7113 Unterschriften für die Geburtenstation in Schwabmünchen gesammelt

Walter Baumgartner von der Bürgerinitiative für eine Geburtenstation Wertach-Klinik Schwabmünchen hatte die meisten der Unterschriften für den Erhalt der Station gesammelt.
 
Sie waren bei der Übergabe der Unterschriften für eine Geburtenstation in der Wertachklinik Schwabmünchen dabei: Landtagsabgeorneter Johann Häusler, Walter Baumgartner, Heribert Scherb, Dr. Fabian Mehring, Waltraud Moritz und Josef Gegenfurtner (von links).

Seit Anfang März macht sich die Bürgerinitiative (BI) "Pro Geburtenstation Schwabmünchen" dafür stark, dass Frauen in Schwabmünchen entbinden können. Zur Zeit ist das aufgrund fehlender Hebammen nur bei Kaiserschnitt möglich. Die fünf Mitglieder der BI, allen voran Walter Baumgartner, haben nun 7113 Unterschriften zusammengebracht, die sie dem Landtagsabgeordneten Johann Häusler (Freie Wähler) übergaben. Fabian Mehring will sie an Landrat Martin Sailer als Träger der Wertachkliniken weiterleiten.

„Ganz schnell hatten wir 5 000 Unterschriften beisammen“, erklärte Walter Baumgartner, der an seinem Arbeitsplatz an der Pforte die Listen ausliegen hatte. Er habe festgestellt, dass früher auch Gebärende aus Landsberg, Hurlach, dem Lechfeld und den Stauden nach Schwabmünchen gekommen seien, weil der Ort näher liege als beispielsweise Mindelheim. Josef Gegenfurtner, der Gründer der BI, und seine Frau Waltraud hatten zum Treffen vor der Wertach-Klinik in Schwabmünchen als Symbol für die Geburtenstation einen lebensgroßen Storch mitgebracht. Ein weiteres Mitglied der BI, Heribert Scherb aus Klosterlechfeld, der früher bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg gearbeitet hat, erklärt die Gründe, warum er sich engagiert: Seine Tochter habe hier entbunden und habe es vielleicht wieder vor.

Nicht mehr rechtzeitig in die Klinik?

Gegenfurtner freute sich sehr über die Resonanz in der Bevölkerung. Die meisten der über 7000 Unterschriften seien allerdings im Krankenhaus selbst gesammelt worden, meinte er. Baumgartner berichtete von Ängsten der Frauen, Kliniken in weiterer Entfernung nicht mehr rechtzeitig erreichen zu können. Landsberg und Bobingen lägen gleich weit entfernt (etwa 20 Minuten), wobei Landsberg bereits einige Frauen abgewiesen habe. Es sei ratsam, vorher anzurufen.
Dr. Mehringer lobte das Ergebnis der Unterschriftensammlung: „Unglaublich, dass das fünf Leute erreicht haben!“ Er habe einen Runden Tisch mit Landrat Mrkus Seiler zum Thema der medizinischen Grundversorgung in die Wege geleitet, um die Versorgung auch im Landkreis Augsburg sicherzustellen, fernab finanzieller Zwänge. Dabei müsse der Fachkräftemangel angegangen werden. „15 000 bis 20 000 Fachkräfte fallen nicht von den Bäumen“, meinte er. Häusler erzählte von der Zeit der Gründung der Wertach-Kliniken. Damals sei die Geburtenstation in Haunstetten geschlossen worden, um vor allem Schwabmünchen zu stärken. Die dynamische Entwicklung im Süden sollte mit 300 bis 400 Geburten pro Jahr sichergestellt werden, was Schwabmünchen ja auch erreicht habe. Der Geburtsort sei identitätsstiftend, auch die Vorbereitung und Nachsorge sollte in der Heimatstadt möglich sein. „Die Wertach-Kliniken tragen sich kostendeckend!“ verweist Häusler auf die Situation gegenüber anderen Städten wie Dillingen. Diese Klinik konnte erhalten bleiben, trotz 3 Millionen Defizit.

Das Problem sind die fehlenden Hebammen

Gegenfurtner sieht als Hauptproblem nicht die Finanzen, Hebammen seien gesucht. Deshalb wolle er mit den Freien Wählern zusammenarbeiten und auch andere Parteien ins Boot holen, um die Rahmenbedingungen für Hebammen zu verbessern. Häusler wies auf seine vierjährige Tätigkeit im Landtag hin. Der Verunsicherung der Hebammen, was die enormen Versicherungsbeiträge betreffe, könne man mit einem Risiko-Fond des Staates entgegentreten. Er rechne mit einer Höhe von 30 bis 40 Millionen, um dann die Entwicklung zu beobachten. Die Politik dürfe hier nicht aus der Verantwortung genommen werden. Der Standortfaktor Geburtshilfestation Schwabmünchen müsse erhalten werden, das müsse es den Politikern wert sein. Eine Aufrechnung gegen Augsburg dürfe es nicht geben. Er schlug einen Aktionstag in mehreren kleinen Kliniken vor, um diese auf Dauer zu erhalten. „Nirgendwo sei die Emotionalität so groß wie beim Krankenhaus. „Das Volk will kein kommerzialisiertes Gesundheitswesen!“ bekräftigte er.
Gegenfurtner schlug vor, gemeinsam Konzepte zu erarbeiten und Bürgermeister, Verwaltung, ärztlichen Direktor und Betroffene einzubinden. Eine Geburtenstation ohne Hebammen nütze nichts. Häusler wolle, dass sich die Rahmenbedingungen für junge Leute verbessern, damit sie sich wieder in dem Beruf ausbilden lassen. Er spricht von einem Versäumnis der politisch Verantwortlichen in der Vergangenheit. Die etablierten Parteien hätten sich früher intensiver mit dem Problem beschäftigen müssen, das bundesweit bestehe und in manchen Gebieten dazu geführt habe, dass Leute wegziehen. Er wolle sich bei Gesundheitsministerin Huml für die Geburtenstation stark machen. Der dicke Ordner mit den Unterschriften solle beweisen, wie wichtig das Anliegen bei der Bevölkerung sei.
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