Stadtkapelle Wertingen: Alte und neue Meister bravourös gemeistert

„Alte und neue Meister“ lockte trotz des schönen Wetters zahlreiche Gäste in die Stadthalle, die sich an einem anspruchsvollen und vielfältigen Konzertprogramm erfreuen durften.
 
Franziska Moosmüller an der Flöte schöpfte in mehreren Solopassagen das gesamte Repertoire ihres Instruments aus und spielte mühelos auch schwerste Sechzehntelläufe in schwindelerregender Höhe.

Bläserphilharmonie Wertingen schöpft beim Osterkonzert aus dem Vollen

von Patricia Rauch

Man nehme eine österlich geschmückte und aufwändig dekorierte Stadthalle, einen hoch motivierten Dirigenten und 50 engagierte Musikerinnen und Musiker – so kurz und knapp könnte das Erfolgsrezept der Bläserphilharmonie für ihr alljährliches Osterkonzert lauten. Dass hinter dieser Aufstellung weitaus mehr steckt, nämlich unzählige Stunden konzentrierter Probenarbeit über das übliche Maß hinaus, entging dem aufmerksamen Zuhörer am Ostersonntag wohl kaum. Ein musikalisches Buffet vom Feinsten getreu dem Motto „Alte und neue Meister“ lockte trotz des schönen Wetters zahlreiche Gäste in die Stadthalle, die sich an einem anspruchsvollen und vielfältigen Konzertprogramm erfreuen durften. Eröffnet wurde das Konzert mit der Welturaufführung des Stückes „Opening Hymn“ von Alexander Stütz, einem jungen aufstrebenden Komponist, der den Wertingern kein Unbekannter ist und selbst im Trompetenregister mitwirkte. „Das Orchester hat mein Stück noch nie zuvor mit solcher Intensität gespielt!“, so der begeisterte Komponist nach dem Konzert.

Enorme Wandlungsfähigkeit

Mit „Aquarium“ von Johan de Meij und „Variationen über ein Thema von Robert Schumann“ von Robert Jager zeigte die Bläserphilharmonie erneut ihre enorme Wandlungsfähigkeit auf: Mal spielerisch und keck, mal mit emotionalem Tiefgang und voller Hingabe. Am Saxophon glänzte Martina Becher in der Rolle des „fröhlichen Landmanns, von der Arbeit zurückkehrend“, wie Schumann es bezeichnet hatte und nahm das Publikum mit in das romantische 19. Jahrhundert. Flinke Finger und höchste Konzentration waren vor allem im Holzbläsersatz im nachfolgenden Stück „The Tsar’s Bride“ gefragt. Einmal mehr bewies Konzertmeisterin Heike Mayr-Hof in der Ouvertüre dieser melodramatischen Oper ihre Führungsqualität, als sie ihren Klarinettensatz auch durch die schnellsten Passagen erfolgreich lenkte. Der Konzertmarsch „Aurum“ von Bert Appermont, komponiert anlässlich des 50. Jubiläums des Dirigenten der Stadtkapelle Wolfach, ließ wohl so manchen Musiker etwas wehmütig werden: Schließlich wird der aktuelle Dirigent der Bläserphilharmonie, Tobias Schmid, nach zehn erfolgreichen Jahren seinen Abschied nehmen. Auf der Basis des gleichnamigen Volkslieds „Shenandoah“ komponierte Frank Ticheli ein anmutiges Stück, das die Schönheit der unberührten Natur darzustellen versucht. Gefühlvoll und intensiv zugleich setzte das Flötenregister das wiederkehrende Motiv solistisch um.

Musikalischer Höhepunkt

Zweifellos den musikalischen Höhepunkt des Konzerts bildeten Paul Hindemiths „Sinfonische Metamorphosen“, die sowohl Musiker als auch Zuhörer vor enorme Herausforderungen stellen. Unter den Nationalsozialisten als „atonaler Geräuschemacher“ diffamiert, zeichnet sich Hindemiths Musik dadurch aus, dass sie bisweilen geradezu provozierend neuartige Klänge wagt. Franziska Moosmüller an der Flöte schöpfte in mehreren Solopassagen das gesamte Repertoire ihres Instruments aus und spielte mühelos auch schwerste Sechzehntelläufe in schwindelerregender Höhe.

Spektrum an Emotionen

Am Ende des Konzerts entlud sich die geballte Energie des Schlagzeug- und Blechregisters im Stück „Incantation and Dance“ von John Barnes Chance, als sich bis zum fulminanten Schluss immer wilder und rasender Tanzrhythmen aufbauten. Wer von den Zuhörern der Meinung war, bereits das gesamte Spektrum an Emotionen gehört zu haben, wurde jetzt eines Besseren belehrt: Die Orchestervertreterinnen Franziska Mayr und Anna-Lena Neukirchner wandten sich nun direkt an ihren Dirigenten, um seine Arbeit zu würdigen und ihm an seinem letzten Osterkonzert für sein Engagement in Form eines Präsents zu danken. Dass dabei mehr als nur eine Träne floss, versteht sich von selbst. Insbesondere, als auf einer Leinwand die emotionalsten Momente der vergangenen Jahr in einer Präsentation von Stefan Buchele an Tobias Schmid vorbei zogen. Ganz ergriffen von der Überraschung seiner Musiker richtete der scheidende Dirigent gezielt Dankesworte an das Orchester, das Präsidium und last but not least an das Publikum, dessen Applaus natürlich die höchste Form der Anerkennung für jeden Musikanten darstellt.
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