Die letzte Schlacht des 30-jährigen Krieges

Der Original-Stich des schwedischen Ingenieurs Carl Heinrich von Osten im Auftrag des Generalquartiermeisters Cornelius von Busch zeigt die Schlachtordnung der beiden verfeindeten Heere. (Foto: Privat)
 
Teil II des Kupferstichs. (Foto: Privat)
 
Die erste von vier Schautafeln zur letzten Schlacht des 30-jährigen Kriegs befindet sich auf dem Wirtschaftsweg nahe des Sportplatzes beim Industriegebiet Richtung Autobahn. Die Schautafeln geben einen kurzen Einblick in das Geschehen am jeweiligen Standort.
 
Die zweite Infotafel ist südlich von Herpfenried auf der Wirtschaftsstraße von Zusmarshausen nach Horgau zu finden. (Foto: Manfred Fischer)
 
Der Standort der dritten Infotafel ist auf dem Wirtschaftsweg südöstlich von Horgau. (Foto: Manfred Fischer)
 
Am Übergang über die Schmutter entschied sich die Schlacht zwischen den französischen, schwedischen, bayerischen und den Truppen des Reichs. Die Vierte Infotafel auf der Brücke über der Schmutter erinnert an dieses Gefecht. (Foto: Manfred Fischer)
 
Zwischenstopp mit Vortrag und Pause bei der Biburger Mühle. Bis hierhin haben die Teilnehmer der Tour bereits 20 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. (Foto: Manfred Fischer)
 
Die Kartaune ist ein Vorderlader-Geschütz aus der Zeit des 15./16. Jahrhunderts. Der Begriff Kartaune ist eine Eindeutschung von italienisch quartana bombarda ’Viertelbüchse’, deren Eisenkugel ein Viertel einer hundertpfündigen Hauptbüchsenkugel wog. Kartaunen glichen in ihrer äußeren Form einer Scharfmetze, hatten jedoch kleinere Kaliber und ein geringeres Gewicht. Sie wurden nach der Rohrlänge in lange Kartaune (sogenannte „Singerin“) und kurze Kartaune (sogenannte „Nachtigall“) unterteilt. (Foto: Pixabay-Tama66)
 
Zufriedene Gesichter bei den Teilnehmern: Sie haben viel erfahren über die letzte Schlacht des 30-jährigen Krieges hier in Zusmarshausen und dabei eine schöne Radtour bei herrlichem Wetter unternommen. (Foto: Guido Clemens)

Mitte August luden Guido Clemens und Manfred Fischer zu einer historischen Radtour entlang des Schlachtfeldes der letzten Schlacht im 30-jährigen Krieg am 17. Mai 1648. Dieses zog sich von Zusmarshausen bis vor die Tore von Augsburg.

Start- und Endpunkt der insgesamt 40 Kilometer langen Radtour mit acht Stationen war am 18. August das Schloss in Zusmarshausen. Nach der Begrüßung durch die Tourenführer Guido Clemens und Manfred Fischer gab es eine kleine Einführung zu den Hintergründen rund um die Schlacht am 17. Mai 1648. Gestartet wurde mit der Frage „wer hat hier im Jahre 1648 gekämpft?“ Das war das kaiserliche Heer, angeführt vom Generalfeldmarschall Peter Melander, von Reichsgraf Holzappel. Kaiser Ferdinand III aus dem Geschlecht der Habsburger war in der Endphase des 30-jährigen Krieges an der Macht. Unterstützt wurde das kaiserliche Heer von einer bayerischen Armee unter Generalfeldmarschall Graf Jost Maximilian von Bronckhorst Gronsfeld, genannt Gronsfeld. Kurfürst Maximilian I von Bayern, ein Wittelsbacher, hatte die Fronten gewechselt und sich wieder dem Kaiser im Krieg gegen Schweden und Frankreich angeschlossen. Auf der anderen Seite standen der schwedische Feldmarschall Carl Gustav Wrangel und der französische Feldmarschall Henri Vicomte de Turenne.

