Aus Schulen dürfen keine Festungen werden

Ein 21-jähriger Mann betrat die Wittelsbacher Grundschule und missbrauchte ein neunjähriges Mädchen sexuell. Foto: Kristin Deibl

Der sexuelle Missbrauch einer Schülerin durch einen unbekannten Eindringling an einer Augsburger Grundschule beunruhigt naturgemäß die Eltern von Schulkindern. Martin Löwe, der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands e. V., warnt dennoch vor Panik und vor der Forderung nach noch schärferen Sicherungsvorkehrungen. "Jede Schule in Bayern hat bereits ein auf sie zugeschnittenes Sicherheitskonzept. Dass an Schulen insgesamt nur wenig passiert, ist auch dem zu verdanken." Auch schärfste Sicherungsvorkehrungen könnten nicht alles verhindern. Man solle die Sicherheitskonzepte von Zeit zu Zeit, auch in Hinblick auf ihre Einhaltung und Umsetzung, überprüfen und gegebenenfalls anpassen. "Die Schule sollte für das kommunale und gesellschaftliche Umfeld offen sein, denn sie kann ihren Bildungsauftrag zusammen mit außerschulischen Akteuren besser umsetzen. Macht man sie zur Festung, wird dies sehr schwer."

Die Augen offen halten statt abschotten

Die beste Prävention vor Gewalttaten sei nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands, die Kinder zu stärken, ihre Beobachtung zu schärfen und die richtigen Reaktionen auf gewaltsame Übergriffe einzuüben. "Dies erfordert aber einen differenzierten Blick auf kindlichen Protest", führt Löwe aus. "Eine gesunde Portion Selbstbehauptung, die Übergriffe erschwert, führt an anderer Stelle zu unerwünschtem Widerspruch. Damit Eltern und Lehrer dies aushalten und angemessen damit umgehen können, sollten Sie sich vor Augen führen, dass "Frechheit" und Widerspruchsgeist wichtige Fähigkeiten für die Sicherheit des Kindes sind".

Kinder brauchen
klare Regeln

Für bedeutsam hält der Bayerische Elternverband ferner, mit den Kindern Regeln im Umgang mit Fremden zu erarbeiten. Im vorliegenden Fall müsse hinterfragt werden, warum das Mädchen einem ihm unbekannten Mann so viel Vertrauen entgegen brachte, dass es mit ihm zusammen die Toilette betreten habe und was Schule und Kinder daraus zu lernen hätten.

Gut reagiert

Löwe schließt: "Bei allem Schrecken über den Vorfall darf man nicht vergessen, dass hier wichtige Dinge gut funktioniert haben: Die betroffene Schülerin hat um Hilfe gerufen, die Mitschülerin und der herbeigerufene Lehrer haben sofort und richtig reagiert. Dies konnte das Schlimmste verhindern." (pm)
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