In 100 Jahren um die Welt

Die Postkarte zeigt den Bahnhof Weißenburg und im Hintergrund ist die Wülzburg zu sehen. Hergestellt wurde die Karte von Theobald Schmuck in Weißenburg um 1920. Foto: Günther Klebes
 
Günther Klebes betrachtet eines seiner Exponate. Foto: Monika Klebes

Im Zeitalter von Facebook und WhatsApp, Instagram und Twitter scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 69-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer solche mit eisenbahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte mit dem Bahnhof von Weißenburg und der Wülzburg im Hintergrund. Hergestellt wurde sie von Theobald Schmuck in Weißenburg um 1920.

Die Wunschkarte gab's auch noch zum Schnäppchenpreis

"Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ,Der Bahnhof Weißenburg aus der ungewohnten Perspektive, die muss ich haben'", berichtet der Schulbusfahrer, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die die unterschiedlichsten Züge und Brücken in Franken zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Aber ein Bahnhof von der Gleisseite aufgenommen musste her. Versandt wurde die Karte nicht, der Sammler sagt: Sie ist "blanko".

"Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Kanada hatte", erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal 1,50 Euro erwerben. "Das ist eigentlich viel zu billig", kommentiert das der Käufer. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben; denn es ware eine selten angebotene Karte. Diesen Preis zahlte er aber dann auch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden.

Eine weite Reise

Wie das gute Stück vom Frankenland nach Kanada gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. "Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht", sagt Klebes. Er hat sogar schon Karten aus Australien, Israel, oder Südafrika erworben.

Ausstellung für Postkarten

Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: "Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten", sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie der Ansichtskarte aus Mittelfranken.

Hochzeitsreise mit Glacier-Express

Der 69-jährige Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert "alles, was mit der Bahn zu tun hat - außer echte Lokomotiven". Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen - die so genannten "Rotkäppchen"- neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission, als Hobby nennt er "Bahn fahren", und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren. Sehr oft ist er mit der Bahn unterwegs - frei nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel !"
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