Der beste Witze-Erzähler Schwabens: Jury kürt Witzemeister in Schwabmünchen

Veranstalter Harald Meier erklärt den Finalisten (von links) Lukas Kiermeyr aus Gersthofen, Wolfgang Neff aus Zusmarshausen und Siegfried Sandner aus Obermeitingen die Finalrunde der schwäbischen Witzemeisterschaft.
 
Siegfried Sandner aus Obermeitingen gab als Sieger der schwäbischen Witzemeisterschaft noch ein paar Witze zu seinem Besten.
 
Der Publikumspreisträger des Oberpfälzer Kabarettpreises sowie Gewinner des ostbayerischen Kabarettpreis 2015 "Da Bobbe" begeisterte mit einem Ausschnitt aus seinem aktuellen Kabarettprogramm „Zefix!“

Für alle Schwaben, die gerne herzlich lachen, war die 1. Schwäbische Witzemeisterschaft am Samstagabend der „Place to be“. Die Veranstaltung fand unter dem Motto „Erscheinen Sie, sonst weinen Sie“ in der Stadthalle in Schwabmünchen statt. Den rund 200 Gästen wurde ein bunter Abend mit Musik, Kabarett, schwäbischer Tradition und hervorragenden Witzen geboten. Eine Jury, rund um das Augsburger Kabarett-Duo Herr und Frau Braun sowie „Da Bobbe“ und Volkstheater Legende Gerda Steiner, kürten den Schwäbischen Witzemeister. Sechs Hobby-Humoristen traten gegeneinander an und buhlten um die Gunst der Jury und des Publikums. Drei der Teilnehmer kamen aus dem Umland Augsburg: Wolfgang Neff aus Zusmarshausen, Lukas Kiermeyr aus Gersthofen und Anton Wilhelm Resch aus Augsburg.



Treffen sich zwei Freunde, sagt der Eine: „Du, ich bin jetzt verheiratet!“.
„Das ist aber schön“, erwidert der Andere.
„So schön auch nicht, sie sieht greislig aus.“
„Das ist aber schlecht!“
„So schlecht aber auch wieder nicht, sie ist reich!“
„Das ist doch schön.“
„So schön aber auch wieder nicht, denn sie ist geizig.“
„Das ist schlecht!“
„So schlecht nicht, sie hat ein großes Haus!“
„Das ist schön.“
„So schön aber nicht, denn das Haus ist abgebrannt.“
„Das ist aber schlecht!“
"So schlecht auch nicht, weil sie war drin!“
Dieser Witz sorgte unter anderem dafür, dass Siegfried Sandner aus Obermeitingen ins Finale einzog und sich später auch den Sieg sichern konnte.

Die Zuschauer konnten ihren Favoriten direkt ins Finale wählen

In zwei Runden, die in verschiedene Kategorien wie „Andere Länder, andere Sitten“, „Familie“, „Bei uns dahoam“, „kurz und knackig“, „Berufe“ oder „Tiergeräusche“ unterteilt waren, versuchten die sechs Kandidaten, das Publikum und die Jury von sich zu überzeugen. Nach Runde eins gab es eine Pause, in der jeder Besucher im Publikum die Chance hatte, für seinen Favorit abzustimmen. Dies geschah vor dem Saal. Jeder Gast bekam eine grüne Beilagscheibe, die er in die jeweilige Dose seines Wunschsiegers werfen konnte. Bei jeder Veranstaltung werden die Beilagscheiben in anderen Farben gefärbt, denn die Anhänger einiger Teilnehmer reisen mit ganzen Fanbussen hinterher. Wenn es immer die gleiche Farbe gäbe, könnte die Wahl leicht manipuliert werden.
Der Sieger dieser Wahl zieht als sogenannter „Freibriefkandidat“ direkt ins Finale ein, egal was die Jury dazu sagt.

Am Samstag begeisterte Wolfgang Neff aus Zusmarshausen das Publikum und sicherte sich den Platz im Finale. Als Bruder Barnabas tritt Neff beispielsweise beim Starkbieranstich auf, um den Verantwortlichen der Kommunalpolitik und Vereinen in Zusmarshausen die Leviten zu lesen. Am Samstag konnte er sich der Unterstützung des Zusmarshauser Bürgermeisters Bernhard Uhl sicher sein. Statt zum Weinfest seiner CSU zu gehen, feuerte er Neff bei den ersten Schwäbischen Witzemeisterschaften an.

