Geniale Lösung gegen Motorradlärm an der Rennstrecke

Das neue Konzept zur Lärmvermeidung durch Motorräder stellten Gernot Hasmüller (Polizeiinpektion Schwabmünchen), Landrat Martin Seiler und Alois Rager (Verkehrspolizei Augsburg) vor.
 
Einseitiges Fahrverbot in Richtung Schwabmünchen lautet der neue Versuch, den Motorradlärm einzuschränken.

Bei einem Ortstermin an der A16 kurz vor Münster gab Landrat Martin Seiler, umringt von Mitarbeitern der Polizeiinspektion Schwabmünchen und der Verkehrspolizei Augsburg-Nord sowie Mitgliedern der Bürgerinitiative und des Bürgermeisters von Münster den anwesenden Presseleuten bekannt, dass ab 1. März ein Fahrverbot für Motorräder in Richtung Schwabmünchen an Wochenenden und Feiertagen angeordnet werde. Er hofft, damit die Lärmbelästigung der Bürger erheblich zu reduzieren, ohne den Berufsverkehr zu benachteiligen.

Bei Temperaturen unter zehn Grad minus trafen sich die Teilnehmer des gemeinsamen Pressegesprächs mit Vertretern der Gemeinde Mickhausen, des Landratsamts und der Polizei an der Einmündung der Kreisstraße A16/A12. Das neue Verkehrsschild war bereits aufgestellt, wonach es Motorrädern verboten ist, von Freitag, 18 Uhr bis Sonntag, 22 Uhr und an Feiertagen die sogenannte „Rennstrecke Mickhausen“ bergauf Richtung Schwabmünchen zu befahren. Eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Landrat Seiler erklärte, dass es im Jahr 2017 viele Gespräche mit der Bürgerinitiative Münster/Mickhausen und Bürgermeister Hans Biechele gegeben habe, die die verschiedenen Interessen miteinbezogen. Der neue Vorschlag sei miteinander erarbeitet worden. Der Leiter der örtlich zuständigen Polizeiinspektion Schwabmünchen, Gernot Hasmüller, führte weiter aus: seit über zehn Jahren gäbe es Bürgerbeschwerden. Auf der Strecke habe es 2009 bis 2011 sechzehn Motorradunfälle gegeben, woraufhin 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und Überhol-Verbot eingeführt und Begrenzungslinien gezogen wurden. Während seines Urlaubs im Juni 2016 habe es zwei schwere Unfälle mit Motorrädern gegeben, die der Anlass für die Gründung der Bürgerinitiative Münster war. Weitere Maßnahmen waren nötig. Mit der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts wurde nun der oben genannte Kompromiss erarbeitet, der probeweise für acht Monate gelten soll. Hiermit werde das lärmverursachende Hin- und Herfahren verhindert, Arbeitspendler würden nicht beeinträchtigt.

Raser stellten ihre Fahrt auf YouTube

Ursache für die ungewöhnlich häufige Nutzung der „Rennstrecke“ seien die Werbung in Fachzeitschriften und Videos auf YouTube. Fünfzig Strecken gäbe es bereits, die auf diese Weise gesperrt wurden. Seit 13. Oktober 2017 sei ins Strafgesetzbuch ein neuer Straftatbestand aufgenommen worden: Laut Paragraph 315d StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Damit sind auch diejenigen betroffen, die als einzelne Motorradfahrer rasen, als wären sie in einem Rennen, um Videos von ihren halsbrecherischen Fahrten aufzunehmen und ins Internet zu stellen. Fahrzeuge und Führerschein können entzogen werden.
Die Verkehrspolizei Augsburg-Nord unterstützt die Bemühungen zur Verkehrssicherheit vor allem mit Aufklärungsarbeit, wie der Leiter der Dienststelle, Alois Rager versichert. Motorradfahrer seien laut Statistik überproportional gefährdet. Von März bis Oktober 2017 hätten 87 Einsätze stattgefunden, um die Betroffenen zu informieren, also praktisch an allen schönen Ausflugstagen. Die Einsätze sollen auch 2018 weitergehen mit Geschwindigkeitsmessungen und Gesprächen. Mit Beginn der Saison werden Videoclips auf Facebook zu sehen sein zum Thema „Lärm“ und „Unfälle“, aber auch ein „Verkehrsknigge“ – nicht nur für Motorradfahrer.
Der Vertreter der Bürgerinitiative Münster, Max Köbler, meinte, er lebe seit dreißig Jahren in Münster. „Der Lärm hat sich auf Gemüt und Lebensqualität ausgewirkt. Ich bedanke mich von ganzem Herzen.“ Auch Bürgermeister Biechele von Mickhausen sprach seinen Dank an alle Beteiligten aus, auch im Namen der berufstätigen Feuerwehrleute, die immer wieder am Wochenende zu den Unfällen gerufen wurden.
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