Das harte Leben auf hoher See

Über seine Zeit auf See hat Harald Wieczorek das Buch "Windstärke 13" geschrieben. Foto: Stöbich
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Harald Wieczorek hat ein Buch über seine Zeit als Seemann geschrieben

Peter Stöbich
Schwabmünchen. Als Seemann, Schauspieler und Stuntman hat Harald Wieczorek aus Schwabmünchen ein abenteuerliches Leben hinter sich und ist dem Tod mehrmals nur knapp entronnen. Seine wilden Jugendjahre auf den Weltmeeren schildert er jetzt im Buch "Windstärke 13", das über das Internet sowie in der Schwabmünchner Buchhandlung Schmid in der Fuggerstraße 14 erhältlich ist.
1948 in einem kleinen fränkischen Dorf geboren, ging er als 15-jähriger gegen den Willen seiner Eltern auf die Seemansschule nach Bremervörde und heuerte nach der strengen Ausbildung als Bootsjunge an. Als "Moses" musste er nicht nur gegen die Seekrankheit kämpfen, sondern sich auch gegen die damals üblichen Schikanen gegen den Jüngsten an Bord zur Wehr setzen.
Anschaulich und ungeschminkt beschreibt der Autor die harte Arbeit an Deck sowie Auseinandersetzungen in Hafenkneipen oder Gefängnis-Aufenthalte. "Mit dem Fischkutter waren wir durch die Herbststürme des kalten Atlantiks unterwegs und auf den Bananen- und Kaffee-Frachtern durch die Südsee und Karibik - heute ist diese Zeit der Seefahrt unwiderbringlich vorbei!"
Weil er seine Fahrzeit zu lange unterbrochen hatte, musste Wieczorek eine zweijährige Zwangspause in einer Fallschirmjäger-Spezialeinheit einlegen, "aber nach dem Militärdienst zog es mich sofort wieder auf See". Das hätte ihn beinahe das Leben gekostet, denn während eines Orkans kenterte sein Schiff und er trieb 16 Stunden lang im Meer, ehe er in letzter Minute von einer norwegischen Besatzung gerettet werden konnte.
Der wesentliche Wendepunkt in seinem Leben kam 1973, als er sich zwischen der Liebe zu seinem Beruf und der zu seiner späteren Frau Monica entscheiden musste. Der Seemann blieb fortan an Land und schlug sich unter anderem als Leibwächter und Lastwagenfahrer durch, bevor er die Schauspielschule Stuttgart absolvierte und seine Ausbildung dort als Stuntman finanzierte.
"Ich habe drei Weltrekorde aufgestellt", erzählt er: Die Fahrt mit einer Moto-Cross-Maschine durch einen 60 Meter langen Feuertunnel und einen 35 Meter-Sprung in die Spree sowie einen Sturz aus 42 Metern Höhe in Pappkartons. Es folgten Dreharbeiten mit Rainer Werner Fassbinder, Engagements in Wien, Basel und Zürich sowie zahlreiche Auftritte in Serien wie "Großstadtrevier", "Forsthaus Falkenau" oder "Tatort".
"In 135 Theaterproduktionen stand ich 7.200 Mal auf der Bühne." Jetzt ist er selbst unter die Autoren gegangen: Nach seinem 70. Geburtstag wird Wieczoreks Theaterstück "Grauzone - Ticket ins Jenseits" kommenden Herbst in Ottobrunn unter der Regie von Bernd Seidel im Wolf-Ferrari-Hausuraufgeführt.
Gern erinnert sich der Schauspieler an seine Auftritte beim Piraten-Theater in Grevesmühlen sowie bei den Karl May-Spielen in Bad Segeberg, wo er schon seit 1979 in unterschiedlichsten Rollen zum Ensemble gehört. Als er 1985 die Titelrolle als "Ölprinz" spielte, kam es zu einem tragischen Unfall. "Auf einem Ölturm wurde zwischen meinen Beinen eine Vier-Liter-Benzinbombe zu früh gezündet und ich stürzte brennend elf Meter in ein nur eineinhalb Meter tiefes Wasserbecken."
Das Publikum glaubte an einen besonders gelungenen Stunt, doch Wieczorek war nur dank seines Neopren-Anzuges mit dem Leben davongekommen und erlitt schwere Verbrennungen. Trotzdem wiederholte er den Stunt nach seiner Genesung schon wenige Wochen später.
Mit Pierre Brice verband ihn eine herzliche Freundschaft: "Er war einer der feinsten Menschen, die ich kenne, sehr gebildet und liebenswert!" 1999 wurde Wieczorek von Brice in dessen Inszenierung "Halbblut" geholt und zeigte mit Halbblut-Darsteller Nicolas König einen grandiosen Zweikampf: Achteinhalb Minuten lang mit fünf verschiedenen Waffen.
Auch während dieser Spielsaison kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall: "Nach einem Sturz vom Pferd musste ich bewusstlos vom Platz getragen werden." Wieczorek spielte noch 14 Vorstellungen, bis er zusammenbrach und ein Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt wurde. "Offensichtlich habe ich nicht nur einen Schutzengel", stellt er fest.
Nicht nur mit Pierre Brice, auch mit dem Sänger Gunter Gabriel war er über viele Jahre freundschaftlich verbunden und holte ihn 2010 zu einem Konzert in den Wehringer Gasthof Drexel. "Gemeinsam haben wir ein Konzept für eine Filmdokumentation über Gabriels Leben entwickelt", erzählt Wieczorek. Zur Realisierung sollte es aber nicht mehr kommen: Wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag starb der Sänger im Juni vergangenen Jahres an den Folgen eines Sturzes.
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