinzmann.

Telefone beim Arbeitsamt stehen nicht mehr still

Elsa Knoller-Knedlik, Vorsitzende der Agentur für Arbeit Augsburg, rief alle Unternehmen auf, sich im Zweifelsfall auch über die neuen Regelungen zur Kurzarbeit zu informieren. Dazu zählt, dass Unternehmen aktuell einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsausfall von mindestens zehn Prozent haben. Die Unternehmen müssen auch die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge nicht übernehmen. Außerdem können auch Leiharbeiter in Kurzarbeit gehen und die Arbeitnehmer müssen keinen negativen Arbeitszeitsaldo aufbauen. Für die Arbeitgeber sei die Kurzarbeit eine zweifache Hilfestellung, so Koller-Knedlik. Sie unterstütze finanziell beim bezahlen der Löhne und stelle außerdem sicher, dass das Unternehmen nach der Corona-Krise wieder mit einer „voll -schlagkräftigen, eingearbeiteten und bekannten Mannschaft“ starten könne. Für die Angestellten soll die Kurzarbeit Arbeitsplätze sichern, sie erhalten 60 Prozent ihres Verdienstes für entfallene Arbeit. 

Koller-Knedlik bat bei Interessenten um Verständnis dafür, dass dieses Angebot aktuell viele wahrnehmen wollen. In den vergangenen Tagen sei die Agentur deshalb nach der Ankündigung der ausgeweiteten Kurzarbeit zeitweise telefonisch und auch auf der Homepage nicht mehr erreichbar gewesen. Darauf habe man nun reagiert und neue Telefonnummern eingerichtet. Denn seit Mittwoch ist auch die Agentur für Arbeit für Beratungen vor Ort geschlossen. 

Silke Klos-Pöllinger, Geschäftsführerin der schwäbischen Geschäftsstelle des DGB Bayern, appellierte an alle Unternehmen, „die Fördermöglichkeiten, die es gibt, und das Kurzarbeitergeld auch wirklich in Anspruch zu nehmen, um Beschäftigung zu schützen“.

Dadurch könne man am Ende auch wieder gut aus der Krise kommen. Wer aktuell, etwa aufgrund eines Tarifvertrags, Probleme habe, für die Betreuung jüngerer Kinder freigestellt zu werden, solle sich an seine Gewerkschaft wenden. „Bei dem Thema ist auch Solidarität in den Belegschaften gefragt“, betonte Klos-Pöllinger, das gelte sowohl für die Kollegen als auch für den Arbeitgeber.

Nachschub in Lebensmittelläden „hundertprozentig“ sichergestellt

Zu Solidarität rief auch Andreas Gärtner, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands, auf. Sorgen der Bevölkerung, was die Versorgung mit Lebensmitteln angeht, versuchte er auszuräumen. Der Nachschub in Lebensmittelläden sei „hundertprozentig“ sichergestellt, sowohl die Handelsunternehmen als auch die Lieferanten würden daran „mit Hochdruck“ arbeiten. Gärtner bat deshalb darum, weiterhin bedarfsgerecht einzukaufen. „Damit tragen Sie dazu bei, die Lieferstrukturen nicht zu überfordern, und dazu, dass für Ihre Mitbürger auch noch irgendwas da ist“, so Gärtner. „Kaufen’s mit Augenmaß ein, es wird nach wie vor nachgeliefert.“

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