Serie: Museumsmitglieder und ihre Lieblingsobjekte: Die Miele-Buttermaschine - ein Stück ländlicher Alltagskultur

Twain Stolz und "seine" Miele-Buttermaschine (Foto: Dr. Johannes Mordstein)
Wertingen: Heimatmuseum | Twain Stolz, Abiturjahrgang 2016 am Gymnasium Wertingen, studiert aktuell im 5. Semester Kunst- und Kulturgeschichte an der Universität Augsburg. Im August 2018 war er für die Dauer eines Monats im Rahmen eines Studienpraktikums in Heimatmuseum und Stadtarchiv tätig (vgl. WZ vom 04.09.2018). Für die Serie der Lieblingsobjekte suchte er sich die „Miele Buttermaschine“ aus, welche ihm bei einem seiner zahlreichen Rundgänge in den Tiefen des Museums zwischen anderen Handwerksgerätschaften ins Auge fiel.
Miele ist ein Markenname, welcher Hausfrauenherzen höher schlagen lässt und damals wie heute ein Symbol für deutsche Haushaltsgeräte höchster Qualität ist. Trotz des weltbekannten Markennamens präsentiert sich das Exponat des Heimatmuseums Wertingen bescheiden.
Das Butterfass spiegelt ein Stück Kulturgeschichte der 1920er und 1930er Jahre wieder. In diesem Fall handelt es sich um ein besonderes Modell, denn die „Miele Buttermaschine ist die Beste“, wie der mit blauer Schrift bedruckte und mit Silberornamenten geschmückte Deckel des Fasses wirbt. Aus einem raffinierten Materialmix gefertigt, war dieses Haushaltsgerät für die heimische Butterproduktion konzipiert. So ist der Deckel des Geräts aus leichtem Fichtenholz, während der Korpus des Fasses aus belastungsfähigeren Eichenhölzern zusammengesetzt wurde, die durch drei Eisenringe stabilisiert werden. Die Flügel im Inneren der Buttermaschine sind, vor allem aus hygienischen Gründen, in Buchenholz realisiert. Die Oberflächenstruktur dieses heimischen Holzes gilt als besonders glatt und damit auch leicht zu reinigen. Die Butter wird durch die manuelle Betätigung eines metallenen Zahnradgetriebes mit zwei Rädern geschlagen. Am Boden des Fasses ist ein verkorkter Ablauf angebracht.
Früher wurde der Rahm, welcher sich bei der Lagerung nicht pasteurisierter Milch in natürlicher Weise bildet, abgeschöpft und in solchen oder ähnlichen Butterfässern von Hand gebuttert. Als Nebenprodukt der Butterherstellung entsteht die Buttermilch. Daher der Ablauf des Fasses. Scheint die Eigenproduktion von Butter für uns Supermarktverwöhnte fremd, so spielte die Selbstversorgung noch in den 1920er Jahren eine weitaus größere Rolle.
Gebaut für die Ewigkeit wäre das handwerklich ausgeklügelte Exponat wohl noch immer voll einsatzbereit. Nach modernen Hygienevorschriften darf Butter allerdings nur noch aus pasteurisierter Mich hergestellt werden. Die Miele Buttermaschine ist heute nicht nur Museumsexponat, sondern auch ein echtes Sammelobjekt. So ist sie sowohl als Markenprodukt als auch aus dekorativen Gründen von Sammlern begehrt. Die Buttermaschine ist jedoch nur eines von vielen spannenden Ausstellungsobjekten. Gerade für einen Einblick in frühere Lebenswelten lohnt sich ein Gang durchs Heimatmuseum.



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