Hermann-Schmid-Akademie: Eltern wollen „Widerstand“ leisten

Am Eingang zur Hermann-Schmid-Akademie machen die Schüler ihre Meinung zur Schließung deutlich.

Großes Misstrauen herrschte seitens der Eltern auf dem Info-Abend der Rudolf-Diesel-Realschule der Hermann-Schmid-Akademie. Der Grund: Die widersprüchlichen Angaben von Verantwortlichen. Wie geht es nun weiter?

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Kleine Goldene Saal am Montagabend. Die Realschule der Hermann-Schmid-Akademie (HSA) hatte zur Info-Veranstaltung geladen. Eltern, Kinder und Jugendliche kamen und brachten auch die Transparente von der Demo am Morgen mit.

Am Freitag zuvor war öffentlich bekannt geworden, dass die Hermann-Schmid-Akademie zum Schuljahresende schließen wird – jene Privatschule, die im November ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Beamte der Kriminalpolizei und der Vertreter der Staatsanwaltschaft Augsburg hatten wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug die Büros der HSA und die Wohnungen des Geschäftsführers und seiner Tochter untersucht. Die Tochter – und HSA-Prokuristin – Nicole Schmid sprach am Freitag von "ungerechtfertigten Vorwürfen", die letztendlich zum Schul-Aus geführt hätten. Von den Plänen zur Schulschließung hatten die Eltern der Schüler am Abend zuvor erfahren.

Unmittelbar nach der Pressekonferenz am Freitag teilte die Stadt Augsburg per Presseinformation mit, eventuell das Gelände der Akademie kaufen zu wollen, um Platz für das überfüllte Peutinger Gymnasium zu schaffen. Das kritisierte wiederum die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Dem Gymnasium, das seit Jahren unter knappen Raumbedingungen leide, das Gelände und Gebäude zu versprechen, während unklar sei, was mit den Lehrkräften und Schülern der HSA wird, "ist unverantwortlich", so die Lehrer-Gewerkschaft. Finanz- und Liegenschaftsreferentin Eva Weber sagte am Montag auf einer Pressekonferenz: "Die Verantwortung, die ich mir anziehe ist, dass die Kommunikation der letzten Woche nicht gut gelaufen ist." Die Schulleitung des Peutinger Gymnasiums hatte demnach am Wochenende seine Schüler und deren Eltern informiert, dass ein Umzug in die ehemaligen Räume der Hermann-Schmid-Akademie bevorstehe. Dass dadurch der Eindruck entstehe, es ist alles bereits beschlossene Sache und hinter verschlossenen Türen abgemacht worden, sei, so Weber, durchaus nachvollziehbar. Bisher sei jedoch nichts beschlossen. Zumal sich am Dienstag dann noch die Augsburger Lehmbaugruppe, einer der größten privaten Schulträger in der Region, zu Wort meldete. Man denke darüber nach, Teile der Hermann-Schmid-Akademie zu übernehmen, erklärte Geschäftsführer Raphael Brandmiller.

"Das muss die Stadt klären"

Auf der Info-Veranstaltung für die Eltern und Schüler am Montag führte Moderator Jürgen Marks, früherer stellvertretender Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, jetzt Pressesprecher im Bayerischen Wirtschaftsministerium und nebenberuflicher Kommunikationsberater, durch den Abend. Bernhard Buchhorn, Ministerialbeauftragter für Realschulen in Schwaben, und der Stellvertretende Schulleiter Michael Strauß nahmen an der Veranstaltung teil, ebenso wie der Augsburger Bildungsreferent Hermann Köhler – letzterer allerdings nur für eine halbe Stunde. Köhler entschuldigte sich hierfür, die Eltern fühlten sich dennoch alleine gelassen, denn in der Fragerunde, als Köhler den Saal bereits verlassen hatte, hieß es von Seiten des Veranstalters ein ums andere Mal: "Das muss die Stadt klären". Doch von der Stadt war niemand mehr anwesend.

