Kolumne: Da wär noch die Sache mit den Verkehrsschildern

Die Sache mit der Emanzipation ist leider noch nicht ganz ausgestanden. Denn fängt man einmal damit an, tun sich Abgründe auf - zum Glück ist "Papier" ja geduldig.
Vor geraumer Zeit erzählte mir meine Tochter, dass sich wohl wieder ein paar Leute (ich glaube es waren Frauen) über die "Geschlechtlichkeit" von Verkehrsschildern und der damit verbundenen Diskriminierung aufgeregt hatten. Mit großen "???" in den Augen schaute ich sie an, nichtsahnend, was diese Unterhaltung zur Folge haben sollte: diese Kolumne und verdammt viel Spaß unterwegs

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Denn, wenn man mit offenen Augen durch die Welt fährt, offenbaren sich einem doch so einige Ungereimtheiten. Sehen wir einmal ab von den neutralen Verkehrsschildern wie Einbahnstraße, Stopp und Parkverbot und betrachten wir die genauer, welche von Symbolen - hauptsächlich den landläufig und allseits bekannten "Strichmännchen" geziert werden, beispielsweise Vater und Sohn. Nun, seit geraumer Zeit dürfen wir Frauen ja nun auch Hosen tragen - unsere Töchter übrigens auch - und nun eröffnen sich uns ganz neue Horizonte. Ein "Strichmännchen", welches das sehr maskuline Substantiv "Mann" - wobei schon die Verniedlichung längst zu Protesten hätte führen müssen - enthält wird plötzlich neutral - und ist allgemeingültig: für Männer, Frauen, Mädchen, Buben und auch Transgender. Männer, wollt ihr euch das wirklich gefallen lassen?

Nun gut, es gibt aber auch Schilder, da führt eine Frau ein Mädchen. Dies ist nun allerdings sehr eindeutig. Womit wir beim eigentlichen Thema wären: Was bedeuten eigentlich unsere Straßenschilder. Versteht die tatsächlich jede (m/w)? Diese Angabe ist übrigens auch bei Stellenangeboten vorgeschrieben - oder aber die weibliche/männliche Form: Also Pilot/in, Arzt/Ärztin, Krankenschwester/??? In diesem Falle ist es dann übrigens kein Krankenbruder, sondern ein Krankenpfleger - wobei ich dachte, es gäbe auch eine Krankenpflegerin ... muss ich mich mal genauer mit beschäftigen. Sorry, bin abgeschweift, zurück zu den Verkehrsschildern.

Nehmen wir einmal das dreieckige Schild (Spitze oben) mit dem Fahrrad drauf. Hierbei handelt es sich offensichtlich um ein Herrenrad, denn es hat eine Querstange. "Achtung, hier könnten Männer auf Fahrrädern rücksichtlos die Straße queren." Ist eindeutig: Frauen fehlt das Attribut rücksichtslos.

Oder aber das quadratische Blaue mit dem, den Zebrastreifen überquerenden, "Strichmännchen". In Kanada sind es übrigens auch nur "Strichmännchen", die Angst vor Elchen haben müssen. Und dann wäre da noch die Spielstraße: Ein Vater und sein Sohn spielen. Was? Was für eine Frage - was alle Papas mit ihren Söhnen am liebsten spielen, sobald sie laufen können und nicht mehr alle halbe Stunde gewickelt und gefüttert werden müssen: Fußball natürlich. Und natürlich auf der Straße. Damit jeder sieht, was Papa da für einen Prachtbuben großgezogen hat! Für uns Frauen gibt es dann das runde Blaue, wo wir mit unserer Prinzessin flanieren gehen dürfen. Zum Familienevent wird es, wenn es zweigeteilt auch noch ein Herrenrad zeigt ... Ich könnte endlos weitermachen - aber langer Rede, kurzer Sinn: Dem Interpretationsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt, schaut euch um und habt Spaß beim Entdecken der Möglichkeiten. Aber letzten Endes sollen es doch mal lieber "Strichmännchen" bleiben, der Begriff "Strichweibchen" weckt dann doch eher sonderbare Assoziationen.

Bis demnächst, eure Henri(n)ette

Ich bin schon gespannt, welche Storys euch zu unseren Verkehrsschildern eingefallen sind - ich freue mich, von euch zu hören.
Schreibt mir einfach an henri-n-ette@web.de
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