Betrachtet wurde die Schlacht am Original-Stich des schwedischen Ingenieurs Carl Heinrich von Osten (siehe Bild unten) im Auftrag des Generalquartiermeisters Cornelius von Busch. Das Karten Datum ist der 7. Mai 1648, nach unserem heutigen Kalender ist es der 17. Mai. Warum das? Der gregorianische Kalender oder auch der bürgerliche Kalender, der heute Gültigkeit besitzt, ersetzte am Ende des 16. Jahrhunderts (15. Oktober 1582) den julianischen Kalender im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der gregorianische Kalender ist nach Papst Gregor dem XIII. benannt. Papst Gregor verordnete die neue Kalenderzeit mit einer päpstlichen Bulle. Nun hatte das Jahr eine durchschnittliche Länge von 365,25 Tagen. Das Königreich Schweden führte diesen Kalender aber erst Mitte des 18. Jh. (am 1. März 1753) ein. Das sind 171 Jahre später als bei uns. Zwischen dem julianischen Kalender der Schweden und dem unsrigen gregorianischen Kalender ist eine Differenz von zehn Tagen. Damit stimmen beide Daten überein. Mit C wird der Flecken Zusmarshausen, dort war das kaiserliche Hauptquartier aufgeschlagen, auf dem Schlachten Stich bezeichnet.

Unerbittlicher Krieg

Um die Härte der Auseinandersetzung bei uns in Schwaben besser verstehen zu können, müssen die historischen Hintergründe betrachtet werden. Der bayerische Kurfürst Maximilian kämpfte jahrelang an der Seite seines Vetters, dem Habsburger Kaiser Ferdinand. Aber der Kurfürst hatte auch eigene Interessen für Bayern. So schloss er im März 1647 in Ulm einen Waffenstillstand mit den Schweden, Franzosen und Hessen-Darmstadt. Aber da dies nicht den schnellen Erfolg brachte, versöhnte sich Maximilian wieder mit dem Kaiser und widerrief am 28. September 1647 in einem Brief an den schwedischen General Wrangel den geschlossenen Waffenstillstand. Diesen Bruch des Vertrages empfanden die Schweden und Franzosen als Verrat und wollten sich an den Bayern und deren Bevölkerung blutig rächen. Außerdem verlief das Kriegsjahr 1647 gut für den Kaiser und schlecht für die Schweden, die im Oktober 1647 vor dem Ruin standen.
Die Schweden überwinterten in Nordwestdeutschland und glichen ihre Verluste durch Gelder der schwedischen Königin Christina und norddeutscher Protestanten aus. Mit dem Geld wurden neue Landsknechte im Norden rekrutiert und Wrangel erhielt über 14.000 frische Pferde. Auch Frankreich ließ verstärkt Mannschaften im Nordwesten des Reiches anwerben. Die kaiserliche Armee aber litt unter permanent schlechter Versorgungslage in den Winterquartieren. Hinzu kamen schlechte Ausrüstung und der eklatante Mangel an Pferden. Ende 1647 hatte die Artillerie nur noch 800 Pferde gegenüber einer Sollstärke von 1.900 Tieren. Damit war die Mobilität der kaiserlichen Armee massiv eingeschränkt. Die bayerische Armee hingegen war gut versorgt und gut ausgestattet. Der Kaiser und sein Kriegsrat schickten Holzappel in der Winterpause keine Verstärkung. So kam es, dass die schwedische Armee an Kampfkraft zulegte, die kaiserliche trotz der Ruhe in den Winterquartieren an Kampfkraft verlor. Deshalb waren die Schweden Anfang 1648 früh in der Lage loszuschlagen und die Kriegsgegner drängten Holzappel dazu ein Gebiet mit einer nordsüdlichen Ausdehnung von 350 km, d.h. von Kassel bis nach Zusmarshausen/Augsburg dem Feind zu überlassen. Militärisch gesprochen zog sich Holzappel zuerst hinter den Main, dann die Donau und weiter bis zum Lech zurück. Warum ließ der Kaiser diese riesigen Gebietsverluste zu? Am 31. März 1648 erhielt Holzappel den kaiserlichen Geheimbefehl, „die Konservierung der Armada, den Erhalt Böhmens mit seiner Hauptstadt Prag und den Erhalt der österreichischen Erblanden“. Von Bayern war keine Rede mehr. Bei zahlenmäßiger Unterlegenheit, schlechter Ausrüstung und leerer Staatskassen musste Holzappel weichen.

