Eltern sollen wieder über den Glauben sprechen

Beim Einkehrtag von Lumen Christi im Pfarrzentrum Schwabmünchen erwartete die rund sechzig Besucherinnen und Besucher Lobpreis, Anbetungszeit und ein Referat von Pfarrer Bernhard Hesse aus Kempten.

Über sechzig Frauen und Männer fanden sich trotz Schneetreiben im Pfarrzentrum St. Michael ein, um sich bei einem Einkehrtag auf die Fastenzeit vorzubereiten. Pfarrer Bernhard Hesse aus Kempten, neuer Sprecher der Charismatischen Erneuerung im Dekanat Augsburg und Nachfolger von Pater Wolfgang Held, sprach zum Thema „Berufen zur Evangelisation“. Die Weggemeinschaft Lumen Christi, geleitet von Waltraud Czekalla, hatte zu dem Einkehrtag eingeladen und für ein reichliches Mittagsbuffet, Getränke und Kuchen gesorgt.

Der Tag begann mit moderner Lobpreismusik, auf der Gitarre begleitet von Franz Lechner aus Landsberg. Pfarrer Hesse sprach zunächst darüber, dass Gott im Leben des Menschen absolute Priorität eingeräumt werden müsse. Er zeigte anhand von Statistiken, dass der Kirchenbesuch in Deutschland ständig abgenommen habe – von 11,7 Millionen im Jahr 1950 bis 2,4 Millionen in 2016. Die Kirche verliere linear 100 000 Kirchgänger pro Jahr. Dabei sei dies nur ein mitteleuropäisches Problem, denn weltweit würden die Katholiken ständig zunehmen und den Rückgang in den westlichen Ländern mehr als kompensieren. Er führte die Entwicklung in Deutschland darauf zurück, dass der Glaube nicht mehr an die nächsten Generationen weitergegeben werde, dass in Familie und Gesellschaft nicht über den Glauben gesprochen werde.
Eine Möglichkeit, Gott den ersten Platz einzuräumen, sei die Anbetung. Pfarrer Hesse erzählte von seiner Zeit in Türkheim, wo er vor achtzehn Jahren die Ewige Anbetung, das heißt vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen der Woche, eingeführt hatte. Anbeten heiße, nichts zu tun, Gott an sich handeln zu lassen, sich helfen zu lassen bei Problemen statt selbst aktiv zu sein. Nach einer Kaffeepause wurde das Allerheiligste ausgesetzt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Einkehrtag beteten eine halbe Stunde still. Die Anbetungszeit endete mit dem eucharistischen Segen.
Am Nachmittag zeigte Pfarrer Hesse einen kleinen Film über Fischer, die alles über Fische wussten, aber nicht fischten. Die Dramatik der Kirche sei, dass es ihr nicht gelinge, neue „Fische“ zu fangen. Unsere Kirche sterbe am Konsumismus: Menschen mit einem großen Erwartungshorizont, die ständig meckern. Dabei sei jeder Christ kraft der Taufe berufen, andere zu Jüngern (Menschen, die Jesus gut kennen) zu machen. Alfred Delp habe bereits 1941 geschrieben, dass Deutschland Missionsland geworden sei. Delp schlug vor, sich an die Menschen heranzupirschen, um sie für Gott zu gewinnen.
Aus vielen Lösungsansätzen wählte Pfarrer Hesse zwei Möglichkeiten aus, die sich weltweit bewährt hätten: In Pfarrzell-Gruppen versuchen die Mitglieder, die Menschen in ihrem Umfeld zu Gott zu führen. Alpha-Kurse bieten in außerkirchlichen Räumen bei gutem Essen die Möglichkeit, den christlichen Glauben kennen zu lernen.
Der Einkehrtag schloss mit einer Heiligen Messe ab. Der nächste Besinnungstag findet am 2. Dezember zu Beginn des Advents statt, voraussichtlich wieder mit Pater Wolfgang Held.
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