Kirchenmusik in Corona-Zeiten

Stefan Wagner im Homeoffice am Cembalo.

Das Arbeitspensum des Kirchenmusikers Stefan Wagner ist trotz Corona nicht kleiner geworden. Die Chor- und Ensembleproben finden jetzt online statt.

Die letzte Chorprobe fand am 11. März statt und dennoch hat sich für den Kirchenmusiker Stefan Wagner ein neues Tätigkeitsfeld eröffnet. Das Kinderkirchenteam St. Michael bat für Online-Kindergottesdienste um Einspielungen von Liedern für Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag. Da ja kein (Kinder-) Chor in Corona-Zeiten zur Verfügung steht, produzierte der Schwabmünchner Kirchenmusiker die Lieder im Homeoffice. Die Kinder aus dem eigenen Haushalt halfen beim Einsingen mit, durch geschickte Schneidetricks entstand ein richtiger Kinderchorklang, mit Begleitung eines „Instrumentalensembles“, also Zusammenschnitte der Klangfarben der Eule-Orgel und Klavier.

Für Ostern gab es eine noch größere Aktion: Mitglieder der Kinderchöre waren dazu aufgerufen, das Gloria für Ostersonntag einzusingen. Der Kirchenmusiker Stefan Wagner produzierte dazu ein „Playback“, welches die Kinder bekamen - denn Tonart und Tempo sollten ja einheitlich sein. Mit diesem Playback, über Kopfhörer, sangen die Kinder zu Hause meist über Smartphones ihren Part ein und schickten diese Aufnahmen zurück an den Kirchenmusiker Stefan Wagner. Am „Mischpult“ im Homeoffice, also am privaten Notebook, konnte dieser daraus einen beeindruckenden Kinderchor mischen. Erfreulich war, dass sogar neue Kinderchormitglieder gewonnen werden konnten.

War die Schwabmünchner Orgel in internationalen Fachkreisen schon seit der Erbauung 1999 ein gefragtes Instrument, so sind nun auch endlich Aufnahmen weltweit verfügbar. Für die Zeit der Corona-Krise wurde auch eine Video-Meditation „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ ins Internet gestellt. In gleicher Weise folgten Orgelmeditationen für Karfreitag und Ostern mit Musik von Bach, Walther und Bildern von Rudolf Herdin. Schwabmünchens Pfarrer Christoph Leutgäb erklärte sich auch bereit, nun für Orgelmeditationen Texte einzusprechen, die erste Orgelmeditation mit Text „Jesu meine Freude“ ist seit 25. April verfügbar, eine weitere mit dem Titel „Schafe können sicher weiden“ seit 3. Mai.

Auch die Diözese Augsburg hat ein Video in der Reihe „Orgelmusik für die Seele“ mit dem Organisten Stefan Wagner an der Schwabmünchner Eule-Orgel produziert.

Neues Konzept für Chor- und Ensembleproben

Der Schwabmünchner Kirchenmusiker hält es zur Zeit nicht für verantwortungsvoll, mit kleinen Vokalensembles im Gottesdienst zu musizieren, auch unter der Einhaltung der Mindestabstände von eineinhalb bis zwei Metern. "Man sieht leider gerade oft in Fernseh- oder Internetgottesdiensten Vokalensembles singen, die diese Mindestanforderung einhalten", sagt Wagner. Aber dieser Mindestabstand ist laut Meinung des Schwabmünchner Kirchenmusiker nur eine Sicherheitsgarantie, wenn man kaum atmet und dies geht ja beim Singen nicht. "In Übereinstimmung mit der Musikhochschule Freiburg müsste beim Ensemblegesang ein Abstand von bis zu Fünf Metern eingehalten werden", erklärt Wagner.

Die Chor- und Ensembleproben finden jetzt zwar zu den gewohnten Zeiten statt, aber nur online. Wichtig ist dem Kirchenmusiker Stefan Wagner eine Kontinuität, auch zeitlich. Teilweise werden den Chören und Ensembles ein kurzes Motivationsvideo des Kirchenmusikers aus dem privaten Arbeitszimmer oder leeren Probenraum zur Verfügung gestellt. Anschließend haben die Ensemblemitglieder die Möglichkeit, Aufnahmen der Musik, die demnächst aufgeführt werden soll, in neu aufgearbeiteten Archivaufnahmen der Kirchenmusik St. Michael oder andere Aufnahmen anzuhören. Noten haben die Mitglieder selbst zu Hause - oder werden als Download angeboten. Jedem ist damit freigestellt, sich nach seinen Möglichkeiten mit der Musik zu beschäftigen. Als Abschluss der Online-Probe gibt es die Möglichkeit zum Ratschen im abschließenden „Online-Chat“ - wie in den richtigen Proben auch. Einzelschüler werden zur Zeit per Skype oder auf anderen Wegen unterrichtet.

Das Arbeitspensum des Kirchenmusikers Stefan Wagner ist trotz Corona nicht kleiner geworden, manches braucht mehr Zeit. Allerdings kommt er nun häufiger zum Orgelüben – meistens abends ab 21 Uhr in der leeren abgeschlossenen Kirche. „Das macht den Kopf frei, und ist auch sicher“.

Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der Pfarrei www.pg-schwabmuenchen.de. (pm)

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