Ein weiterer Grund waren die Ende April 1648 von der schwedischen Generalität in Nördlingen definierten Kriegsziele – An erster Stelle „das satisfactio militiae“ – die Geldabfindung der schwedischen Armee mit 20 Millionen Reichstalern sowie großflächige Gebietsgewinne im Süden des Reiches.

Taktische Fehler

War es klug von Wrangel und Turenne die kaiserliche Armada in Zusmarshausen anzugreifen und eine Entscheidungsschlacht zu erzwingen? Denn wäre die Fläche westlich von Augsburg ohne dichte Wälder, ohne Flüsse und Sumpfland gewesen, dann wäre die Schlacht ganz sicherlich anders. Augsburgs westliche Wälder haben dem deutschen Kaiser vor 370 Jahren die Schlacht und damit seine Armee gerettet. Die dichten Wälder um Zusmarshausen bis zum Sandberg, heute der Naturpark Augsburg westliche Wälder, waren für keine Kavallerie passierbar. Alles musste sich daher unten an der Roth entlang auf der alten „Römerstraße“ nach Westheim quälend langsam fortbewegen. Rechts der Straße nur Sumpf. Das größte Hindernis war die schwere Artillerie und der Tross der kaiserlich-bayerischen Armee mit seinen vielen Holzwagen, die Zelte, Munition, Essen, Feldküche, Verwundete transportierten sowie der lebendigen Lebensmittel, wie Schafe, Ziegen, Rinder. Zu diesem Tross kamen noch die Angehörigen der Landsknechte, sprich die Frauen und Kinder der Soldaten.

Die einfache Kiesstraße entlang der Roth mit einigen Steigungen war durch heftigen Regen zwei Tage vorher aufgeweicht und für die schweren Holzwagen fast nicht passierbar. Das wussten Holzappel und Gronsfeld und entschieden sich dafür die schnelle bayerische Reiterei über Dinkelscherben, Häder, Agawang und Rommelsried nach Biburg bis zum Sandberg umzuleiten. Dadurch war ein schnelles Fortkommen in die sichere freie Reichsstadt Augsburg gesichert.

Die Beschreibung der Schlacht:

Die kaiserliche und die bayerische Armada lagerte bereits seit zwei Tagen in Zusmarshausen und erwarteten das Eintreffen der feindlichen Armeen. Bereits um Mitternacht des 16. Mai gaben die Posten bei Wörleschwang Alarm. Holzappels Schlaf war kurz und er stellte eilig die Zugordnung für den frühen Morgen zusammen. Holzappel, als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armada, hatte sein Hauptquartier im Zusmarshauser Schloss bezogen. Gronsfeld hatte nicht im Schloss, sondern vermutlich im Gebäude nebenan, der späteren kaiserlichen Posthalterei, genächtigt. Holzappel vermutete, dass ihn die Franzosen und Schweden vor den Toren Augsburgs durch ein geschicktes Umgehungsmanöver aufhalten könnten, und stellte an die Spitze des abrückenden Heeres die schwere Artillerie unter dem Kommando Gronsfelds, den dann aber die Wucht des gegnerischen Angriffs getroffen hätte, während er der Nachhut den äußerst schwer beweglichen Tross anvertraute. Diese Zugordnung sollte fatale Folgen haben. Die Gegner zogen jedoch nicht auf einem Umweg nach Augsburg – das konnten sie wegen der dichten Wälder nicht tun, sondern griffen am Sonntagmorgen mit aller Wucht die Nachhut des abrückenden kaiserlichen Heeres bei Zusmarshausen an.

