Wertinger Museumsmitarbeiter besuchen das Bayerische Nationalmuseum

Mitarbeiter der Wertinger Museum statten dem Bayerischen Nationalmusuem einen Besuch ab
Die jährliche Exkursion der Mitarbeiter der Wertinger Museen ging heuer ins Bayerische Nationalmuseum nach München. Dort wurde die Gruppe am vergangenen Samstag, 28.09.2019, von Dr. Thomas Schindler begrüßt. Er ist Kurator der Volkskunde-Abteilung und führte die 22 Mitarbeiter des Heimat-, Radio-/Telefon- und Ofenmuseums selbst.
Insgesamt besitzt das bayerische Nationalmuseum laut Inventarverzeichnis 17 Objekte aus Wertingen. Einige davon bekamen die Teilnehmer zu sehen. So befindet sich in der Dauerausstellung z. B. die so genannte Wertinger Stube. Der Wertinger Schreinermeister Max Mayr senior aus der Laugnastraße hatte sie Anfang des 20. Jahrhunderts dem Bayerischen Nationalmuseum zum Kauf angeboten. Das Ensemble aus Bett, Wandschrank, Eckschrank, Türe, Tisch, Bank und Holzdecke stammt aus Westendorf und Zeisenried. Die Besucher erfuhren interessante Details: So lässt sich die z. T. etwas eigentümliche Form des Eichenschrankes damit erklären, dass er auch zur Aufzucht von Küken benutzt wurde. Die blaue Innenausmalung des Eckschrankes ist der Meinung geschuldet, dass die Farbe Blau desinfizierend gegen Insekten wirke. Aus dem Depot zeigte Dr. Schindler den Wertingern eine Fußfessel sowie eine Halsgeige aus Eisen und erläuterte anschließend Funktion und Wirkweise. Auch diese Gegenstände der Gerichtsbarkeit stammen aus Wertingen. Ebenso ein Strafblock, der wegen seiner Größe und seines Gewichtes im Depot verblieb und nur durch Fotos gezeigt werden konnte. Das "Glanzstück" der Wertinger Objekte ist der "Wertinger Straf- oder Schandmantel". Anhand großformatiger Fotos wurde er studiert und näher betrachtet. Denn er ist seit 27. September 2019 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg in der Landesausstellung 2019/2020 "100 Schätze aus 1000 Jahren" zu sehen. Bekannt ist der Strafmantel vor allem wegen seiner hochwertigen Bemalung. Die zeigt deutlich, bei welchen Vergehen der Mantel zum Einsatz kam: z. B. bei vorehelichem Sex, bei Ehebruch, Diebstahl, Zänkereien, Spielsucht oder übermäßigem Alkoholgenuss. Der Name "Mantel" leitet sich wohl davon ab, dass die konisch geformte Holzkonstruktion, die aus Dauben besteht und mittels Eisenringen zusammengehalten wird, wie ein Mantel getragen werden konnte. Aufgrund des schweren Gewichtes war es üblich, dass der Delinquent "nur" für zwei bis drei Stunden am Tag, dafür aber an verschiedenen Tagen den Mantel tragen musste. Die Wertinger Museumsmitarbeiter bedankten sich herzlich bei Herrn Dr. Schindler für die einzigartige Führung und zeigten sich begeistert von den vorgestellten Objekten. Sie beschlossen spontan, die nächste Exkursion nach Regensburg zu unternehmen. Dort kann der Wertinger Schandmantel noch bis 8. März 2020 im Original besichtigt werden.
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