Erfreulich aus Sicht der Eltern: Von der Stadt wurde zumindest in Aussicht gestellt, dass die Möglichkeit geprüft werde, die Realschule in einen staatlichen Betrieb zu übernehmen – Lehrer allerdings nicht inbegriffen, da nicht dem staatlichen Anspruch genügend (Beamtenstatus, zweites Staatsexamen). Die Eltern betonten indes, dass es sich um ein "hoch engagiertes und von den Kindern geliebtes Kollegium" handle, das man gerne erhalten möchte. Überhaupt wurde klar, dass für die Eltern und auch die vielen anwesenden Schüler eigentlich keine Alternative dazu besteht, die Schule in der vorhandenen Struktur am Standort zu erhalten – am besten mit einem neuen Träger.

Doch nach wie vor besteht die Angst, dass die Schüler auf die vorhandenen Realschulen verteilt werden müssen. Dafür sollen auf einem Formular „Wünsche“ geäußert werden – bis zum 18. März. Die Vermutungen, der Termin habe mit der Stadtratssitzung am 19. März zu tun, wurden auf der Info-Veranstaltung zurückgewiesen. Der Termin sei dem Umstand geschuldet, dass die Realschulen ab Mai die Platzvergabe planen.

Deutlich wurden die Sorgen der Eltern: große Klassen an Schulen, die nicht noch mehr Kinder brauchen; Wanderklassen, die vielen Kindern zu schaffen machen, fehlende Ganztagsbetreuung, denn gebundener Ganztag ist an staatlichen Schulen nicht vorhanden; weite Schulwege; das Verlassen des sozialen Umfelds; Realschulen, die bereits jetzt ihre Schüler in Containern „aufbewahren“; Umgang mit Legasthenie, Dyskalkulie und anderen Besonderheiten von Schülern; Schulwechsel im Prüfungsjahr – und vieles mehr.

Deutliche, unbequeme und doch sachliche Wortmeldungen der Kinder

Viele Eltern störten sich an der wiederholten Bemerkung von Buchhorn, dass man selbst verantwortlich sei, wenn man sein Kind auf eine Privatschule schicke. Einige Eltern nannten – sehr unterschiedliche - Gründe für diese Wahl, die alle mit einem nicht ausreichend vorhandenen Angebot an staatlichen Schulen zu tun hatten.

Was die Weiterführung der HSA-Schulen unter einem neuem Träger anbelangt, hatte Oberbürgermeister Kurt Gribl dies im Vorfeld als unrealistisch ausgeschlossen. Eva Weber hingegen habe gegenüber Schülern auf der Demo am Montagmorgen einen vorhandenen Interessenten erwähnt, erzählten einige Schüler auf dem Info-Abend. Dass es einen Interessenten gäbe, dementierten an diesem Abend jedoch die Vertreter der HSA – wohlgemerkt bevor sich am Dienstag die Lehmbaugruppe selbst ins Spiel brachte.

Insgesamt wurde die Diskussion am Montag im Laufe des Abends immer emotionaler. Großes Misstrauen herrschte bei den Eltern aufgrund der widersprüchlichen Angaben von Verantwortlichen. Die anwesende Elternschaft rief alle Betroffenen zum „Widerstand“ auf.

Die Schüler hielten ihre Transparente hoch. Und es gab deutliche, unbequeme und doch sachliche Wortmeldungen der Kinder. Eine Schülerin verlas am Ende Whatsapp-Statements von Mitschülern unterschiedlicher Altersstufen und erntete dafür Standing Ovations. Moderator Marks ließ dies als Schlusswort stehen. (jaf/pb/oh)

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Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Türk Herbert
10. März 2020 - 19:58

Wenn man diesen Artikel liest, dann merkt man erstmal wie unglaubwürdig die Frau Weber (CSU) eigentlich ist. Die macht Versprechen, die dann gar nicht eingehalten werden. Vielleicht sollte man einfach mal anders wählen.

 


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