Region: Augsburger Land

Ein Jahr Sicherheitswacht: Polizeiinspektion Schwabmünchen zieht erste Bilanz

Die neuen Sicherheitswächter nach Entgegennahme der Bestellungsurkunden im Oktober 2019. Von links hinten: Polizeihauptkommissar Gernot Hasmüller, Rüdiger Landto von der Gemeinde Graben, Bürgermeister der Gemeinde Untermeitingen Simon Schropp, Bürgermeister von Schwabmünchen Lorenz Müller, Ordnungsamtsleiter von Schwabmünchen, Herr Haupeltshofer und Polizeihauptkommissar Bergdolt vom Polizeipräsidium Schwaben Nord.

Die fünf Sicherheitswächter der Polizeiinspektion Schwabmünchen sind nun ein Jahr im Dienst. Sie sind das Bindeglied zwischen der Polizei und der Bevölkerung. Nun blickt die Polizei zurück und zieht eine erste Bilanz.

Die fünf Sicherheitswächter im Alter zwischen 41 und 58 Jahren sorgen nun seit einem Jahr für Sicherheit. Für eine Aufwandsentschädigung von acht Euro in der Stunde werden sie dorthin geschickt, wo Einbrüche zu befürchten sind, wo Autos aufgebrochen oder beschädigt wurden, zu Asylheimen, in die Parks, Schulen und Spielplätze, zu Jugendzentren oder zu Veranstaltungen und Festen.

Was die Sicherheitswacht bisher geleistet, verhütet und unterbunden habe, lasse sich nicht in Zahlen oder Statistiken auszudrücken, schreibt die Polizei Schwabmünchen. "Letztlich sind positive Reaktionen und Dankbarkeit aus der Bevölkerung die einzigen Indikatoren für deren Erfolgsgeschichte." Immer wieder bekämen die Wächter von den Menschen die Rückmeldung, dass sie sich durch deren Anwesenheit sicherer fühlen würden. Inzwischen hätten die zwei Frauen und drei Männer schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Während ihrer Streifentätigkeit habe es keine Auseinandersetzungen gegeben, obwohl es auch mal kritische Situationen gab, insbesondere wenn Alkohol im Spiel war. In diesen wenigen Fällen sei dann die Polizeistreife hinzugerufen worden. Es wurde niemand verletzt und es gab keine ernsthaften Beschwerden.

Eine zusätzliche Wertschätzung erfuhr die Sicherheitswacht ab März dieses Jahres. Zusammen mit den Polizeikollegen sind sie seit Ausbruch des Corona Virus unterwegs, um die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen zu überwachen. "Eine zuletzt immer schwieriger werdende Aufgabe", so die Polizei.

Bevor die erste Sicherheitswachtstreife am 1. November 2019 ihren Dienst bei der Polizeiinspektion Schwabmünchen aufnahm, mussten einige Hürden überwunden werden. Eine der Voraussetzungen für die Installation einer Sicherheitswacht sei eine Bevölkerungszahl von mindestens 20.000 in einem Gebiet. Die Lösung bestand in einem Verbundkonzept der Stadt Schwabmünchen zusammen mit den Lechfeldgemeinden Graben, Untermeitingen und Klosterlechfeld. Des Weiteren musste ein Bedarf vorhanden sein. Die Grundlagen dafür hätten sich in den Zahlen des alljährlich erscheinenden polizeilichen Sicherheitsberichts gefunden, auch wenn sich im Dienstbereich der Polizeiinspektion keine klassischen Brennpunkte befänden, so wie es sie in den Großstädten gibt.

"Aufgrund der Tatsache, dass die Finanzierung der Sicherheitswacht durch den Freistaat Bayern erfolgt, bedurfte es bei den Bürgermeistern der Stadt Schwabmünchen sowie der drei Lechfeldgemeinden keiner großen Überzeugungskraft", berichtet die Polizei. Sie hätten Vorteile darin gesehen, wenn beispielsweise die Sicherheitswacht ehrenamtlich im Außenbereich von Volksfesten, anstatt von privaten Sicherheitskräften für Sicherheit sorgen würde. Bei den anschließenden Vorstellungen der Pläne vor den Mitgliedern der betroffenen Stadt- und Gemeinderäte sei es dann darauf angekommen, klarzustellen, dass die Sicherheitswacht weder Hilfspolizei noch eine Bürgerwehr ist. Sie solle als wichtiges Bindeglied zwischen der Polizei und der Bevölkerung wahrgenommen werden.

Eine Sicherheitswacht werde nur aufgestellt, wenn sich eine Stadt oder Gemeinde durch Beschlussfassung mehrheitlich dafür ausspricht, so die Polizei Schwabmünchen weiter. Dies sei bei der Stadt Schwabmünchen, sowie den Gemeinden Graben und Untermeitingen der Fall gewesen. Der Gemeinderat von Klosterlechfeld sprach sich zunächst gegen eine Sicherheitswacht aus. Nachdem der restliche Verbund jedoch eine Bevölkerungszahl von 25.000 aufwies, konnte das Genehmigungsverfahren auch ohne Klosterlechfeld erfolgreich durchlaufen werden. Das Bayerische Innenministerium schaffte acht Planstellen, vier für die Stadt Schwabmünchen und jeweils zwei für Graben und Untermeitingen.

Im Sommer 2019 startete eine Werbekampagne, woraufhin sich zwei Frauen und drei Männer bewarben, die bereit waren sich der Herausforderung zu stellen. Die notwendigen Voraussetzungen hierfür hatten sie mitgebracht. Sie waren zwischen 18 und 63 Jahre alt, konnten sich gut in Wort und Schrift ausdrücken und besaßen ein Führungszeugnis ohne Eintragung. Im Herbst 2019 begann deren 40-stündige Ausbildung. Dabei standen neben allgemeinen Rechtsfächern auch der Inhalt von Stadt- und Gemeindesatzungen auf dem Stundenplan. Sie erfuhren vom Sicherheitswachtgesetz, worin steht in welchen Fällen sie eine Identitätsfeststellung machen können, wann sie einen Platzverweis aussprechen dürfen und wo ihr Festhalterecht endet. Am Schluss der Ausbildung gab es eine Abschlussprüfung, die alle fünf Bewerber erfolgreich bestanden hätten. Sie bekamen ihre Uniform, Ausrüstung und einen Dienstausweis ausgehändigt.

In nächster Zeit sollen zwei Mitarbeiter von der Landsberger Sicherheitswacht in den Dienstbereich der Polizeiinspektion Schwabmünchen wechseln, kündigt die Polizei an. Im Jahr 2021 soll ein neuer Versuch gestartet werden, die Mehrheit des Gemeinderates von Klosterlechfeld für eine Sicherheitswacht zu begeistern. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise müssen die geplanten Fortbildungen für die Sicherheitswachtmitglieder auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Im kommenden Jahr sollen wieder Ausbildungsmöglichkeiten für die Arbeit als Sicherheitswächter angeboten werden. Interessierte können sich bei der örtlichen Polizeiinspektion bewerben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.polizei.bayern.de/wir/sicherheitswacht. (pm)

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