Bankenehe kann vollzogen werden

von LeserReporter Josef Thiergärtner aus Altenmünster

Sie freuen sich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit im Aufsichtsgremium der zusammengeschlossenen Institute: Die wiedergewählten Aufsichtsratsmitglieder Bernhard Walter (links), Alexander Guggemos (2.v. links) Vorsitzender Dr. Walter Michale (Mitte) und die neu gewählten Mitglieder Leonhard Rampp (2. v. rechts), Thomas Findler (rechts)

Mitglieder der Raiffeisenbank Augsburger Land West stimmen mit großer Mehrheit dem Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach zu

 

Mit nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen stimmten die Mitglieder der Raiffeisenbank Augsburger Land West bei ihrer Generalversammlung in der Rothtalhalle in Horgau für die Fusion mit der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach. Bereits am Vorabend brachten die Teilhaber in Jettingen mit einem klaren Votum von 92,16 Prozent diese Bankenehe auf die Zielgerade.

Wie schon mehrmals berichtet, war die Bank aus dem angrenzenden Landkreis Günzburg schon längere Zeit auf „Brautschau“. Auslöser dieser Entscheidung war die berufliche Neuorientierung derer Vorstände Markus Deubler und Peter Dopfer. Auch die verhältnismäßig geringe Bilanzsumme von 103 Millionen Euro spielte bei diesen Überlegungen eine große Rolle, die Bestandssicherung sahen die Verantwortlichen Banker in dem wirtschaftlich schwierigen Umfeld auf Dauer gefährdet. Warum sich die benachbarte Bank mit ihren 30 Mitarbeitern für die Bank mit Sitz in Zusmarshausen entschied, erläuterte Vorstand Hermann Scherer in einer ausführlichen Präsentation der wichtigsten Zahlen und Fakten den Versammlungsteilnehmern. Wichtigstes Kriterium war die gleichgelagerte Ausrichtung und Struktur der beiden Banken. „Wir sind und wir werden eine Landbank bleiben, die Präsenz vor Ort mit unseren Filialen und gut ausgebildeten Mitarbeitern steht für uns im Vordergrund“, betonte Hermann Scherer, der mit seinem Kollegen Karl Rau den Vorsitz der Gesamtbank bildet. Alle Mitarbeiter behalten ihren Arbeitsplatz, mit den zu erwartenden Synergieeffekten ist eine Stabilisierung der Ertragslage zu erwarten und somit wird dieser Zusammenschluss für alle einen Mehrwert schaffen, war sein Resümee vor der positiven Abstimmung. 

 

Bevor dieses erfreuliche Ergebnis zustande kam, stand die Berichterstattung der Bilanzzahlen auf der Tagesordnung der Versammlung, die aufgrund der bekannten Umstände nicht wie vorgesehen im Frühjahr stattfinden konnte. Ein umfangreiches Hygienekonzept war hierfür erforderlich, jeder Teilnehmer musste sich im Vorfeld schriftlich anmelden und bekam seinen nummerierten Platz mit ausreichend Abstand zugewiesen. Die gewohnte Bewirtung fiel ebenfalls den Maßnahmen zum Opfer, doch dafür fand jeder einen Verzehrgutschein zur Einlösung in der regionalen Gastronomie in seinen Unterlagen vor.

Postitive Entwicklung trotz schwierigem Umfeld

Um 1,8 Prozent auf nunmehr 679 Millionen Euro steigerte sich die Bilanzsumme im abgelaufenen Geschäftsjahr stellte Vorstand Karl Rau in seinem Rechenschaftsbericht vor. Ausschlaggebend dafür ist die nach wie vor starke Kreditnachfrage, die für eine vierprozentige Steigerung auf 348 Millionen sorgte. Differenzierter ist das Sparverhalten zu betrachten. „Die Nullzinspolitik macht es den Kunden immer schwieriger, die richtigen Anlagen zu finden, die persönliche Beratung ist unverzichtbar“, so Karl Rau. Deshalb steigerte sich das Einlagevolumen nur um 0,5 Prozent auf 571 Millionen Euro, das gesamte von der Bank betreute Kundenvolumen aber, also die eigenen Einlagen und Ausleihungen inklusive der zugehörigen Verbundunternehmen jedoch um 7 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Mit einem um 7,6 Prozent auf 50,7 Millionen Euro gesteigerten Eigenkapital blickt die Bank positiv in die Zukunft, die in ihrer Bilanz einen Gewinn von 853 620 Euro ausweist. Davon können die nunmehr 17 749 Mitglieder aber nur zum Teil profitieren. Eine Anweisung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vom Frühjahr dieses Jahres empfiehlt den Banken angesichts der unvorhersehbaren Risiken auf eine Dividendenzahlung oder Gewinnausschüttung zu verzichten. Wer dieser Empfehlung nicht Folge leistet, muss sich die Frage stellen lassen, ob er noch das volle Vertrauen der Bankenaufsicht verdient, heißt es in den weiteren Ausführungen der Aufsicht. „Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen, deshalb schließen wir uns diesen Vorgaben an und werden die ausgefallene Dividendenzahlung von 0,5 Prozent im nächsten Jahr nachholen“ versprach der Vorstand. Weil die Bank aber schon seit Jahren ihre Kunden durch ihr besonderes Bonusmodell belohnt, müssen die Bankteilhaber nicht ganz auf eine Vergünstigung verzichten. Die erreichten Bonuspunkte, die sich aus dem jeweiligen Einlagen- oder Kreditvolumen errechnen, wurden bereits mit 157 000 Euro vergütet. „Durch weitere Kostenvergünstigungen mit 241 000 Euro in der Kontoführung entspricht die durchschnittliche Rendite der Geschäftsguthaben immer noch sechs Prozent“ besänftigte Karl Rau die Mitglieder.

 

Dass die Bank trotz aller Widrigkeiten gesund und stark in die Zukunft blickt, stellte der Vorsitzende des Aufsichtsrates Dr. Walter Michale in seinen Erläuterungen zur Jahresbilanz fest. Besonders hob dieser das positive Rating der Bank hervor, die mit der Benotung von A++ einen hohen Stellenwert im Bankenvergleich einnimmt.

Zusammenschluss macht Neuwahlen erforderlich

Bei den erforderlichen Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Alexander Guggemos aus Dinkelscherben und Bernhard Walter aus Altenmünster wiedergewählt. Der Sitz des vor kurzem verstorbenen Aufsichtsrates Edgar Schmid aus Agawang bleibt bis zum nächsten Jahr unbesetzt, teilte Vorstand Hermann Scherer mit. Die neu hinzukommende Bank ist künftig mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsgremium vertreten. Thomas Findler aus Mindelaltheim und der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Leonhard Rampp aus Freihalden erhielten das 100 prozentige Vertrauen der Versammlung.

 

 

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