„Verrückt? Na und!“

Das Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ macht das oftmals schwierige Thema psychische Erkrankung erlebbar. Es wird zum Beispiel ein Erste-Hilfe-Plan für die psychische Gesundheit erarbeitet, der die Schüler für seelische Krisen und Notlagen wappnet. (Foto: Irrsinnig menschlich e. V.)

Das Schulpräventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ soll auch in diesem Jahr das Thema seelische Gesundheit in die Klassenzimmer der Region bringen. Die Jugendlichen und Lehrkräfte beschäftigen sich einen Schultag lang mit psychischen Erkrankungen und wirkungsvoller Vorbeugung. Interessierte Lehrkräfte können Schulklassen in der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus ab der 8. Jahrgangsstufe für den Projekttag anmelden.

Die Leiterin der Kontaktstelle für Selbsthilfe in Weißenburg, Tanja Günther, begleitet den Projekttag als fachliche Expertin und weiß, dass man psychische Probleme ansprechen muss und nicht ignorieren sollte: „Schülern und Lehrern wird auf diesem Weg gezeigt, wie sie gemeinsam seelisch stark werden und Krisen meistern können, damit alle gut ihren Schul- und Berufsabschluss schaffen.“ Auch die Präventionsfachkraft im Landkreis, Svenja Memet, fungiert bei dem Projekt als Fachexpertin und betont, „dass psychische Erkrankungen oftmals im Jugendalter beginnen und auch im Berufsleben eine immer größere Rolle spielen. Deswegen ist es wichtig, präventiv tätig zu werden.“

Im ersten Teil des Schultages wird die Gruppe zum Thema hingeführt. Es folgt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen psychischen Erkrankungen. Anhand von Beispielen erstellen die Schüler Steckbriefe der verschiedenen Krankheiten. Dies soll sensibilisieren und wachrütteln, denn die Botschaft lautet „aufmerksam sein“ gegenüber sich selbst und gegenüber anderen und frühzeitig „Hilfe in Anspruch nehmen“, dann sind die Heilungschancen sehr groß.

Im zweiten Teil schaltet sich der persönliche Experte ein. Er hat selbst schon seelische Krisen gemeistert und die Klasse erfährt aus erster Hand, wie sich zum Beispiel eine Psychose oder Depression anfühlt. Dabei geht er auch auf Fragen der Schülerinnen und Schüler ein und spricht offen über seine Erkrankung und Lebensgeschichte. Das Besondere daran ist, dass die Schüler erst in den letzten beiden Schulstunden erfahren, dass der persönliche Experte auch selbst betroffen ist. Gemeinsam werden im Anschluss individuelle Maßnahmen für eine seelische „Erste-Hilfe“ erstellt. „Das schwierige Thema psychische Erkrankung wird damit erlebbar und zum Greifen nah und bleibt dabei aber auch irgendwie ganz normal“ berichtet Tanja Günther aus ihren bisherigen Erfahrungen mit den Schulklassen.

Derzeit leiden rund 20 Prozent der 13- bis 18-jährigen unter psychischen Gesundheitsproblemen. Rund zwei bis drei Millionen Heranwachsende haben mindestens ein Elternteil, das psychisch erkrankt ist. Das Projekt ist ein bundesweites Programm zur Förderung seelischer Gesundheit und Prävention seelischer Erkrankungen und soll vor allem jungen Menschen Ängste und Vorurteile nehmen. Es wurde von dem Leipziger Verein Irrsinnig menschlich e. V. in Kooperation mit der Barmer GEK sowie gesundheitsziele.de entwickelt. Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wurde das Präventionsprogramm erstmalig im Jahr 2017 durchgeführt. Das Fazit der verantwortlichen Lehrkraft an der Senefelder-Schule in Treuchtlingen war sehr positiv: „Der Projekttag leistet einen großen Beitrag, die Schüler bereits frühzeitig aufzuklären und einer Stigmatisierung entgegenzuwirken.“

Für die Durchführung des Schulprojektes „Verrückt? Na und!“ sind noch wenige freie Plätze im Jahr 2018 vorhanden. Es ist für Klassen ab der 8. Jahrgangsstufe der Haupt- und Mittelschulen, der Realschulen, Gymnasien und der Berufsschulen. Der Schultag ist kostenfrei. Informationsmaterial wird zur Verfügung gestellt. Interessierte Lehrkräfte können sich bei der Koordinatorin Theresa Hausen in der Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus telefonisch unter Telefon 09141/902-426 oder per E-Mail an gesundheitsregion@landkreis-wug.de melden. (pm)
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