Gedenken an die Reichspogromnacht

Treuchtlingen: Medienraum Forsthaus Treuchtlingen |

Auch in diesem Jahr gedenkt der "So fremd? - So nah? Verein für Interkulturelle Begegnung e.V. des 9. November 1938, als in der sogenannten Reichspogromnacht, vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagogen brannten. Sie brannten in Deutschland, in Österreich, in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem Tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden war.

Nach einem einzigartigen Interview-Experiment mit Monika Göth, der Tochter von Majola, der Geliebten von Amon Göth - weltweit bekannt aus Schindlers Liste als Symbol unmenschlicher Grausamkeit - hat der Schriftsteller und Filmemacher Matthias Kessler begonnen, das Ergebnis des Interviews - ergänzt mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial - für ein Buch zu bearbeiteten und damit öffentlich zu machen.

Erzählungen aus dem Leben der Tochter von Schindlers Sekretärin

Schonungslos gegenüber sich selbst erzählt darin Monika Göth ihre Geschichte: Monika Göths Mutter war zunächst Sekretärin von Oskar Schindler, dann die im Luxus schwelgende Geliebte Göths. Monika Göth berichtet über den Kampf mit ihrer Mutter, wie sie zu Unrecht in die Psychiatrie kam, über ihre erste Ehe und ihre Zeit auf dem Strich. Ihren Vater hat sie nie gesehen; im Jahr 1945, in dem sie geboren wurde, gab es die mörderische "Idylle am Rande des Untergangs" nicht mehr, Göth wurde 1946 hingerichtet. Und Monika Göth umkreist die Frage, wer wirklich Täter ist und wer Opfer.

Das Buch ist das Ergebnis der zweitägigen Begegnung des Journalisten Matthias Kessler mit Monika Göth. Erst 1983, mit dem Selbstmord der Mutter, ist die Scheinwelt der Tochter zusammengebrochen, die den Vater zu entschuldigen bemüht war. Die Distanzierung jedoch gelingt bis heute nicht, Monika Göth gibt sich "die Schuld an allem und an jedem". Das Buch von Matthias Kessler gilt als ein "herausragendes und bewegendes Dokument dieser Zeit".

Termin

Am Freitag, 9. November, um 17 Uhr wird Matthias Kessler im Treuchtlinger Kulturzentrum Altes Forsthaus, am Schlossberg 1 daraus lesen. Wie in den vergangenen Jahren besteht ab 16 Uhr die Möglichkeit, bei Kaffee und Kuchen miteinander ins Gespräch zu kommen. (pm)
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