Am Sonntag, dem 17. Mai 1648 um 3.30 Uhr, eine Stunde vor Tagesanbruch, brach das kaiserlich-bayerische Heer in Richtung Augsburg auf. Dabei achteten Holzappel und Gronsfeld darauf, dass die schnelle bayerische Kavallerie getrennt vom Hauptheer nach Augsburg zog. Die kaiserliche Nachhut wurde aus nur 800 Musketieren, 1500 Reitern und vier leichten Geschützen unter Graf Raimondo Montecucolli gebildet.

Der Legende nach haben am Roten Berg oberhalb von Vallried und Friedensdorf etwa 2000 kaiserliche Soldaten den Tod gefunden und der Berg färbte sich vom Blut der gefallenen Soldaten rot. Das ist die Legende, die original erhaltenen Gefechtsberichte sprechen eine andere Sprache. Das wurde im Laufe der Radtour erläutert. Am roten Berg ist kein einziger kaiserlicher oder bayerischer Soldat gestorben.

Erste Zwischenetappe

Die erste Station der Radtour führte an die Umgehungsstraße bei Bosch-Sortimo. Um 7.30 Uhr am Sonntagmorgen hatte Montecucolli hier das erste „Rencontre-Zusammentreffen“ mit der schwedischen Kavallerie. Dieses erste Rückzugsgefecht entlang der Roth fand nördlich von Zusmarshausen am Galgenberg statt. Die kaiserliche Nachhut unter Kommandeur Montecucolli mit ihren 800 Musketieren, 1.500 Reitern und vier leichten Geschützen stand oben auf dem Zusser Galgenberg und nahm die schwedische Reiterei unter starken Beschuss. Der schwedische Angriff wurde abgewehrt und die kaiserliche Nachhut bezog westlich von Herpfenried vor dem Pass Position. 
Am Pass von Herpfenried (zweiter Halt) verläuft die heutige B10 anders als damals. Wo die Straße eine Hügellehne hinaufstieg (Pass Nummer 1) kam die lange Wagenkolonne wegen der aufgeweichten Straße zum Stillstand. Holzappel befahl 60 Wagen stehen zu lassen. Die schwedische Reiterei wurde wieder mit den vier leichten Kanonen zusammengeschossen. Es war 9.00 Uhr vorbei. Das erste lang gezogene Gefecht bei Zusmarshausen überstand Montecucolli ohne Verluste. Die vier kaiserlichen Kanonen verschossen 3-Pfünder (1.5 kg) Kugeln. Die schwedische Kavallerie ritt direkt in die Läufe der Kanonen und Musketiere hinein. Es gibt keine Angabe über schwedische Verluste.

Nächster Halt: Auerbach

Das zweite Verzögerungsgefecht fand bei Auerbach statt. Aus einer gut gewählten Stellung, deutlich überhöht, brachte Montecucolli die Feuerkraft der Artillerie und Musketiere erneut frontal zur Geltung. Die schwedische Kavallerie musste erneut direkt in das Feuer der Nachhut hinein. In der Zwischenzeit fuhren die Schweden ihrerseits die Geschütze auf. Die kaiserlichen Kroaten ritten gegen die nachdrängenden französischen Dragoner an. Mitten im Angriff der kaiserlichen Kavallerie öffneten sich die Reihen der französischen Dragoner und zwölf Kanonen spien Tod gegen die kaiserliche Reiterei. Nun setzte Turenne alles auf eine Karte und schickte seine Leibgarde mit einem großen Teil der schwedisch-französischen Kavallerie (8000 Reiter) in den Kampf. Der Feind war nun ein Vielfaches an Zahl und Stoßkraft überlegen. Diese Situation war kritisch und so führte Holzappel persönlich neue Kräfte, 400 schwere Reiter, 500 Musketiere und zwei weitere Geschütze in Eilmärschen nach zurück zur Nachhut Montecucollis. Die 400 schweren Reiter warfen sich im vollen Galopp gegen die Dragoner Turennes. Ein mörderisches Handgemenge entstand. Die Franzosen flohen zurück und Montecuccoli ließ nach kurzer Verfolgung zum Halt blasen. Nach vierstündigem Gefecht seit Beginn der ersten Feindberührung gab es erste kaiserliche Verluste. Die Nachhut konnte sich nach Osten absetzen.

