Bronzespiralen, Schild und Lanze: Was den Toten für ihre Reise ins Jenseits mitgegeben wurde

Eine silberne Kostbarkeit aus dem Mittelalter. Foto: Ute Blauert


Die Unterschiede zwischen Arm und Reich waren auch vor 4000 Jahren schon stark ausgeprägt. Zumindest lassen die neuesten Ausstellungsstücke des Archäologischen Museums Königsbrunn diesen Schluss zu. Während der Bauarbeiten für das Gewerbegebiet Nord wurden in Wehringen Gräber aus der frühen Bronzezeit entdeckt. Die Funde wurden von einer Spezialfirma ausgegraben, anschließend sorgfältig restauriert und schließlich vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dienststelle Thierhaupten, und der Gemeinde Wehringen dem Museum übergeben. Nun ist in mehreren Vitrinen zu sehen, was den Toten für ihre Reise ins Jenseits mitgegeben wurde.

In einem Frauengrab aus der frühen Bronzezeit fand man ungewöhnlich reichhaltigen Bronzeschmuck. Viele kleine Kegelchen und Spiralen aus Bronze, sogenannte "Tutuli", mit denen wohl die Kleidung geschmückt wurde, sowie etwa fünf Zentimeter hohe Beinbergen. Dabei handelt es sich um Bronzespiralen, die dauerhaft die Beine der Frau schmückten. Vermutlich waren sie ihr in der Kindheit angezogen worden und sie war hineingewachsen. Mit diesem Schmuck gehörte die Dame, die etwa 1,60 Meter groß war, eindeutig zur damaligen Oberschicht. Wie der Leiter des Museums, Rainer Linke, erläuterte, waren die Menschen in Wehringen in der frühen Bronzezeit etwa so groß wie heute, denn das Klima war trocken und die Böden fruchtbar, wodurch für gesunde Nahrung gesorgt war. Als Frühe Bronzezeit wird der Zeitraum von 2100 bis 1700 v. Chr. bezeichnet.

Klassenunterschiede, Migration – keine neuen Phänomene

Damit nicht genug, kamen zusätzlich die Gräber eines Mannes und einer Frau aus dem frühen Mittelalter zum Vorschein, aus der Zeit um 700 n. Chr. und wiederum weisen die Grabbeigaben auf großen Wohlstand hin. Bei der Frau fanden sich unter anderem zwei vergoldete Almandin-Fibeln, eine Glasperlenkette und eine große silberne Bügelfibel mit Goldeinlage. Fibeln dienten seit der Antike dazu, Kleider, Umhänge und Mäntel zusammen zu halten, bevor Knöpfe und Reißverschlüsse erfunden waren. Sie ähneln Sicherheitsnadeln oder Broschen. Aus dem Stil des Schmucks wird laut Rainer Linke geschlossen, dass die Frau aus dem Elbgebiet stammte, eine Migrantin also.

Im Grab des Mannes lagen ein Langschwert in einer Scheide aus gefettetem Holz, eine Lanze, ein Schild, Gürtelschmuck aus fein ziseliertem Silber, ein Messer und ein Kamm sowie ein aufwendig gearbeiteter Bronzekessel. Ein reicher Krieger, der auf sein Äußeres achtete und gern kochte? Nicht ganz. In dem Kessel wurde ihm Proviant für seine letzte Reise mitgegeben. Zum Vergleich: Arme Leute kamen in Reihengräber ohne jegliche Grabbeigaben.

Das Museum ist im Königsbrunner Rathaus untergebracht, Marktplatz 7, und ist an jedem dritten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten werden von 10 bis 11 Uhr Führungen angeboten, der Eintritt ist frei.

Das Museum wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Arbeitskreises des Heimatvereins im Landkreis Augsburg, Arbeitsgruppe Süd betreut, die den größten Teil der Ausstellungsstücke in ihrer Freizeit selbst ausgegraben haben. (Ute Blauert )
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