Notaufnahmen in Krankenhäuser kollabieren - auch Krankenhaus Wertingen schloss die Türen

Wenn die Notaufnahmen der Landkrankenhäuser wegen Überfüllung keine Fälle mehr aufnehmen können, muss sie das Zentralklinikum in Augsburg aufnehmen. Für den Transport geht wertvolle Zeit verloren.
 
Fabian Mehring von den Freien Wählern prangert den Missstand an den Krankenhäusern an und schrieb einen offenen Brief an Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl und Landrat Martin Sailer. (Foto: privat)


Notaufnahmen der Krankenhäuser in Donauwörth, Neuburg, Nördlingen, Öttingen, Aichach, Wertingen und Dillingen hatten am Dienstag zeitgleich  wegen Überfüllung geschlossen: Freie Wähler schlagen Alarm und fordern drastisches Umdenken

Die Freien Wähler in der Region schlagen Alarm. Hintergrund sei die tagesaktuelle Situation in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in den Landkreises Augsburg, Dillingen und Donau-Ries. Wie FW-Kreistagsfraktionschef Fabian Mehring von Rettungskräften erfahren habe, hätten sich in der Nacht auf Dienstag die Häuser in Donauwörth, Neuburg, Nördlingen, Öttingen, Aichach, Wertingen und Dillingen zeitgleich wegen Überfüllung ganz oder teilweise abgemeldet und keine weiteren Notfallpatienten aufgenommen.
"Wenn unsere Rettungsdienste im Umkreis von 50 Kilometern kein Krankenhaus mehr anfahren können, kann das für die Menschen in unserer Heimat lebensgefährlich werden. Außerdem kollabiert die Notaufnahme im Zentralklinikum, wenn sie zur einzigen Anlaufstelle in vier Landkreisen wird. Weil dabei Gefahr im Verzug ist, muss die Politik beherzt eingreifen", findet FW-Politiker Mehring.

In eine Brandbrief hat sich Mehring deshalb an Landrat Martin Sailer und Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl gewendet, die dem Verwaltungsrat des Augsburger Klinikums vorstehen. Darin schildert Mehring in drastischen Worten die heillose Überlastung der Notaufnahmen in den örtlichen Krankenhäusern und bittet die politischen Spitzen ihrer Verantwortung für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung entschieden wahrzunehmen. "Wer einen Notarzt ruft braucht schnelle Hilfe und hat schlichtweg keine Zeit, um Reise nach Jerusalem zwischen sämtlichen Notaufnahmen der Region zu spielen", wird Mehring deutlich. Stattdessen fordert er eine 180-Grad-Wende der Bundespolitik bei der Krankenhausfinanzierung: "Es genügt nicht seit Monaten in Berlin um Posten zu schachern, während Zuhause die Grundversorgung zusammenbricht", kritisiert Mehring.


Um die aktuelle Situation wieder unter Beherrschung zu bekommen, müsse laut Mehring dringend ein langfristiges Umdenken einsetzen: "Die Gesundheit der Menschen ist kein Wirtschaftsgut. Sie lässt sich nicht betriebswirtschaftlich optimieren und muss ohne Kostendruck behandelt werden", findet Kreistagsfraktionschef Mehring. Hierzu gehöre in seinen Augen eine "fundamental bessere Bezahlung des Pflegepersonals", aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung: "Wenn Piloten oder Lokführer streiken nimmt ganz Deutschland Anteil, weil einige nicht von A nach B kommen. Wenn man nicht genügend Pflegepersonal hat, kommen Kranke aber nicht einmal vom Bett zur Toilette. Hieran sollte eine gesunde Gesellschaft zuerst denken", so Mehring. Auch auf struktureller Ebene sehe der FW-Politiker erheblichen Nachholbedarf: "Das Zusammenspiel von Bereitschaftsärzten und Kliniken muss sich verändern. Nicht jeder Schnupfen muss in der Notaufnahme behandelt werden, weil etwa bei einem Schlaganfall Minuten zählen", so Kreispolitiker Mehring.

"Null Verständnis" hat Mehring indes für das Agieren der Gewerkschaft, deren aktuelle Streiks die zugespitzte Situation noch weiter verstärken würde: "In einer so sensiblen Branche, in der es mitunter um Menschenleben geht, müssen vernünftige Lösungen am Verhandlungstisch gefunden werden, statt mit Trillerpfeifen über den Hof zu laufen, während drinnen die Patienten auf den Gängen liegen und vergebens auf Behandlung warten." Für den Fraktionschef der Freien Wähler gilt: "Die Sicherheit der Menschen in unserer Heimat muss zu jeder Tages- und Nachtstunde gegeben sein. Das gelingt nur, wenn ausreichend viele Ärzte und Pfleger ausgebildet und zu angemessenen Konditionen beschäftigt werden. Dies sicherzustellen gehört zu den Mindestanforderungen einer modernen Gesellschaft und darf in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen schon gar nicht am Geld nicht scheitern. Gerade angesichts einer alternden Gesellschaft ist ein drastisches Umdenken erforderlich". (pm/leo)
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2 Kommentare
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Peter Widmann aus Kissing | 07.03.2018 | 08:47  
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Otto Killensberger aus Wertingen | 08.03.2018 | 09:04  
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