Bewegendes Zeitzeugnis gegen Rassismus

Josef Pröll verfilmte das Leben seiner Mutter Anna, die in der Zeit des Nationalsozialismus aktiv Widerstand geleistet hatte. Kämpfen für ein menschenwürdiges Leben hat nichts an Aktualität verloren, wie bei einer öffentlichen Filmvorführung bei der AWO Schwaben in Stadtbergen klar wurde.

Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schwaben zeigte öffentlich an der Stadtbergener Geschäftsstelle einen Film über die NS-Widerstandskämpferin Anna Pröll und ihre Familie.



Nie wieder Krieg. Stattdessen ein Leben ohne Angst vor den Mitmenschen, ohne Angst vor der Zukunft: Dafür hat sich Anna Pröll in der Zeit des Nationalsozialismus schon als junges Mädchen eingesetzt, daran hielt sie auch während ihrer Inhaftierung fest und daran appellierte sie bis zu Ihrem Tod im Jahre 2006. Die wichtigsten Stationen der Augsburger Ehrenbürgerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes zeigte nun ein Film, der an der Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schwaben öffentlich vor rund 40 Gästen vorgeführt wurde. 

Hintergrund war der internationale Tag gegen Rassismus. „Die AWO ist sich ihrer Wurzeln als Selbstorganisation der kleinen Leute in der Weimarer Republik bewusst und hat in der Hitler-Zeit schlimm leiden müssen. Es ist für uns ein Auftrag, gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Rechtspopulismus ein Zeichen zu setzen“, sagte dazu AWO-Schwaben-Präsidiumsvorsitzender Dr. Heinz Münzenrieder. Das „Vorprogramm“ zum Film bildete daher eine 19-minütige Dokumentation zur 100-jährigen Geschichte der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland.

Geschichte zum Anfassen

Zusammen mit dem 80-minütigen, von vielen historischen Filmbeiträgen durchzogenen Interview mit Anna Pröll ergab sich ein „tolles Zeitzeugnis, das auch die Atmosphäre zeigt, die damals herrschte“, so ein Zuschauer. „Es ist Geschichte zum Anfassen. Man fragt sich, was hätte man selbst damals gemacht. Heute geht es darum, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu erhalten. Sonst haben diese Menschen umsonst gekämpft für ein menschenwürdiges Leben“, sagte der Regisseur Josef Pröll, der nach der Vorführung gerne noch Rede und Antwort stand. Mehr zum Film und zum Leben der Anna Pröll finden Interessierte im Internet unter www.anna-film.de.

Anna Pröll leistete während der Zeit des Nationalsozialismus aktiven Widerstand. Sie war 17 Jahre alt, als sie verhaftet wurde. Über das Untersuchungsgefängnis „Katzenstadel“ in Augsburg und das Gefängnis Aichach kam sie in das Konzentrationslager Moringen. Insgesamt befand sie sich 4,5 Jahre im Frauengefängnis und im Konzentrationslager. Dort war sie die Jüngste. Nur durch die Solidarität der anderen Frauen, die ihr immer wieder Essen zusteckten und auf sie besonders achteten, hat sie Moringen überlebt.
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