Warum gibt es derzeit so viele Brände in Buttenwiesen, Dillingen, Donauwörth und Lauingen?

Im Morgengrauen loderte das Feuer auf dem Holzbau Glaß-Gelände in Pfaffenhofen. Foto: Michael Bobinger
 
Von den Hallen bei Holzbau Glaß blieb nach dem Brand nichts mehr übrig als verbogenes Blech, ein paar Streben und verkohltes Holz. Foto: Stefan Gruber
 
Aus der Luft sieht man, dass von den Gebäuden in unmittelbarer Nähe zum Brand auf dem Holzbau Glaß-Gelände durch den Schutz der Feuerwehr und der günstigen Windstille nur zusätzlich ein Stadel (unterer Rand des Brandgeländes) abgebrannt ist. Foto: Michael Bobinger


Großbrand in Pfaffenhofen, an der Zusam, Ortsteil von Buttenwiesen, am frühen Freitagmorgen, 20. Juli, gegen 4.45 Uhr. Beim Eintreffen der Feuerwehren stehen Produktions- und Lagerhallen des Familienbetriebs Holzbau Glaß in Vollbrand. Löschen ist nicht mehr möglich, nur noch Schadensbegrenzung. Die Feuerwehr kann das Übergreifen des Feuers von den brennenden Firmengebäuden auf einer Fläche von 50 mal 60 Metern auf die in direkter Nachbarschaft stehenden Wohnhäuser erfolgreich verhindern. Nur ein leerer Stadel brennt außerhalb des Firmengeländes mit ab.

Das Feuer ist gelöscht, auch noch Tage nach dem Brand stinkt es je nach Windrichtung nach nass gelöschtem Lagerfeuer. Ist man nur eine Häuserreihe davon entfernt, sieht alles nach gewohnt ländlicher Idylle aus.

"Es war beängstigend", erzählt zwei Straßen hinter dem Brandgelände die Bewohnerin Tanja Miller, "ich war vom Alarm gleich wach, meine kleinen Kinder haben nichts mitbekommen. Nur gut, dass keines der Wohnhäuser hier etwas abgekommen hat. Es war eine Feuerwand, man kann sich kaum vorstellen, dass Feuer so eine Gewalt haben kann. Man schaut hin und kann nicht fassen, was man sieht, was da passiert. Da waren viele Schutzengel unterwegs und wir können froh sein, dass keine weiteren Häuser und Menschen zu Schaden kamen. Besonderes Lob gebührt den Feuerwehrlern, die so viel geleistet haben."

Michael Bobinger aus der Nachbarschaft wacht vom Alarm um 4.45 Uhr auf, schaut aus dem Fenster und sieht einen Lichtschein. Er vermutet, die Firma Roma brenne schon wieder. Aber dann kommen die Flammen hoch und es ist klar, es ist in direkter Nachbarschaft, es ist Holzbau Glaß. "Wir können froh sein, dass es windstill war, ein relativ schmales Feuer stieg hoch, und innerhalb einer Stunde war alles abgebrannt", erzählt er. "Die Rauchentwicklung im Vergleich zum Roma-Brand im März ist dagegen eher wie von einem kleinen Lagerfeuer. Für die Anwohner nicht so schlimm, aber man hat gerne Fenster und Türen geschlossen. Bei Roma hatten wir von den dort verbrannten Schäumen und Kunststoffen viel schlimmeren, beißenden und schwarzen Rauch, wie wenn man Öl verbrennt."

Gutachter des Landeskriminalamts und einer Versicherung seien bei Holzbau Glaß vor Ort und ermitteln zur Brandursache, so die Auskunft von Polizeisprecher Siegfried Hartmann vom Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg. Nach derzeitigem Sachstand werde nicht von Brandstiftung ausgegangen, eher von chemischen Reaktionen von Recyclingstoffen, die den Brand verursacht haben könnten, erklärt Hartmann, aber "bisher ist die Brandursache nicht geklärt".