Drittes Rückzugsgefecht

Das dritte Verzögerungsgefecht fand nordöstlich von Horgau an einem zweiten Pass, der Straße durch den dichten Wald bei Schäfstoß statt. Das Gelände vor dem Pass war Sumpfgebiet und jeder, der die Straße verließ, steckte in tiefem Morast. Die enge Straße durch den Wald wirkte wie ein Trichter, daher auch Pass genannt, vor dem sich die kämpfenden Soldaten und die feindliche Kavallerie aufstauten. Die sechs Kanonen hinter einer Baumbarriere schossen nun mit doppelter Geschwindigkeit aus dem Wald auf die anrückende feindliche Kavallerie. Holzappel befand sich mitten im unübersichtlichen Kampfgetümmel Mann gegen Mann. Er ordnete äußersten Widerstand an, damit seine Soldaten nicht vor der Wucht des feindlichen Angriffs davonliefen. Unbemerkt von den Kaiserlichen waren sie von abgesessener schwedischer Reiterei unter General Königsmark durch den Wald links umgangen worden. Überraschend kam nun das Feuer von allen Seiten.
Die Lage schien gerettet, doch da trifft den Feldmarschall Holzappel eine Pistolenkugel tödlich. Seine Leibwache schaffte den Leichnam hinter den Holzverhau und von dort nach Augsburg in den Gasthof zur Traube. Seine Frau war auch schon dort. Der kaiserliche Feldmedikus Christoph von Ruoff attestierte seinen Befund so: “ … nachdem ich den Generalfeldmarschall aufgemacht, hat sich befunden, dass die große Pulsader nächst beim Herzen entzwei geschossen war, wovon der Pulsgeblüte in die Herzkammer gelaufen, also, dass er in seinem eigenen Blut alsobald erstickt ist. Der Schuss ist beim Rückgrat hinein, vorn in der linken Brust heraus.“ Der Legende nach hatte der Feldmarschall aber noch folgende Sätze gesagt, bevor er verstarb. „Denkt nicht an mich, ich bin tot, suchet über den Fluss zu kommen, wenn ihr das Glück des Kaisers retten wollt! Vorwärts, vorwärts! “ Nun bestand die große Gefahr vom Rückzug abgeschnitten zu werden. Turenne setzte ebenfalls zu einer Umfassung in kürzerem Bogen rechts um den Wald an. Die Straße durch den Wald war mit Wagen des Trosses versperrt.
Das Geschick der kaiserlichen Nachhut war nach siebenstündigem Kampf gegen 14 Uhr besiegelt. Die Nachhut hatte eine Stärke von gut 3200 Mann und 2000 Pferden. Nun war der feindliche Vormarsch nach Biburg-Kreppen nicht mehr aufzuhalten. Montecucolli und unerschrockene Kämpfer sowie Reiter seiner Einheit schlugen sich bis zur Schmutter durch. Bei diesem dritten Verzögerungsgefecht erlitt die kaiserliche Armee ihre größten Verluste, Gefangennahmen an Menschen und Material.

