Enigma-Vortrag ein voller Erfolg für das Radio- und Telefonmuseum Wertingen

Franz Bauer vor der Enigma, - es hat dem Referenten sichtlich Spaß gemacht, einem so großen Zuhörerkreis dieses "underding" zu erklären. (Foto: Dr. Alexander Hölzle)
 
Walter Herzhauser aus Biberach, ist der Enigmaspezialist. Er baute an der technischen Hochschule zehn Eingmas nach. (Foto: Schwäbische Nachrichten)
Wertingen: Radio- Telefonmuseum | Am letzten Sonntag, 20. Januar 2018 nachmittags war der Festsaal des Wertinger Schlosses dicht gefüllt. Circa 160 Besucher kamen, um die Enigma und den Vortrag darüber, den Franz Bauer vom Radio- und Telefonmuseum Wertingen hielt, anzuhören. Aber die große Anziehungskraft hatte die Ankündigung, dass eine originale Enigma aus dem 2. Weltkrieg und ein Nachbau von Walter Herzhauser vorgeführt wurden.

Nach kurzen Begrüßungsworten führte Franz Bauer in die Geschichte der Enigma ein. Codiermaschinen oder Chiffriermaschinen sind vor allem im Kriegsfall oft entscheidend für den Verlauf des Krieges. Angriffspläne, Standorte, Gefechtsstärke, Versorgungspläne und vieles mehr müssen dem Feind verborgen bleiben, können aber meist nur per Funk übertragen werden. Da den Funk aber der Gegner abhören kann, ist eine Verschlüsselung der Nachrichten mit das Wichtigste - streng geheim dabei natürlich der Buchstaben- oder Zahlenschlüssel.

1918 erfand der Berliner Arthur Scherbius eine Rotor-Schlüsselmaschine, die Enigma. Am 23. Februar 1918 ließ er diese patentieren. Vom Militär zur Funkverschlüsselung eingesetzt, wurde sie ständig verbessert. Das Besondere daran ist, dass die Verdrahtung der einzelnen Walzen sehr geheim war und der Vorschub der Rotoren sich änderte. Anhand von Skizzen, Zeichnungen, Bildern, Fotografien erklärte Bauer für jeden verständlich die Funktionsweise.

Dem Polen Marian Rejewski, gelang bereits im Jahr 1932, zusammen mit seinen beiden Kollegen Różycki und Zygalski, die Kryptoanalyse und der erste Einbruch in die deutschen Enigma-Funksprüche. Die Deutschen hatten keine Ahnung davon, dass die Polen bereits die Enigma zum Teil entschlüsseln konnten. Durch kleine Veränderungen der Walzen und Stecker wurde dann die Entschlüsselung noch einmal erschwert.

Wichtig und strengstens geheim war auch der Code-Schlüssel, den ja die U-Boote oft für lange Zeit auf See vorab mitnehmen mussten. Nur anhand des Codeschlüssels konnte die entscheidende Walzen- und Steckereinstellung vorgenommen werden. Die Engländer hatten in Bletchley Park die zentrale militärische Dienststelle, die sich im Zweiten Weltkrieg mit viel Mühen und mit Glück erfolgreich mit der Entzifferung des deutschen Nachrichtenverkehrs befasste. Heute ist dort das Nationale Computer-Museum Großbritanniens. Hier wurden tausende Mitarbeiter eingesetzt um die Nachrichten schnellstmöglich zu dechiffrieren (siehe Spielfilm: Imitation Game).

Am Ende des einstündigen Vortrages waren sich die Zuhörer einig, dass die Enigma eine ganz geniale Erfindung ist. Nun kam die große Stunde der Original Enigma, der Höhepunkt des Nachmittags. Walter Herzhauser, der die Enigmas mitgebracht hatte, bat drei Zuhörer mitzumachen und die Enigma zu bedienen. Nach kurzer Einweisung ging es los. Die Worte "Radiomuseum Wertingen" galt es zu codieren und zu decodieren. Damit alle Besucher mitbekommen, was und wie das funktioniert, wurde anhand einer Webcam die Bedienung der Enigma mittels Beamer auf eine Leinwand übertragen.

Zum Schluss wurde natürlich die Original Enigma und der Nachbau umlagert und Walter Herzhauser musste dazu nochmals Details erklären und vor allem über die Nachbauten der Chiffriermaschiene Auskunft geben.

Übrigens: In der Münchner Abendzeitung vom Freitag, 25. Januar 2019 steht ein Bericht: "Streit um die Finder der Hitlermühle" - (auch eine Chiffriermaschine von der nur 500 Stück gebaut wurden).
Das Radio- und Telefonmuseum Wertingen, Fére-Straße 1, hat jeden 3. Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet - Eintritt frei.
Vortrag am 17. Februar, 15 Uhr, von Reinhold Mayr, "Der Sony-Knochen - Eine Erfolgsgeschichte".
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