Worauf die Jury um Herr und Frau Braun besonders Wert legt

Die Jury-Mitglieder Herr Braun und Da Bobbe ließen es sich nicht nehmen, dem Publikum auch Auszüge ihres Programms zu präsentieren und gaben bekannt, nach welchen Kriterien sie bei den Witzeerzählern urteilen. Da Bobbe hätte auch nichts gegen längere Witze, wenn der Witz gelebt wird und so erzählt wird, als wenn man selbst dabei sei. Für Herrn Braun und Gerda Steiner, die in über 180 Theaterproduktionen mitwirkte, sei besonders wichtig, dass die Pointe richtig komme. Im Gegensatz zu ihrem Jurykollegen Da Bobbe sagte Steiner: „In der Kürze liegt die Würze“.

Zu Neff an den Finaltisch gesellen konnte sich Lukas Kiermeyr aus Gersthofen. Einigen dürfte Kiermeyr als Vorsitzender des Theatervereins Gersthofen bekannt sein. Dort trat er zudem schon in zahlreichen Theaterstücken auf. Genau wie Siegfried Sandner aus Obermeitingen wurde Kiermeyr von der Jury ins Finale gewählt. Im Gegensatz zu seinen beiden Kontrahenten hatte Sandner keinerlei Erfahrung auf Bühnen oder vor Publikum und erklärte, dass er damit überhaupt nicht gerechnet hätte. Denn: „Bisher habe ich Witze nur privat erzählt“.

Zwei Kandidaten aus dem Augsburger Umland im Finale der ersten schwäbischen Witzemeisterschaft

In der Finalrunde stand das sogenannte „Stammtischbattle“ an. Die Wettstreiter durften ihre Witze frei wählen, ohne sich an Regeln halten zu müssen. Einzig daran, dass keine rassistischen oder zu perversen Witze erzählt werden, denn die Veranstaltung sollte Jung und Alt gleichermaßen begeistern. Jeder Witz durfte nicht länger als anderthalb Minuten sein, sonst drohte Punktabzug. Reihum erzählten die Finalisten ihre besten Witze. Wie „Da Bobbe“ später erklärte, war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Den dritten Platz belegte Neff, als zweiter Sieger des Abends ging Kiermeyr hervor und der Mann, der seine Witze bisher nur privat zum Besten gab, sicherte sich am Ende der knapp dreistündigen Veranstaltung den Titel des schwäbischen Witzemeisters. Sandners trockene Art, die teils unanständigen Witze zu erzählen, kam beim Publikum sehr gut an, was zu tosendem Applaus und lautem Gelächter führte. Jeder der Finalisten erzählte abwechselnd drei Witze. Nach dem zweiten Umlauf stellte Neff schon fest: „Das Publikum steht also eher nicht so auf die anständigen Witze“ und vermutete wohl schon, wer als Sieger hervorgehen könnte. Sandner ist nun automatisch für die Bayerische Witzemeisterschaft qualifiziert.

In anderen Teilen Bayerns ist die Witzemeisterschaft seit Jahren fest etabliert

Was 2009 als Idee unter Freunden entstand, hat sich in den vergangenen Jahren in der Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern und in Franken bereits fest etabliert. Jahr für Jahr sucht das Team rund um den Veranstalter und Ideengeber Harald Meier den besten Witzeerzähler in den verschiedenen Regionen in Bayern. Inzwischen zieht die Reihe über 1.500 Besucher aus Bayern und darüber hinaus an. Nun war die Veranstaltung auch in Schwaben zu Gast. Im Anschluss findet online die Wahl zum Bayerischen Witzemeister, erstmals auch mit schwäbischer Beteiligung, statt. Im vergangenen Jahr konnte sich der Oberpfälzer Witzemeister Marcus Lukas alias „Gstanzlsänga Lucky“ gegen die Konkurrenz durchsetzen. Inzwischen verfügt er über ein eigenes, überaus erfolgreiches Kabarettprogramm. Dass die Witzemeisterschaft heuer auch in Schwaben ausgetragen wurde, begrüßte Steiner, denn „Lachen macht das Leben schön“.
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