Biburger Mühle

Das vierte Verzögerungsgefecht an der Schmutter zwischen Diedorf und Westheim war der endgültige Haltepunkt der kaiserlichen und bayerischen Armada am Sonntag, 17. Mai 1648. Die Landsknechte hatten schnell eine starke Stellung mit Schanzen auf dem Sandberg östlich der Hochwasser führenden Schmutter bezogen und sich mit ihren Kanonen von oben herunter in eine gute Schussposition gebracht.
Wichtige Anmerkungen: Die kaiserlichen brannten die Biburger Mühle nieder, weil sie ein freies Schlussfeld für die schwere Artillerie brauchten und um verbrannte Erde zu hinterlassen. Sie zerstörten auch die Schmutter-Brücke, um das schnelle Nachrücken zu verhindern und versperrten zusätzlich durch einen Verhau den Pass auf den Sandberg. Die Armee hatte Stellung auf und neben dem Sandberg bezogen. Die Schweden und Franzosen bezogen westlich der Schmutter Stellung bei den Ortschaften Schlipsheim und Hainhofen. Um das weitere Vordringen der feindlichen Kavallerie unter Königsmarck über die Furt bei Hainhofen zu verhindern, schlug die bayerische Reiterei jeden Angriff über die Schmutter zurück. Die bayerische Infanterie warf vom Ufer aus die gegnerische Reiterei durch massives Musketenfeuer – das so genannte bayerische „Schnellschießen“, das auf kürzere Distanz verheerende Wirkung hatte, zurück. Die bayerischen Musketiere gaben dabei 40000 Schuss ab. Die kaiserlich bayerische Artillerie feuerte ungefähr 450 Schuss, der Gegner aber nicht mehr als 1000 Schuss bis die Dämmerung gegen 21 Uhr die Sicht nahm. Die Luft war angefüllt vom beißenden Schwarzpulverrauch, der schwer über dem Schlachtfeld an der Schmutter stand.
In der Nacht noch – nach 18 Stunden Marsch und Kampf – zogen sich die bayerischen und kaiserlichen Truppen heimlich und unbemerkt nach Augsburg zurück. Es wurden überall Lagerfeuer angezündet und mit dieser List zog man sich unbemerkt in Richtung Augsburg auf eine Insel zwischen Wertach und Lech zurück. Die Verteidigung hatte gehalten, obwohl der Feind deutlich stärker war. Die Konservierung der kaiserlichen Armada war gelungen und damit der Weisung des Kaisers entsprochen worden. Der Kaiser informierte sofort die Gesandten auf dem Westfälischen Friedenskongress in Osnabrück.

