Verzaubert in vier Villenbacher Welten

Das diesjährige Bühnenbild der Freilichtbühne Villenbach: Der Palast von Theseus wurde bereits bei den Proben nachts mit Beleuchtung zum romatischen Ort der Shakespeare-Komödie.
 
Hans Oebels (Zweiter von links) besprach immer wieder mit den Akteuren die Inszenierung, die Auftritte und erklärte ihnen seine Intentionen zum "Sommernachtstraum".


Pfeife rauchend sitzt Hans Oebels auf einer Bank vor der Kulisse, die die Fassade eines Schlosses zeigt. Auf der Freilichtbühne in Villenbach werden Bänke für die anstehende Probe herangeschafft. Oebels, der heutzutage mit seiner Familie im Augsburger Stadtteil Pfersee wohnt, packt selbst mit an und gibt genaue Anweisungen. Schnell wird klar: Der Mann ist routiniert. Oebels inszenierte in den vergangenen Wochen auf der Freilichtbühne für diese Saison den Shakespeare-Klassiker "Ein Sommernachtstraum". Mit Oebels haben sich die Villenbacher einen Regisseur ins Team geholt, der bereits auf viel Erfahrung mit Laienschauspielen zurückblicken kann.

Laienspiel

Oebels ist ein alter Hase im Theatermetier. Am Theater Augsburg war er bis zur Rente Inspizient für Musiktheater, er sorgte dort für den fehlerfreien Ablauf eines Theaterstückes, rief Sänger zum Auftritt und die Bühnenarbeiter zum Bühnenbildumbau. Er hielt die Fäden der Aufführung in der Hand - ohne ihn ging nichts. Außerdem lehrte er als Dozent an der Opernschule des Leopold-Mozart-Konservatoriums in Augsburg und arbeitete als Referent für szenische Darstellung bei der Laienspielberatung des Bezirks Schwaben.

Für Oebels sei der größte Unterschied zwischen einer Laienaufführung und einem professionellen Theater, dass deutlich öfters geprobt werden müsse. Dabei reiche die Zeit am Ende trotzdem nie aus, um ein ähnliches Ergebnis wie bei Berufsschauspielern zu erreichen. Dazu komme, dass besonders in Villenbach viele Mitwirkende auch in anderen Gruppen engagiert und zeitlich eingeschränkt seien. Trotzdem stoße man auch bei Laien auf Überraschungen, berichtet Oebels.

Ein Mann mit Erfahrung

Zum Stück "Ein Sommernachtstraum" hat Oebels ein ganz persönliches Verhältnis, denn dieser Shakespeare-Klassiker sei die erste Aufführung gewesen, die er selbst auf einer Freilichtbühne gesehen habe. Das habe ihn auch dazu bewogen, das Stück für Villenbach vorzuschlagen und zu inszenieren.

Freilichtbühne

Seit 1994 finden auf der Freilichtbühne Villenbach alle zwei Jahre Laienaufführungen statt. "Ein Sommernachtstraum" dieses Jahr ist bereits das 13. Stück das in den vergangenen 24 Jahren dort auf der Bühne aufgeführt wird. Josef Dippel, der Abteilungsleiter für Theater des Sportvereins Villenbach, lobt den teils langjährigen Einsatz der mehrheitlich ehrenamtlichen Spieler, dem Villenbacher Theaterchor, den Statisten und auch der Mitarbeiter hinter dem Geschehen, die für Bühnenbild und Technik sorgen, die für den fehlerfreien Ablauf einer Aufführung stehen. Die allermeisten von ihnen seien Villenbacher.

Aber was ist es nun, das gerade Oebels' Interpretation von "Ein Sommernachtstraum" sehenswert macht? Oebels erklärt: "Das Stück spielt in vier Welten, in vier Darstellungsebenen." Einerseits die Welt des Theseus', dessen Schloss das aktuelle Bühnenbild zeigt. Diese Welt zeichne sich durch strikte Vorschriften und strenges Hofzeremoniell aus. Ihr gegenüber stünde die Welt der Elfen und deren Emotionen, erläutert Oebels. Eine weitere Welt bilde die Gruppe der Handwerker, ausgezeichnet durch den hiesigen schwäbischen Dialekt. Schließlich gebe es noch die vier Liebespaare, die sich wie moderne Jugendliche verhalten.

Aufführungen

Bis Samstag, 28. Juli, ist Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" auf der Freilichtbühne Villenbach in Oebels Inszenierung zu sehen, in der engagierte Villenbacher die Zuschauer in vier Welten entführen und verzaubern. (Florian Stöckle )
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