Das Coronavirus hat auch in Stadtbergen viel verändert

von LeserReporter Jutta Kaiser aus Neusäß
Das Rathaus Stadtbergen befindet sich wieder im Regelbetrieb und steht allen Bürgern uneingeschränkt zur Verfügung. Es gilt aber: Voranmeldung per Internet oder Telefon. Im Rathaus herrscht Maskenpflicht.

Abgesagte Kulturveranstaltungen, Steuerausfälle und Hygienevorschriften brachten große finanzielle Ausfälle.

Stadtbergen. Corona hinterlässt massive Spuren in allen Lebensbereichen. Auch die Kommunen müssen mit deutlichen finanziellen Einschnitten rechnen. Der Bürgermeister der Stadt Stadtbergen, Paulus Metz, geht derzeit von einem Gewerbesteuerausfall von über 400.000 Euro aus. Mit eingerechnet sind dabei noch nicht die vermehrt auftretenden Stundungsanfragen von Stadtberger Betrieben. Diese werden wohl tendenziell an Fahrt aufnehmen, da derzeit noch relativ viel durch die Soforthilfen abgefangen wird. Die finanziellen Auswirkungen von Einkommens- und Lohnsteuer werden wohl erst in zwei Jahren zu spüren sein.

Einen großen Kostenfaktor bedeuten für Stadtbergen auch die Hygienekonzepte, die in öffentlichen Räumen wie dem Hallenbad, Sporthallen, dem Beachvolleyball-Platz sowie der inzwischen wieder eröffneten Kneippanlage eingehalten werden müssen. Ein Hallenbad stelle zwar immer ein Defizit dar, doch dieses wird in diesem Jahr weit größer sein, sagt Metz. Aufgrund der begrenzten Wasserflächen im Außenbereich dürfen nur 21 Besucher eingelassen werden. Es werde "nach einem ausgeklügelten Dreischichtbetrieb" sowie Anmeldung per Telefon oder Internet verfahren, sodass letztlich etwa 60 Personen den Außenbereich des Bads am Tag für jeweils zwei Stunden besuchen können.

Jeweils anschließend erfolgt eine aufwändige Desinfektion. Das Hallenbad selbst steht für die Öffentlichkeit nicht zur Verfügung, da sich aufgrund der Hygienevorschriften nur 32 Personen dort aufhalten dürfen. Dennoch geht dort der Betrieb der Schwimmschule und die Nutzung durch Vereine und Seniorengymnastik – ebenfalls im Dreischichtbetrieb - weiter.

Schwer betroffen von der Krise sind auch alle Stadtberger Vereine, angefangen beim Musikverein, der derzeit im Freien probt, bis hin zu den Turnvereinen, die erst seit den Ferien mit kleinen Gruppen wieder beginnen durften zu trainieren. Durch den Ausfall der Einnahmen beim Stadtfest und wahrscheinlich auch der Weihnachtsmärkte haben die Vereine schwer zu kämpfen. Metz bittet deshalb darum, diese weiterhin mit Mitgliedsbeiträgen zu unterstützen.

Ein eigener Ordnungsdienst sorgt in Stadtbergen bei Menschenansammlungen oder Jugendpartys für diszipliniertes Verhalten hinsichtlich der Corona-Vorgaben. Mehrfach habe er bei Treffen von Jugendlichen – oftmals auch aus anderen Kommunen – die sich auf Stadtberger Gebiet am Waldrand gerne Plätze zum Feiern suchen, eingreifen müssen.

Um die Eltern der Ferienkinder zu entlasten, wird in diesem Jahr ein längeres Ferienprogramm angeboten.

Kein Stadtfest, kaum Kulturprogramm

Einen großen finanziellen Verlust für die Stadt bedeutet auch der Ausfall fast aller Veranstaltungen in diesem Jahr. Besonders schmerzlich schlägt dabei die Absage des großen Stadtfests mit 30.000 Euro zu Buche. Aber auch viele Vereinsfeste fielen Corona zum Opfer, wie etwa das 700. Jubiläum der Spielvereinigung Deuringen oder das 125. Jubiläum des dortigen Turn- und Sportvereins.

Das Kulturprogramm im Bürgersaal musste ebenfalls komplett abgesagt werden. Derzeit wird nach Alternativen gesucht. Diese könnten in einem bereits geplanten Freiluftkino beim Hallenbad bestehen und auch Schausteller sollen an verschiedenen Orten in den vier Stadtteilen mit verschiedenen Ständen und Fahrgeschäften das Freizeitangebot bereichern. Angedacht sind zudem eine kleine Kulturtour mit verschiedenen Veranstaltungen wie „Frühschoppen-Hoppen“ am Sonntagvormittag und Musikveranstaltungen mit Blues und Rock – Angebote also mit kleinen Musikgruppen oder Einzelmusikern im Freien. Hinsichtlich einer möglichen zweiten Welle müsse man das Feiern einfach ganz realistisch sehen und jegliche Vorsicht walten lassen, sagt Metz.

Die baulichen Vorhaben in Stadtbergen gehen indes trotz Corona weiter, allerdings viel schleppender. Dennoch sind die Planungen für die Erweiterung des Kindergartens am Reiterweg sowie die Planungen für die Oswald-Merk-Halle rechtzeitig fertig geworden. Einzig die Schallschutz-Einhausung der B17, die Anfang Juni fertig gestellt sein sollte, lag nicht mehr im Zeitplan und soll frühestens nach den Sommerferien erfolgen.

Inzwischen befindet sich auch das Rathaus wieder im Regelbetrieb. Allerdings gilt eine Voranmeldung per Internet oder Telefon. Die Termine werden im Halbstundentakt von 7.30 Uhr bis 18 Uhr an die Bürger vergeben. Um allen Hygienevorgaben gerecht zu werden – es dürfen nur zwei Personen in einem Raum sein – wurden die Büros des Ordnungs- und Einwohnermeldeamts geteilt und zusätzliche Büros eingerichtet, was bedeutet, dass in beiden Ämtern ganztägig wieder so viel Bürger bedient werden können, wie vor Corona. (jkw)

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