Von Schlangen, Basilisken und Nachtigallen

Nicht erst die modernen Waffen brachten Tod und Schrecken über die Feinde. Bereits während des 30-jährigen Krieges verfügten beide Heere über ein ganzes Arsenal todbringender Geschütze. Zu den leichten Geschützen zählten die Notschlange, Schlange, Viertelschlange, Falkaune und das Falkonett. Als schwere Geschütze wurden der Basilisk, Scharfmetze, Nachtigal und die Kartaune bezeichnet. Wobei das Konzert der zynisch benannten Nachtigallen sicher nur in den Ohren der eigenen verbündeten gut klang.
Im 16. Jahrhundert wurden die Belagerungsgeschütze zu Hauptbüchsen, Scharfmetzen, Kartaunen und Basilisken entwickelt. Ab 1550 wurde das auf Doppelkartaunen, Kartaunen und Halbkartaunen vereinfacht und auf das Kalibersystem umgestellt. Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Doppelkartaunen die schwersten Belagerungsgeschütze. Zu dieser Zeit wandelte sich auch der Sprachgebrauch, der das Geschossgewicht zur Geschützbezeichnung werden ließ; beispielsweise wurden Kartaunen zu „40-Pfündern“ und Halbkartaunen zu „24-Pfündern“. Leichte Hinterlader wurden bevorzugt auf Schiffen in Drehbassen montiert.
Bronze setzte sich wegen ihrer Stabilität und seiner guten Gießeigenschaften bei allen Feldgeschützen durch. Eisengeschütze wogen zudem bei gleichem Kaliber erheblich mehr. Zudem spielte die Zusammensetzung des Eisens (insbesondere sein hoher Phosphorgehalt, sein niedriger Schwefelgehalt (Verhüttung von Eisen)) eine erhebliche Rolle für die Festigkeit einer Kanone, so dass sich bestimmte Regionen innerhalb Europas, obwohl identisches Wissen auch anderswo vorhanden war, für die Fertigung durchsetzten. Außerdem setzte gleichzeitig ein regelrechter Wettbewerb um Kanonengießer ein, die bestimmte Standorte (zum Beispiel Asslar und Marsberg in Deutschland, Sussex und Kent in England) noch zusätzlich bevorzugten. Schiffs- und Festungsgeschütze aber mussten nur wenig bewegt werden, sodass für sie weiterhin das billigere Eisen bevorzugt wurde. Manche Riesengeschütze (beispielsweise die Zarenkanone von 1586) wurden mehr aus Prestigegründen als wegen militärischer Notwendigkeiten in Auftrag gegeben und waren somit Prunkwaffen.
Während des Dreißigjährigen Krieges experimentierten vor allem die Schweden mit immer leichteren Geschützen, die sehr beweglich waren und den Feldeinheiten (Regimentern) zugeteilt wurden. Diese Regimentsstücke bestanden zunächst aus dünnem Kupfer- oder Eisenrohr, das mit Tauen, Blechstreifen, Hanf und Leinen umwickelt war und mit einem darumgelegten Mantel aus dickem Leder verstärkt wurde. Sie konnten von ein bis zwei Mann bewegt werden, hatten aber eine ungenügende Schussleistung und unterlagen einem hohen Verschleiß. Sie waren deshalb nur bis zum Polnischen Krieg 1628/29 im Einsatz. Als „Lederkanonen“ erreichten sie dennoch bleibende Berühmtheit. Die Anforderungen hinsichtlich der Mobilität der Kanonen führten dann dazu, dass diese generell immer leichter wurden. Im April 1629 gelang es der königlichen Gießerei Stockholm, den ersten Dreipfünder herzustellen, der mit 123 kg sehr beweglich war. Wenig später wurde das Gewicht sogar auf nur 116 kg reduziert. Der Name Regimentstücke blieb erhalten.
In den nächsten 200 Jahren sollte es zu keinen wesentlichen Veränderungen der Geschütze kommen. Es gab nur kleinere Verbesserungen wie etwa Höhenrichtschrauben, die das aufwendige Höhenrichten von Hand mit Keilen und Hebeln unnötig und den Zielvorgang präziser machten. Auch musste nicht nach jedem Schuss die Höhe neu ausgerichtet werden. Eine weitere Verbesserung Anfang des 18. Jahrhunderts war die Einführung von Steinschlössern zur Zündung. Dadurch entfiel das ständige Bereithalten einer brennenden Lunte auch bei Kanonen. Man begann mit dem Bau kleinerer Geschütze für die Infanterie, den so genannten Amüsetten.
Anfang des 18. Jahrhunderts veränderte sich jedoch die Produktionstechnik. Die Geschütze wurden massiv gegossen und der Lauf später mit Vertikalbohrmaschinen aufgebohrt.
Bei den Nachhutsgefechten in Zusmarshausen wurden von Montecucculi leichte Drei-Pfünder Kanonen verwendet. Die in den Gefechten verwendeten schweren Kanonen verschossen gusseiserne Geschosse in den Gewichtsklassen sechs, zwölf und 24 Pfund.

