Menschen mit Behinderung gehen in die Luft: Inklusiver Flugtag in Schwabegg war großer Erfolg

Die Rampe entfernt, dann kanns losgehen beim Flugtag für Menschen mit Behinderung in Schwabegg.
 
Kein Morgan, aber ein Wolseley, Rennwagen aus dem Jahr 1932, stand den Besuchern des Flugtags für einen kostenlosen Ausflug zur Verfügung. Der stolze Besitzer heißt Frank Müller und kommt aus Großaitingen.


Traumhaftes Wetter, fast zu heiß, leichter Wind – beste Voraussetzungen für den 38. Flugtag für Menschen mit und ohne Behinderung, veranstaltet vom Luftsportverein Schwabmünchen zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Augsburg-Land. Rund achtzig angemeldete Passagiere und noch einige mehr beförderten die drei Cessnas und der Motorsegler des Vereins im Laufe des Tages. In der Flugzeughalle spielte die Musikkapelle Schwabegg unter Leitung von Norbert Maier, es gab Kaffee und Kuchen sowie Getränke. Im Freien boten die Mitglieder des BRK Fleisch, Bratwurst und Vegetarisches an. Der Flugtag gestaltete sich zu einer rundum geglückten Aktion.

Außer „fliegen“ war für die Besucher einiges geboten: Die Wartezeit konnten sich die Teilnehmer durch eine kostenlose Fahrt in einem Oldtimer des Morgan-Clubs verkürzen. Während der Mittagspause zeigten Karin Fischer und Stefan Cordowerer Rollstuhltanz; eine Flug-Show des Modellsportvereins Schwabmünchen lockte die Besucher aus der Flugzeughalle ins Freie und bei der Jugend der freiwilligen Feuerwehr Schwabmünchen konnten die Gäste Wasser spritzen.
Lange Vorbereitung war nötig, um den Flugtag wie in den Jahren zuvor stattfinden zu lassen. Thomas Haugg, Kreisgeschäftsführer des BRK in Augsburg-Land, und seine Helferinnen Simone Falkenstein-Ruppert und Carina Kirner hatten im Vorfeld und am Flugtag selbst alle Hände voll zu tun. Bereits Wochen vor dem Ereignis bekamen viele Menschen mit Behinderung Post vom Roten Kreuz. Mit der Einladung zum Flugtag erhielten sie ein Informationsblatt über die Kosten der Flüge. Angemeldete Teilnehmer zahlen nur 18 Euro für den ersten Flug. Pro Passagier mit Behinderung darf eine Begleitperson zum gleichen Preis mitfliegen. Voraussetzung dafür, in ein Flugzeug steigen zu dürfen, ist eine ärztliche Bescheinigung des Teilnehmers mit Behinderung über die Flugtauglichkeit bis zu einer Höhe von 1500 Metern ohne Druckausgleich.

Ein Highlight im Leben der Menschen mit Handicap

Die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen hatten sich schon lange Zeit auf den Flugtag gefreut. Geduldig warteten sie nach der Anmeldung in der kühlen Halle oder unter den aufgestellten Zelten, bis ihre Nummer aufgerufen wurde. Die Cessnas eignen sich besonders gut für den Transport von Menschen mit Handicap durch ihre Tür- und Sitzkonstruktion. Dennoch kostete es oft viel Muskelkraft und Organisation, bis die Teilnehmer ihren Platz einnehmen konnten. Die Berufspiloten stiegen an diesem Tag etwa sechzig Mal in die Luft. Das Ganze glich einem großen Familientreffen von Menschen mit Behinderung aus dem ganzen Landkreis – ein Highlight im Alltag der Betroffenen.
Durchs Programm des Tages führte Günther Geiger vom Luftsportverein Schwabmünchen in bewährter Weise, Hartwig Uhl, der Vorstand des Vereins, begrüßte die Gäste. Im Laufe des Tages trafen immer mehr Politiker und Sponsoren ein. MDL Angelika Schorer war zum ersten Mal beim Flugtag dabei und freute sich über die gute Atmosphäre. Eva Kundras, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Augsburg, und Staatssekretärin Carolina Trautner hatten sich für den Tag frei genommen. Wie Trautner bedankte sich auch Landrat Martin Sailer bei den vielen Ehrenamtlichen, die die Aktion erst ermöglichen würden. Er lud sie spontan zum Landkreis-Fest ein. „Wir leben die Inklusion“, meinte Bürgermeister Lorenz Müller. Er fand, es gäbe nichts Schöneres als über das Augsburger Land zu fliegen – besonders über die Stauden.
Geiger dankte besonders den Sponsoren und hoffte, auch für den Flugtag 2020 Spendenzusagen zu erhalten. Sebastian Spieler von der Kreissparkasse Augsburg freute sich, etwas zum Flugtag beisteuern zu können. Für den Lyons Club Schwabmünchen Lechfeld Buchloe sprach Peter Frankenberger. Er wollte am gleichen Tag einen Scheck als Zuschuss zum nächsten Flugtag ausstellen. MDL Harald Güller überraschte mit seiner Zusage, dass im Kreishaushalt 500 Euro für den nächsten Flugtag bereitgestellt würden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.