Wertachklinik in Schwabmünchen: Zwei Briefe werfen viele Fragen auf

Die Wertachklinik in Schwabmünchen wird nicht schließen. Archivfoto: Ingrid Küchle


Zwei Briefe haben vergangene Woche für Wirbel gesorgt - und für Antworten. In einem Schreiben bat Josef Gegenfurtner von der Bürgerinitiative "Ja zur Geburtenstation Schwabmünchen" die Schwabmünchner Stadträte um Hilfe, da in der Schwabmünchner Bevölkerung die Angst umgehe: "Es geht die Angst um, unsere Wertachklinik stehe insgesamt vor dem Aus". Den zweiten Brief schickte Fabian Mehring (Freie Wähler), Fraktionsvorsitzender im Augsburger Kreisrat, an Landrat Martin Sailer.

So schildern Gegenfurtner und Mehring in ihren Schreiben, dass der Durchgangsarzt Dr. Jürgen Walter ohne Nachfolger das Haus verlasse, dass die Psychiatrische Beratungsaußenstelle des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren sich zurückziehe und dass die Chefärztin der Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. Regina Manger zum 1. April 2019 in die Freizeitphase der Altersteilzeit gehe. Zwar laufe für ihren Ersatz das Ausschreibungsverfahren, dennoch, der Weggang von Dr. Manger bedeute für das Schwabmünchner Krankenhaus einen Renommee-Verlust, heißt es in Gegenfurtners Brief. Weiter eröffne in der Wertachklinik in Bobingen ein dritter Kreißsaal.

"In Summe betrachtet wirken all jene Begebenheiten freilich wie ein schleichender Ausverkauf des Schwabmünchner Standortes", schreibt Mehring. Wie Gegenfurtner verlangt Mehring Aufklärung und bittet den Landrat darum, den Fall im Kreisausschuss zu erörtern.

Gegenfurtner erklärt, dass Mehring fest in der Bürgerinitiative eingebunden sei, dass der Politiker die Unterschriften-Übergaben an Landrat Sailer und im Landtag organisiere, dass geplant sei, in einer der letzten Landtagssitzungen vor den Landtagswahlen, die circa 8000 Unterschriften zu übergeben, welche die BI seit Anfang Mai gesammelt hat. Der Brief solle eine Aufforderung an die Schwabmünchner Stadträte sein, auch einmal etwas zu tun, erläutert er. "Lassen Sie uns gemeinsam die Schwabmünchnerinnen und Schwabmünchner darüber aufklären, was mit unserem Krankenhaus geschieht", schreibt Gegenfurtner. "Zusammen mit den Verantwortlichen der Klinik." Darum schlägt Gegenfurtner in dem Schreiben eine öffentliche Veranstaltung vor, in der die Schwabmünchner erfahren sollen, wie es mit der Schwabmünchner Wertachklinik weitergeht. Es gehe Gegenfurtner nicht um eine Schuldzuweisung.

Die Wertachkliniken und ihre Träger, der Landkreis Augsburg und die Städte Bobingen und Schwabmünchen, reagierten mit einem "Fact Sheet" - um dem "haltlosen" Gerücht entgegen zu treten. Die Kliniken bestätigen, dass Dr. Manger ab 1. April 2019 in die Ruhephase der Altersteilzeit wechselt, doch das Nachbesetzungsverfahren laufe bereits und die Wertachkliniken erwarten einen "nahtlosen Stabswechsel". Die Kooperation mit der Psychiatrischen Ambulanz indes sei vor allem ein Mietverhältnis. In Einzelfällen sei das BKH beratend hinzugezogen worden - diese Zusammenarbeit soll weiter bestehen, heißt es. Da die Patientenzahlen steigen und damit der Platzbedarf der Wertachkliniken, sei der Mietvertrag mit dem BKH Kaufbeuren gekündigt worden. Eine Alternative sollten Räume im Personalwohnheim der Wertachklinik Schwabmünchen sein, das BKH habe sich aber nicht für dieses Angebot entschieden. "Wobei in dieser Sache aus Sicht des Klinikvorstands Martin Gösele das letzte Wort noch nicht gesprochen ist". Mit Dr. Walter konnten sich die Wertachkliniken nicht einigen - und bis die Wertachkliniken eine Lösung gefunden haben, müssen Patienten nach einem Arbeits- oder Schulunfall zur Wertachklinik nach Bobingen fahren. Pläne für einen neuen Kreißsaal in der Wertachklinik in Bobingen gebe es nicht. Dort diene ein Stillzimmer nun als Wehenzimmer.

Die Geburtenstation in Schwabmünchen bleibt geschlossen. So heißt es in der Pressemitteilung: Um die Geburtshilfe in der Wertachklinik Schwabmünchen wieder in Betrieb zu nehmen, habe der Verwaltungsrat im Juli eine Sondervergütung für die Übernahme von Rufdiensten für Hebammen sowie eine Einarbeitungspauschale für neue Hebammen beschlossen, ebenso die Planung für die Räume einer Hebammenpraxis in Auftrag gegeben. "Dennoch zeichnet sich leider bis jetzt noch keine tragfähige, langfristige Lösung ab." Der Kreißsaal der Wertachklinik in Schwabmünchen werde für die Geburtshilfe freigehalten.

Wie die Wertachkliniken betonen, registrieren sie seit ihrer Gründung steigende Patientenzahlen, seit zehn Jahren gebe es positive Betriebsergebnisse. Und wenn das Klinikum Universitätsklinik Augsburg ist, sei davon auszugehen, dass die Wertachkliniken als Grundversorger eine umso wichtigere Rolle spielen. Neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit könnten sich ergeben und es biete sich die Chance, universitäres Lehrkrankenhaus zu werden.

Dass schon wenige Tage nach Mehrings Brief an Landrat Sailer dieser mit den Bürgermeistern von Schwabmünchen und Bobingen, der Klinikleitung und der Spitze des Verwaltungsrates zusammengekommen sei, um ein "klares Bekenntnis zur Zukunft des Schwabmünchner Krankenhauses" abzugeben, freue Mehring. In einer weiteren Pressemitteilung gibt der Fraktionsvorsitzende bekannt: "Dieser Schritt war überfällig, weil innerhalb von Belegschaft und Bevölkerung seit Wochen Verunsicherung geherrscht hat. Nun gibt es endlich eine öffentliche Standortgarantie, auf die man sich bei der Suche nach neuen Ärzten und Hebammen sowie in zukünftigen politischen Debatten berufen kann. Mit unserem Vorstoß haben wir deshalb viel erreicht."

Josef Gegenfurtners Brief an die Schwabmünchner Stadträte findet sich hier. (Natascha Höck )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.