Region: Aichach|Friedberg

Auf der Corona-Station: Wie sich der Arbeitsalltag einer Intensivpflegerin geändert hat

Rebecca Reiner arbeitet auf der Intensivstation im Aichacher Krankenhaus.

Die Schiltbergerin Rebecca Reiner arbeitet auf der Intensivstation des Aichacher Krankenhauses. Ihre Arbeit ist derzeit schwerer denn je.

Weihnachten hat Rebecca Reiner „auf Station“ verbracht. Die Schiltbergerin arbeitet auf der Intensivstation im Aichacher Krankenhaus. „Es gab ordentlich zu tun. Wegen Corona. Denn andere Patienten haben wir derzeit kaum.“ Ihre Arbeit habe sich mit dem Ausbruch des Coronavirus nicht nur hinsichtlich der Abläufe und Auflagen verändert, auch körperlich sei sie anstrengender geworden und psychisch sowieso. „Das Atmen fällt schwer in der Ausrüstung“, sagt Reiner.

Allein das Anziehen, um überhaupt zu den Covid-Erkrankten gehen zu können, dauert. Nur in voller Schutzausrüstung darf sie arbeiten. „In der Vollmontur ist es sehr heiß. Nach einer Viertelstunde schwitzt du wie in der Sauna“, versucht die 27-Jährige einen Vergleich. „Dazu kommt die dichte Brille, die durchs Schwitzen stark beschlägt. Dann siehst du auch nichts mehr. Wenn ich meine Handschuhe ausziehe, dann kommt da ein Bach raus“, erzählt sie.

Im Gegensatz zu ihren Patienten kommt die Intensivkrankenschwester nach etwa acht Stunden zum Durchatmen. Die Körper der Erkrankten schaffen es teils nicht mehr, genug CO2 loszuwerden. Manche ihrer Anvertrauten seien nicht in der Lage, sich selbst zu drehen, erklärt Reiner. Also würden sie, pro Schicht durchschnittlich drei, regelmäßig umgelagert. Einige der Patienten seien „von der Lunge her“ in einem so schlechten Zustand, dass sie in Bauchlage gebracht werden müssen. „Das geht nicht ohne Arzt und dauert pro Patient mindestens eine halbe Stunde“, weiß Reiner aus Erfahrung. Das liegt auch daran, dass sämtliche Schläuche beachtet und mitgenommen werden müssen. „Wir hatten ein paar wenige Patienten unter 60 Jahren, der Großteil ist aber deutlich über 60 und auch dementsprechend vorerkrankt, was natürlich auch seinen Teil beiträgt. Es ist schon echt anstrengend“, sagt die 27-Jährige, die sich in ihrer Freizeit nicht nur bei der Schiltberger Feuerwehr engagiert, sondern auch beim Hofbergverein. Während der ersten Corona-Welle habe sie „deutlich abgenommen“ und Kilos verloren; inzwischen scherze man im etwa 25-köpfigen Team, eine Schicht koste ein Kilo.

Scherzen? Ja, das gehe noch, sinniert die Intensivkrankenschwester – und sei auch ungemein wichtig. „Wenn man nicht mehr lachen kann, dann ist es zu spät“, gibt sie als Parole aus. „Das ist unser Job und es ist niemandem und auch uns nicht geholfen, wenn wir nur noch trauern. So leid einem die Schicksale tun...“

Erschöpft seien sie und ihre Kollegen schon, aber die Stimmung im Team sei trotzdem gut, bekundet Reiner. Anders würde es auch nicht gehen. Frust mache sich einerseits wegen politischer Entscheidungen und unglücklicher Kommunikation breit, aber vor allem auch, weil so viele Patienten – „die sind ja alle schwerkrank“ – an einen Punkt kämen, „an dem es weder vorwärts noch rückwärts geht, das stagniert dann so“, berichtet Reiner. Daran habe sie teilweise zu knapsen. Glücklicherweise arbeite ihre beste Freundin mit ihr auf der Station, und glücklicherweise pflege das Team einen freundschaftlichen Umgang, schildert die 27-Jährige.

Angst, sie könne Corona in ihre Familie tragen, hat Rebecca Reiner „eigentlich nicht“. Sie war selbst schon Corona-positiv, „aber das war eher ein Zufallsbefund, ich hatte sehr untypische Symptome. Angesteckt habe ich niemanden. Meine Eltern und Geschwister sind fit, aber zu meiner Oma halte ich Abstand. Die will ich auf keinen Fall anstecken. Wir haben uns im letzten halben Jahr vielleicht vier Mal gesehen.“ (Ines Speck)

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