Wenn der Amtsschimmel zu laut wiehert

Schwabmünchen Die Sanierung des Alten Rathauses in Schwabmünchen entwickelt sich zu einer Amtsposse, die ihresgleichen sucht. Bei der Bürgerversammlung 2015 zeigte sich Bürgermeister Lorenz Müller noch zuversichtlich und sprach davon, dass 2016 die Bagger rollen werden. Inzwischen steht Juli 2018 im Kalender und Bagger gibt es am Alten Rathaus weiter keine. Grund hierfür sind die Verzögerungen, die im Laufe des Bauverfahrens bei den für Förderung und Genehmigung zuständigen Behörden entstanden. Schon allein der städtebauliche Förderbescheid brauchte gut eineinhalb Jahre, ehe er vorlag. So lange lag auch der Rest der Projekts mehr oder weniger auf Eis. Wer damals dachte, „Juhu, jetzt geht’s los“, wurde getäuscht. Es folgten weitere Verhandlungen mit dem Denkmalschutz, die aber inzwischen nach Aussagen von Stadtbaumeister Stefan Michelfeit erledigt sind.
Was dann noch blieb, war der Bauantrag. Und was die Stadträte da zu hören bekamen, sorgte in bei vielen für fassungsloses Kopfschütteln. Die Stadt muss 34 Stellplätze für das Alte Rathaus nachweisen. Diese sollten zu gleichen Teilen an der neuen Mitte und am Festplatz sein. Das zugehörige Lärmschutzgutachten, welches die Stadt erstellen lies, gab dabei im schlimmsten Fall einen Geräuschpegel von 44,8 Dezibel an. Der Grenzwert liegt bei 45 Dezibel, also kein Problem. Oder doch. Denn das Landratsamt rechnet wohl anders und hat festgestellt, dass wenn der Bürgersaal, die geplanten Vereinsräume und die Gaststätte voll besetzt sind, und alle Gäste das Gebäude zeitgleich verlassen, ein Dezibelwert von 46 erreicht wird. Somit ist eine Verteilung der Stellplätze wie angedacht nicht möglich. Daher plant die Stadt nun, alle Stellplätze auf den Festplatz zu legen. Da scheint es seitens des Landratsamtes keine Probleme zu geben. Zumindest wegen des Lärms. Doch die Behörde fand einen neuen Haken. Tatsächlich gibt es für den Festplatz, welcher seit Jahrzehnten dem Michaelimarkt als Zentrum und in der übrigen Zeit als wichtiger Parkplatz dient, einen Bebauungsplan. Der ist zwar mehr als 40 Jahre alt, aber er weißt den Festplatz als Baugebiet aus. Somit trägt das Bauamt des Landkreises die Angst, Schwabmünchen könne ja die jetzt genehmigten Stellplätze in Wohnungen umwandeln. Daher fordert die Behörde einen neuen Bebauungsplan für den Festplatz. Was auch mal ein Jahr dauern kann. Also eine erneute Verzögerung mit sich bringen würde. Da platze vor allem Stadtrat Bernd Zeitler (SPD) der Kragen. „Das ist doch für den Normalsterblichen nicht mehr nachvollziehbar. Man könnte meinen, man will uns die Genehmigung nicht erteilen“, schimpft Zeitler. Doch Bürgermeister Lorenz Müller wiegelt ab. „Gerade nachdem in den vergangenen Monaten hier einiges beklagt wurde, sind die Behörden vorsichtig“, erklärt er. Doch einen neuen Bebauungsplan will auch er nicht. „Wir können heute beschließen, dass auch der Festplatz in Zukunft nicht bebaut wird. Dass muss reichen“, so Müller. Hat es aber vorerst nicht. Trotzdem ist die Stadt an einer Änderung des Bebauungsplans vorbeigekommen. Die Stellplätze sollen als sogenannte Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eingetragen werden. Damit scheint nun auch das Landratsamt zufrieden zu sein. Nun hofft Schwabmünchen, dass die Baugenehmigung zeitnah erteilt wird.
0
1 Kommentar
1.850
Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 17.07.2018 | 19:42  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.