Erst am 14. März dieses Jahres brannte es in Pfaffenhofen bei der Dämmstoff-Firma Roma. Mitarbeiter bemerkten gegen 14.10 Uhr eine massive Rauchentwicklung im Müll am Außenbereich einer Lagerhalle. Die 250 Quadratmeter große Halle, in der Dämmstoffe lagerten, brannte aus. Weil brennende Dämmstoffe giftige Dämpfe freisetzen könnten, wurde die Bevölkerung angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Brandermittler schließen Brandstiftung aus.

Zu Neujahr brannte es in Pfaffenhofen beim Auto-Team Hiesinger. Brandursache war Selbstentzündung von Putzlappen, der Schaden betrug etwa 400 000 Euro. "Ich sah es bei Glaß brennen und da kam alles vom eigenen Brandfall in mir wieder hoch, es ist furchtbar", erzählt Christine Hiesinger, "warum es gerade bei uns in der Region so häufig brennt, das fragen wir uns auch schon." Im Mai 2017 brannte eine Lagerhalle der Reparaturwerkstätte und Spedition Gerblinger in Pfaffenhofen ab, der Besitzer war gegenüber der StadtZeitung nicht bereit, darüber zu sprechen.

Der jüngste Brandfall ereignete sich am Sonntag, 22. Juli. Am Nachmittag stand in Lauingen die Recyclingfirma Stena in Flammen. Durch den Brand von Kunststoffen und den gesundheitsschädlichen, mit Quecksilber belasteten Rauch wurden die Anwohner aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen, der Bahnhof Lauingen wurde vorsichtshalber geräumt und geschlossen. Die Brandursache wird noch ermittelt.

Zur Häufung von größeren Bränden in der jüngsten Vergangenheit im Dillinger und Wertinger Raum, dazu die Caritas in Augsburg, hat auch Polizeisprecher Siegfried Hartmann keine Erklärung und stellt auch keine Mutmaßungen an. Die Brandermittler der Kriminalpolizei sind in Pfaffenhofen und Lauingen vor Ort. Es sind Kriminalbeamte mit spezieller Ausbildung, die nach den Brandursachen forschen. Die Dillinger Ermittler sind gerade gut beschäftigt, aber falls Unterstützung gebraucht werde, werden Ermittler aus anderen Bereichen hinzugezogen.

"Wenn Brandstiftung der Fall wäre, müssten wir uns Gedanken machen, so ist es aber eine zufällige Häufung von Brandereignissen", erklärt der zuständige Dillinger Kreisbrandrat Frank Schmidt, "ich bin aktiv bei der Dillinger Feuerwehr mit dabei, manchmal haben wir drei Fälle am Tag, dann wieder wochenlang nichts". Aber bei solchen Ereignissen sehe man, "unsere Feuerwehren sind gut ausgerüstet und arbeiten im Notfall ausgezeichnet zusammen". Eines müsse man immer sehen, die Freiwilligen Feuerwehrler, die zu all diesen Fällen ausrückten, leisten ihren teils gefährlichen Dienst ehrenamtlich und in ihrer Freizeit. (Stefan Gruber)

Weitere Brände in der Region
Am vergangenen Freitag brannte das Vereinsheim der Airbus Helicopters Sportgemeinschaft in Donauwörth nieder. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Brandursache wird noch ermittelt.
Im April 2018 brannte die Asylbewerberunterkunft in Höchstädt, einen Monat später die Gerätehalle einer Biogasanlage in Deisenhofen.
In Dillingen brannte vor einem Jahr der Altbau des Rathauses aus – ein technischer Defekt habe den Brand verursacht. Im Kloster Maria Medingen im Landkreis Dillingen brannten vor drei Jahren Sakristei und Kapelle aus, als verantwortlich angesehen und verurteilt wurde eine Ordensschwester, die eine Kerze in der Sakristei habe brennen lassen. Eine Franziskanerin kam dabei ums Leben.
In Augsburg brannte das Caritas-Zentrum in der Depotstraße am Sonntag, 8. Juli, ab. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Man geht in diesem Fall von Brandstiftung aus. (Stefan Gruber)
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