Das größte Problem war die Sprache

Elisabeth Probst, die mit "weltwärts" zehn Monate in Ruanda lebte, war Gastrednerin bei der Mitgliederversammlung des Vereins Solidarität Eine Welt Schwabmünchen. Vereinsvorstand Helmut Stapf bedankt sich bei ihr mit Leckereien aus dem Weltladen.
Zur Mitgliederversammlung des Vereins Solidarität Eine Welt Schwabmünchen e.V. hatte der Vorstand Elisabeth Probst eingeladen, die über Misereor mit „weltwärts“ zehn Monate in Ruanda verbracht hatte. Wie sie versicherte, sei sie von ihrer Organisation gut auf den Aufenthalt vorbereitet worden. Misereor sei eine der wenigen Vereinigungen, die auch ausländischen Jugendlichen einen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen. Während ihrer Zeit in Ruanda habe sie sich als gut betreut empfunden und die Erfahrungen, die sie sammeln konnte, würde sie nicht missen wollen.
Probst lebte zusammen mit ihrer Kollegin Klarissa in einem geräumigen luxuriös ausgestatteten Haus, während die Einheimischen in Lehmhütten lebten. Ihr Einsatzort hieß Gisenyi und lag an der Grenze zu Uganda, 130 Kilometer oder vier Stunden Fahrt von der Hauptstadt Kigali entfernt. Als Verkehrsmittel habe sie meist Motorrad-Taxis benutzt.

Als größte Schwierigkeit habe sich herausgestellt, dass keiner Englisch sprach – einige Französisch, aber ohne die Landessprache Kinyalwarda sei eine Verständigung nicht möglich gewesen. Ihre Aufgabe war, den Kindern Deutsch beizubringen und die deutsche Kultur nahe zu bringen. Da Ruanda vermehrt auf Tourismus setze und Deutsche die zweithäufigsten Besucher darstellten, hätten Jugendliche, die die Sprache können, gute Chancen, im Hotelgewerbe Arbeit zu finden. Probst erzählte, dass die Schulpflicht mit der 6. Klasse beendet sei, dass gute Lehrer fehlen und die Klassen zu groß sind (vierzig Schüler und mehr).
Erst seit 2018 gäbe es offiziell Straßenkinder (womit Hilfsorganisationen sich erst jetzt um die Kinder kümmern könnten). Dabei handle es sich um Kinder des Genozids, von Prostituierten oder von Eltern, die im Gefängnis sitzen. Ins Gefängnis zu kommen sei sehr leicht, meinte die Referentin, zum Beispiel den Rasen zu betreten, was bei hoher Strafe verboten sei. Es gab eine „Cuisine da la Coeur“, in der für Arme gekocht wurde, und die „Patronage“, ein Treffen mit vielen Aktivitäten, bei der reich und arm zusammen Spaß hatten. Von Spendengeldern finanziert hätten seien von den Freiwilligen Räume gestrichen worden, die dann von den Straßenkindern gestaltet wurden. In dem Raum würden Filme gezeigt zur Bildung der Kinder.
Während des Jahres habe sie nichts vom Genozid bemerkt, nur an „Kwibuka 24“, einer Gedenkwoche, in der alles, was Spaß macht, verboten sei. Das Volk trauere intensiv. Ruanda selbst habe die Referentin als sehr fortschrittlich empfunden, zumal sie aufgrund ihrer Reise als Touristin nach Tansania, Sansibar und Uganda einen Vergleich hatte. Viele, auch persönliche Fotos von Betreuern, Freunden und traumhaft schönen Landschaften begleiteten den Vortrag. Zuhause in Deuschland habe sie dann einen Kulturschock erlebt: vor vierzehn Stunden in das Flugzeug gestiegen und dann vom Flughafen aus auf der Autobahn nach Schwabmünchen.
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