Der erste Augsburger Friedenskaffee

Donnerstag, 1. Oktober 2020 - 15:00 - 16:00

Der erste Augsburger Friedenskaffee

Stellen Sie sich vor, wie groß meine Überraschung war, als ich vor Jahren
herausfand, dass die Deutschen mehr Kaffee als Bier konsumieren! Trotzdem
frage ich mich, wie viele Menschen den langen Weg des Kaffees kennen, bis
man das Vergnügen hat, ihn aus einer Tasse zu schlürfen. Es ist nur beruhigend
zu erkennen, dass sich immer mehr Menschen bewusst sind, woher ihr Produkt
stammt, und es ist klar, welchen Wert die Kaffeeproduktion insgesamt sowie die
Menschen haben, die seit Generationen auf brasilianischen Kaffeeplantagen
leben und arbeiten.

In den ersten Veröffentlichungen über das brasilianische Schwarzgold wurden
Frauennamen selten genannt, und selbst der für die Einführung der ersten
Pflanzen und Samen im Norden Brasiliens verantwortliche, Francisco Palheta,
wurde auch erst nach den zweihundert Jahr Feierlichkeiten führ die
Kaffeeeinführung in Brasilien erwähnt.

2018 veröffentlichte Brasilien als erstes Land eine zweisprachige Publikation
über Frauen im Kaffee, die eine völlig neue Dimension der Pionierarbeit der
brasilianischen Kaffeefrauen abdeckt. Vor zwei Jahren hat Josiane Cotrim
Macieira auf einer Veranstaltung der Werkstatt Solidarische Welt e.V. Augsburg
erstmals die Geschichte brasilianischer Kaffeefrauen in Deutschland vorgestellt.
Zwei Jahre später haben wir endlich eine Deutsch-Brasilianerin vor Ort, die die
erste, auf brasilianischen Qualitätskaffee spezialisierte Kaffeerösterei in Bayern
eröffnet hat.

Kaffee_art ist das Lebensprojekt der deutsch-brasilianerin Karin Liebler, einer
Kaffeespezialistin mit Leib und Seele. Der erste Eindruck, den Sie beim Besuch
der Augsburger Rösterei haben, ist das Gefühl, auf einer brasilianischen
Kaffeefarm zu sein, dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Die „Specialty
Coffee Association Trainerin“ hat sich zur Aufgabe gemacht, auf nachhaltige
Weise einen Qualitätskaffee der familieneigenen Farm sowie von
Nachbarfarmen zu importieren und vor Ort zu veredeln.

Die brasilianische Kaffeefarm Fazenda Santo Antonio hat seit 1951 deutsche
Wurzeln. In diesem Jahr wanderte die Familie nach Brasilien aus, um nach dem
Verlust ihres landwirtschaftlichen Eigentums in Ostdeutschland wieder in
Brasilien zu beginnen. Seitdem widmet sich die Familie besonders der
Kaffeeproduktion. Die Qualität des Kaffees und eine Produktion mit
Nachhaltigkeit sind die Hauptziele des Hofes. Von insgesamt 171 ha sind 54 ha
für die Kaffeekultur bestimmt, 83 ha sind mit Zuckerrohr bepflanzt. Zusätzliche
Bereiche werden zum Schutz und als ökologisches Reservat genutzt.

Die Farm wird derzeit von der zweiten und dritten Generation der Familie
verwaltet. Die Herausforderung besteht darin, die landwirtschaftliche
Produktion aufrechtzuerhalten, wirtschaftlich unabhängig zu bleiben und auch
eine soziale Rolle vor Ort zu spielen.
„Kaffee_Art“ in Augsburg macht die Brücke zwischen Kaffeebauern und/oder
kleinen Kooperativen in Brasilien und dem Endverbraucher in Deutschland und
garantiert damit eine direkte und transparente Verbindung ohne
Zwischenhändler.

Am ersten Oktober, Internationalen Kaffeetag, soll die Rösterei einen weiteren
Schritt zur Förderung einer Partnerschaft zwischen Kaffee und Frieden
darstellen. Zusammen mit dem Verein Frauen für Frieden e.V. wird der erste
Kaffee für den Frieden von Augsburg auf den Markt gebracht. Das Projekt wird
Kunstprojekte für Frauen in Brasilien unterstützen, die nicht mehr auf den
Handwerksmärkten arbeiten können. Die Initiative kann eine Inspiration für
andere Frauenprojekte sein, die ein Einkommen für ihre Arbeit garantieren.

@Alexandra Magalhães Zeiner
Mulheres pela Paz – Frauen für Frieden e.V.

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