Kolumne: Da wär noch die Sache mit der Emanzipation

Es ist doch eigentlich super, dass wir Frauen die Emanzipation ohne weitere Katastrophen wie unerzogene Kinder, gescheiterte Ehen und Burn Outs ganz gut überstanden haben. Hätten wir uns je träumen lassen, was dabei herauskommt, hätten wir vielleicht nicht so laut danach geschrien: Denn konnten wir uns einst voll und ganz auf Haushalt, Ehe und Kinder konzentrieren, müssen wir uns heute zusätzlich auch noch im Job beweisen - wohlgemerkt zusätzlich. Da kann doch wirklich mal das eine und andere auf der Strecke bleiben... Außer, Frau hat einen emanzipierten Mann zuhause.

Ein großer Gewinn der Emanzipation ist jedoch ohne Frage, dass wir Frauen nun schon seit 60 Jahren ohne die Genehmigung unseres Mannes Autofahren dürfen. Ja, ihr Lieben - und das sogar alleine. Beispielsweise zum Recyclinghof, um den mühsam zusammengetragenen Unrat, der sich die letzten zehn Jahre auf dem Scheunenboden - ungefragt und unerlaubt übrigens - angesammelt hat, endlich loszuwerden.

Ungeschickterweise war ich alleine unterwegs. Der nette junge Mann vor Ort hatte aber scheinbar von der Aufhebung dieses Alleine-Autofahr-Verbotes noch nichts mitbekommen. Und so kam, ob des Anblicks meines ziemlich voll beladenen Anhängers, nicht etwa ein "Guten Morgen, kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein" aus seinem Mund, wie ich es bis dato von den Mitarbeitern des Recyclinghofes gewohnt war. Ich bin nun ja auch nicht die unattraktivste Vertreterin des weiblichen Geschlechts, was ich hin und wieder schon gerne sehr unemanzipiert zu meinem Vorteil ausnutze. Nein, ohne jeglichen freundlichen Gruß schnauzte er mich an, wo denn mein Begleiter sei. Ich überlegte kurz: Ich bin volljährig, es ist nicht außerhalb der Sperrstunde, ich tue nichts Außergewöhnliches ... Also öffnete ich kurz die Autotür, prüfte den Innenraum und verkündete mit einem charmanten Lächeln: "Hm, es scheint leider keiner da zu sein!"

Das kam gar nicht gut an. Was ich mir denn einbilde, hier alleine anzukommen, ob ich da vorher nicht drüber nachgedacht hätte. Doch, meinte ich, und da ich es ja auch alleine geschafft hatte, den Hänger zu laden, sollte es ein leichtes sein, ihn auch wieder zu entladen. Und so auf die Schnelle könne ich mir nun auch keinen herbeizaubern, lächelte ich ihn erneut an. In Hinblick auf meine offensichtliche weibliche Unfähigkeit und der Tatsache, dass ich den Ladeplatz alleine zu lange besetzen könnte, erbarmte er sich meiner dann doch noch - und erledigte seinen Job! Trinkgeld gab es für ihn allerdings trotzdem nicht.


Ja, Kumpel, du musst noch einiges lernen - beispielsweise, dass Macho spielen total out ist - klappt so übrigens auch Zuhause auf Dauer nicht. Da lobe ich mir dann doch die emanzipierten Männer von heute, die es schaffen, uns Frauen auf der einen Seite gentlemanlike zu hofieren, eine starke Schulter zum Anlehnen bieten und ganz ungeniert die Wohnung putzen oder nachts die Kids von der Party abholen. So bleibt uns dann doch die Zeit, neben der mehr oder weniger erfolgreichen Geschäftsfrau auch Supermama, Spitzenköchin, Geliebte und hin und wieder auch wir selber zu sein.

Bis demnächst, eure Henri(n)ette

Wie steht ihr dazu, wie sind eure persönlichen Erfahrungen mit der Emanzipation, schreibt uns Eure Erfahrungen - Jungs und Mädels - lasst uns diskutieren - wir freuen uns, von euch zu hören.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.