Überwachung von Politikern und Journalisten - Sasek-Sekte agiert auch in Mertingen

Politiker und Journalisten stehen unter Beobachtung der Sasek-Sekte, auch Fabian Mehring gehört dazu.

"Jetzt müssen alle Alarmglocken des Rechtsstaates läuten", erklärt Landtagsabgeordneter Fabian Mehring, der selbst im Fokus der Organischen Christus Generation stehe. Für Mehring ist die Sasek-Sekte "keine harmlose Gruppe von Ideologen".

Laut dem BR-Politikmagazins „Kontrovers“ haben Anhänger der Organischen Christus Generation (OCG) des Schweizer Sektengurus Ivo Sasek in großem Ausmaß Daten über Politiker und Journalisten gesammelt, darüber berichtet Freie-Wähler-Landtagsabgeordneter Fabian Mehring, der selbst im Fokus der Überwachung durch die OCG stehe.

Im Januar habe „Kontrovers“ den Landtagsabgeordneten Mehring erstmals über Rechercheergebnisse zur OCG in Bayern informiert. Demnach habe der Sekten-Guru Sasek seine Mitglieder dazu aufgerufen, Informationen über Journalisten und Politiker zu sammeln – etwa zu deren „Rassenzugehörigkeit“ oder „sexueller Orientierung“. Ferner habe Sasek Anhänger dazu angehalten, Listen über Politiker anzufertigen und sie in verschiedene Kategorien einzuteilen. In seinen „Predigten“ habe Sasek außerdem den Holocaust instrumentalisiert und im Stile einer Nachrichtensendung Fake News zum Corona-Virus verbreitet. Die Sendung sei in einem zum Fernsehstudio umgebauten Industriegebäude in Mertingen aufgenommen worden, teilt Mehring in einer Pressemeldung mit.

„Wir wissen jetzt, dass es sich leider nicht nur um die Arbeit einiger Fanatiker handelt, die ein bisschen im Internet recherchiert haben. Vielmehr hat die OCG eine systematische Analyse nahezu aller Menschen, die im gesamten Bundesgebiet in überregionaler politischer Verantwortung stehen, angefertigt. Auf ihren Listen finden sich wohl Mitglieder des Deutschen Bundestags ebenso wie Abgeordnete sämtlicher Landesparlamente“, erklärt Mehring. Wie andere Medien vermelden, seien die Daten von etwa 8000 Personen gesammelt worden, darunter die von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Mehring sei nach eigenen Angaben von den Urhebern der Listen eine vierstellige „Kennziffer“ zugeordnet worden, darunter seine private Handynummer und die Adresse seiner Privatwohnung.

Mehring ist entsetzt über Ausmaß und Detailgrad der Listen: „Das erinnert auf erschreckende Weise an dunkle Zeiten in unserem Land. Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass wir es nicht mit einer harmlosen Gruppe von Ideologen zu tun haben, sondern wir einem äußerst bedenklichen Vorgang von bundesweiter Bedeutung auf der Spur sind. Deshalb müssen alle Alarmglocken des Rechtsstaates läuten.“

Zwischenzeitlich laufe ein Ermittlungsverfahren der Generalstaatsanwaltschaft, Mehring sei als Zeuge involviert. Außerdem stehe der Abgeordnete im Austausch mit einer Aussteigerin. „Was ich in diesen Gesprächen erfahren habe, bestätigt mich in meiner Ansicht, dass der Verfassungsschutz das Treiben der 'Organischen Christus Generation' genau unter die Lupe nehmen muss“, so Mehring. Die Freien Wähler haben, ergänzt Mehring, als erste politische Gruppierung bundesweit mit einem Antrag die Untersuchung der rechtsextremen Sasek-Bewegung gefordert. (pm/leo)

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