IHK Schwaben: Volkswirtschaftlicher Schaden wegen Corona geht "in die Billionen Euro"

Die IHK Schwaben hat nun über die Auswirkungen des Coronavirus für die regionale Wirtschaft informiert.

IHK Schwaben geht von großen wirtschaftlichen Schäden aufgrund des Coronavirus aus

Das Coronavirus hat nicht nur Auswirkungen auf das alltägliche Leben, sondern auch auf die Wirtschaft. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben hat nun auf Grundlage einer Online-Befragung ihrer schwäbischen Mitgliedsunternehmen erste Zahlen zur Auswirkung des Virus auf die regionale Wirtschaft präsentiert. Marc Lucassen, Geschäftsführer der IHK Schwaben, sagte: "Wir gehen davon aus, dass es zu einer Rezession in Deutschland kommen wird."

Noch sei kaum abzusehen, wie groß der volkswirtschaftliche Schaden im Bundesgebiet sein wird, aber er gehe "in die Billionen Euro", so Lucassen. Wie stark der Schaden tatsächlich sein wird, hänge nun vor allem davon ab, wie lange die restriktiven Maßnahmen nötig seien. In Schwaben erwarte jedes zweite Unternehmen inzwischen einen Rückgang seines Umsatzes im Jahr 2020.

Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 220 schwäbischen Unternehmen hervor. 25 Prozent der Unternehmen rechnen gar mit einem erheblichen Rückgang ihrer Einnahmen von über zehn Prozent. 28 Prozent gehen von einem geringeren Rückgang aus. Weitere 24 Prozent der Unternehmen wollten aktuell noch keine Einschätzung abgeben. Damit sind sich nur 23 Prozent der Befragten aktuell relativ sicher, dass das Coronavirus keine negativen Auswirkungen auf ihren Umsatz haben wird.

Besonders betroffen ist in Schwaben das Gastgewerbe. 93 Prozent der Befragten gaben an, bereits jetzt die Auswirkungen des Virus zu spüren. Gefolgt werden die Gastronomiebetriebe von der Reisebranche und der Industrie. "Im Moment merken wir es sehr stark im Gastrobereich und im Tourismus", sagte Lucassen. Oft handle es sich in diesem Bereich um kleinere Unternehmen, die die Umsatzeinbußen kaum stemmen können.

Am wenigsten betroffen fühlt sich aktuell das Baugewerbe, wo nur 29 Prozent der Betriebe eine Auswirkung auf ihre Geschäfte sahen. Im Durchschnitt spürten 60 Prozent aller schwäbischen Unternehmen bereits jetzt die Auswirkungen des Virus.

Für die kommenden Wochen rechnen die Unternehmer damit, dass vor allem abgesagte Messen und Veranstaltungen, die eingeschränkte Reisetätigkeit und ein Rückgang der Nachfrage nach Produkten ihre üblichen Geschäfte beeinflussen werden. Auch mit Krankheitsausfällen rechnen 36 Prozent der Befragten.

Mit den Maßnahmen der Politik zeigte sich die IHK Schwaben größtenteils zufrieden. So sei die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes "aus unserer Sicht ein probates Mittel", um mit der Krise umzugehen, so Lucassen. Im Allgemeinen sei es gut, dass die Wichtigkeit, die Wirtschaft in der aktuellen Lage zu unterstützen, erkannt und ein umfangreiches Maßnahmenpaket angekündigt worden sei. Allerdings mahnte die IHK Schwaben, dass die angekündigten Hilfen nun auch möglichst bald zur Verfügung stehen müssten. "Wir sind zufrieden mit der generellen Richtung, aber noch nicht zufrieden mit der Schnelligkeit der Umsetzung", kritisierte Lucassen.

Die Kammer fordert auch eine vereinfachte Antragsstellung für Unternehmen, die Unterstützung brauchen. "Wir erwarten jetzt von der Bürokratie, dass sie sich unbürokratisch verhält", erklärte der Geschäftsführer der IHK Schwaben. Das sei zwar nicht selbstverständlich, aber in der aktuellen Situation unumgänglich.

Die IHK selbst habe bereits auf die veränderte Lage reagiert, indem vorerst etwa Personal aus dem Veranstaltungsmanagement in die Beratung verlegt werde. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung sei man in enger Abstimmung auf Landesebene. Generell sei klar: "Wir lösen dieses Problem hier nicht alleine", so Lucassen. Man stelle sich auf eine mehrwöchige oder auch mehrmonatige Krisenphase ein.

Sorgen, dass die Gesundheitsämter bald von sich aus die Schließungen ganzer Firmen veranlassen werden, macht Lucassen sich nicht. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr gering. Dennoch habe sich die IHK als Arbeitgeber auch auf diesen Extremfall vorbereitet. Es sei ohnehin am besten, immer für das "Worst-Case-Szenario" gerüstet zu sein. Zur Zeit gilt dies für die Unternehmen weltweit wohl besonders.

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