In der wiedereröffneten Frauenkirche war kein Platz mehr - Josef Miller hatte sowas noch nie erlebt

Mesner Karl Kraus wusste viel über die Kapelle und den Umbau zu erzählen. Er führte durch den Kirchenraum und auf die Emporen bis hinauf zum Dachstuhl.
 
Die Frauenkirche war am Tag der Wiedereröffnung voll besetzt. Links in der ersten Bank saß später Landrat Martin Sailer. Selbst auf der zweiten Empore nahmen die Besucher Platz.
Schwabmünchen

Bereits eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes zur Wiedereröffnung der Frauenkirche standen die Besucher auf der Straße: es war kein Durchkommen mehr. Stadtpfarrer Christoph Leutgäb hielt eine mitreißende Predigt über den Sinn der Renovierung alter Kirchen. Chor und Capella St. Michael unter Leitung von Stefan Wagner gestalteten den Gottesdienst mit der kleinen Orgelsolomesse „Missa brevis Sancti Joannis de Deo“ von Joseph Haydn. Dabei kam die neue Orgel gleich zum Einsatz. Nach der Renovierung, die rund drei Jahre gedauert hatte, kann nun die als „Hochzeitskirche“ beliebte Kapelle wieder genutzt werden. Nach dem Gottesdienst wurde in einem in der Nähe gelegenen Grundstück gefeiert.

Viele der zahlreichen Besucher der Messe zur Wiedereröffnung der Kapelle „Zu unserer Lieben Frau“ fanden keinen Sitzplatz mehr. Auch die Kommunionausteilung musste teilweise von außerhalb der Kirche erfolgen, da kein Durchkommen war. Trotzdem konnte eine feierliche Heilige Messe gehalten werden. Stadtpfarrer Christoph Leutgäb kam in seiner Predigt immer wieder darauf zurück, dass es in der heutigen Zeit verrückt sei, noch so viel Geld für alte Kirchen auszugeben. „Wir glauben an die Zukunft“, meinte er. „Wir sind dankbar, dass auch der Staat verrückt handelt und Zuschüsse großzügig gibt“. Mit der Renovierung stellten wir uns in die Reihe der Vorfahren, die die Kirche erbaut hätten. Mit der „Kappl“, wie Leutgäb die Frauenkirche nannte, sei ein Schatzkästchen renoviert worden; allerdings stehe die Restaurierung der Bilder an den Seitenaltären noch aus.
Nach dem Gottesdienst konnte die Kapelle genauer besichtigt werden.

Die neue Orgel stand bisher im Wohnzimmer

Die Orgel, die früher auf der Empore über dem Chor stand, war durch eine neue ersetzt worden. Das Instrument strahlt ganz in Weiß und steht nunmehr unter den rückwärtigen Emporen. Wie Orgelbaumeister Gunnar Schmid aus Kaufbeuren erzählt, befand sich diese Orgel ursprünglich in Kempten in einem Wohnzimmer. Zwei Jahre lang habe Stefan Wagner versucht, ein passendes Instrument für die Frauenkirche zu finden, da auf der Empore im hinteren Bereich die Bestuhlung denkmalgeschützt sei und nicht entfernt werden dürfe. Diese Hausorgel bekam ein neues weißes Gehäuse und der Klang wurde von Schmid an den Raum angepasst. Jetzt befindet sich links daneben Platz für Chor und Orchester. Die Orgel habe elf Register auf zwei Manuale und ein Pedal, wusste er zu berichten.
Die Besucher waren nach der Messe in das nahe gelegene Grundstück der Familie Hiller eingeladen. Blasmusik empfing die Gäste und einige Festredner hielten eine kurze Ansprache: Kirchenpfleger Peter Bier sprach von einem „Tsunami“, den er vor drei Jahren mit den Renovierungskosten der kirchlichen Gebäude auf sich zukommen sah. Die Kanalsanierung und die Frauenkirche habe die Pfarrei nun schon geschultert. Er erklärte, dass die Renovierung der Frauenkirche deshalb Vorrang gehabt habe, weil die Gefahr bestand, dass der Turm durch das morsche Gebälk, auf das er aufgesetzt worden sei, in die Kirche stürzen könnte. Bezirkstagspräsident und Landrat Martin Sailer freute sich, erstmals die Frauenkirche besichtigen zu können, die als Schwabmünchner Wahrzeichen den Zweiten Weltkrieg überlebt habe.Er sicherte eine Nachförderung zu.

Miller meinte "Ihr seid spitze!"

Josef Miller, Vorstand der Bayerischen Landesstiftung, meinte „Was ich heute bei Ihnen erlebt habe, habe ich noch nie erlebt: Die Kirche ist voll. Ihr seid spitze!“. Ihn begeisterte, dass die Menschen bisher eine halbe Million für die Kirche gespendet hätten, der Pfarrer eine so ermutigende Predigt gehalten habe (er hat es zu seinem Herzensanliegen gemacht) und so viele Menschen für ein „Vergelt´s Gott“ gearbeitet hätten. Miller zitierte Paragraph 131 der Bayerischen Verfassung und betonte, dass gerade die vielen Kirchen unser Bayernland ausmachten. Weitere siebzigtausend Euro seien beschlossene Sache. Zweiter Bürgermeister Hans Nebauer meinte, dass hier jeder Cent in die Zukunft investiert worden sei und dass die Renovierung rechtzeitig angegangen worden sei, bevor ein Unglück passiert sei. Verwaltungsleiter Christian Weh richtete noch einige Fragen an den Architekten Christian Bosse aus Schwabmünchen. Die Putzarbeiten könnten erst erledigt werden bei konstanten Temperaturen über fünf Grad, meinte dieser. Das Kreuz stehe bereits und die Stufen im Süden würden bald eingefügt. Für das Gelingen seien seine guten Handwerker verantwortlich. Auch für ihn sei die Renovierung eine besondere Herausforderung gewesen.
Gefeiert wurde nun bei gutem Essen, unterhalten von den „Blechkrachenen“. Danach führte Karl Kraus interessierte Gäste fachkundig durch die “Kappl“.
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