Krieg für 2115 Gulden

Militärisch gesehen war die Konservierung der kaiserlichen Armada trotz Verlust des Oberbefehlshabers Holzappel gelungen. Die Verluste der kaiserlichen Truppen waren mit 1782 Mann, sechs Kanonen, 353 Wagen, 633 Pferden, der Kriegskanzlei plus Kriegskasse jedoch beträchtlich. Es gab keine Angaben zu den Verlusten bei den Schweden und Franzosen. Das schwedische Kriegsziel, die „satisfactio militiae“ von 20 Millionen Reichstalern wurde nicht durch die erbeutete Kriegskasse kompensiert. Lediglich 2115 Gulden fielen den Feinden als Beute in die Hände. Die feindliche Armee zog weiter nach Böhmen belagerte Prag. Erst fünf Monate nach der letzten Schlacht von Zusmarshausen trat der Westfälische Friede am 24. Okt. 1648 in Kraft.
Für die Zivilbevölkerung muss der Krieg ein Albtraum gewesen sein. Anfang Mai zogen auf dem Weg nach Günzburg ins gemeinsame Heerlager zuerst die eigenen Truppen plündernd durch Zusmarshausen und Umgebung. Erst dort gelang es Holzappel und Gronsfeld die Plünderungen der hungernden Soldaten zu stoppen und diese zu disziplinieren. Dann plünderten die feindlichen Truppen Zusmarshausen. Die Legende besagt, dass die ausgezehrten Schweden nach jener Schlacht die Brauerei „Zum Grünen Baum“ am Zusmarshauser Marktplatz stürmten und dort alle Fässer leersoffen. Heute trägt sie den Namen Schwarzbräu. Jenem Ereignis verdankt das Schweden Pils übrigens seinen Namen. Der bekannte Fahnenschwinger stammt aus eben jener Zeit und ziert seitdem die Etiketten, Gläser und Krüge von Schwarzbräu. Als unverkennbares Markenzeichen erinnert er somit an die Geburtsstunde der heutigen Familienbrauerei im 17. Jahrhundert.
Beim sechsten Stopp in Agawang erfuhren die Teilnehmer etwas zur Biographie der Hauptdarsteller der Schlacht.

Burg Zusameck

In Dinkelscherben oben auf dem Kaiserberg stand die Burg Zusameck. Während des 30-jährigen Krieges diente die Burg den Ortschaften Dinkelscherben, Oberschöneberg, Ettelried, Anried, Fleinhausen, Grünenbaindt, Gabelbach, Steinekirch und Häder als Zufluchtsstätte. In ihrer Not gelobten diese Ortschaften eine jährliche Wallfahrt zum Heiligen Kreuz in der Burgkapelle Dinkelscherben. Unmittelbar härter geschädigt, etwa durch Brandschatzung oder Plünderung, wurde Dinkelscherben offensichtlich nicht. Die bayerische Reiterei hatte den Befehl vom bayerischen Kurfürsten Maximilian erhalten, die Zivilbevölkerung zu schonen. Hier ist also am 17. Mai 1648 nichts weiter vorgefallen.

Groß war die Not

Der Rückweg zum Zusmarshauser Schloss führte die Radgruppe an der Ortschaft Steinekirch vorbei. Von dort ist Folgendes überliefert. Wie groß gerade bei den armen Leuten der Hunger gewesen sein muss, lässt eine Anweisung an den Vogt von Steinekirch aus dem Jahre 1635 erkennen. Damals waren dem Domprobst auf Zusameck vier Pferde umgefallen und sind vergraben worden. „Daruf haben sie die arme Leuth wiederumben außgraben und gegessen, worauß Leuchtlich Infection ervolgen kahn“. Der Vogt von Steinekirch wurde deshalb angewiesen, „zur Verhietung dergleichen Übel seinen ambts angehörigen ernstlich gebietten, das sie sich von der gleichen Sachen bey namhaffter straff enthalten. Besonders litten die Leute auch unter den Einquartierungen von Soldaten, die man mit allen Mitteln abzuwehren versuchte. Doch alles Wehren half nichts. Der Vogt erhielt die Anweisung, dass seine Amtsangehörigen die Soldaten um des Friedens willen einquartieren und verköstigen sollten.

Quellen:


Guido Clemens & Manfred Schneider (ZusKultur); Ernst Höfer, Buch, Das Ende des Dreißigjährigen Krieges, Strategie und Kriegsbild, Böhlau Verlag // Prof. Walter Pötzl, Heimatbuch, Zusmarshausen // Original-Stich des schwedischen Ingenieurs Carl Heinrich von Osten im Auftrag des Generalquartiermeisters Cornelius von Busch – Der Stich und die Bildrechte sind im Besitz von Udo Gruber // Daniel Kehlmann, Roman, Tyll Eulenspiegel, Seite 197, Seite 225-226 // „24. Bericht der Naturf. Ges. Augsburg“, Seite 123-130, 30. Nov. 1970.
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