Wolfsburg Steinekirch - Von Dienstmannen und Raubrittern

Was von der stolzen Burg übrig blieb, ist der bewachsene Rest des Bergfrieds. Klettern dort ist lebensgefährlich. Foto: Monika Saller
 
So hat sie wohl ausgesehen, die Burganlage Wolfsberg. Gut zu sehen, der trennende Graben zwischen Haupt- und Vorburg. Zeichnungen und Grafiken wurden bei der Führung zum Denkmaltag gezeigt.

Am Tag des offenen Denkmals rekonstruierte Hermann Knoblich die bewegte Geschichte der Burg Wolfsberg, deren Ruine hoch über Steinekirch thront.

Wer in Steinekirch auf dem Wolfsberg vor der Ruine des Bergfrieds steht, fragt sich unwillkürlich, wie die Burg wohl aussah, als sie noch bewohnt war. Außer dem Turm kann man nur noch ein wenig die Gräben erkennen, die die Burg schützten.
Am Tag des offenen Denkmals im September erläuterte Hermann Knoblich die Baustruktur, aber auch die historischen Hintergründe der hochmittelalterlichen Höhenburg – soweit sie bekannt sind.
Schon der Baubeginn ist in unterschiedlichen Quellen ein anderer: Zehntes, elftes oder zwölftes Jahrhundert? Tatsache ist, dass die Burg zum ersten Mal im Jahr 1233 urkundlich erwähnt wird, als Wohnsitz des Dienstmannen-Geschlechts der Fraß. Die Familie erscheint im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Lechfeld (955), wo sie sich wohl besonders hervorgetan hatte. Sie gehörten zum Hochstift, also den Bischöfen von Augsburg und benannten sich ab 1233 sogar nach der Burg „von Wolfsperch“. Man zeigte in seinem Wappen einen Wolf.
Ab 1350 erscheint der Name der Fraß nicht mehr in Urkunden. Bis dahin aber waren sie immer wieder Teil der Geschichte: 1292 bezeugte ein „Hainrich Frayß von Wolfsperg“ den Friedensvertrag zwischen Bischof Wolfhart und Herzog Ludwig von Bayern. 1333 war Ulrich Fraß als Bürge beim Verkauf der Burg Zusameck an das Hochstift Augsburg zugegen.
Die Bauern, die das Land der Burgherren bewirtschafteten, hatten den Stand von Leibeigenen un, hatten mit ihren erwirtschafteten Abgaben die Herrschaft zu ernähren sowie „Fron- und Spanndienste“ zu verrichten. Das bedeutete unter anderem, dass sie neben ihren zugeteilten Feldern auch die der Burgherren bewirtschaften mussten und zwar diese zuerst.
Der Standort der Wolfsburg war für die unruhigen Zeiten damals perfekt. Weithin konnte man von der Anhöhe ins Land sehen und der steile Hügel mit dem kragenartigen Graben war gut zu sichern. Die Burg bestand aus einem Wirtschaftshof als Vorburg und einer Hauptburg, die voneinander durch den Graben getrennt waren. Gebaut wurde großteils aus Nagelfluh, einem Stein der Region, der allerdings aufgrund seiner nicht homogenen Beschaffenheit schwer zu bearbeiten ist. Der Bergfried hat vier Meter dicke Mauern, die aus Außenwänden bestehen, die mit Bruchsteinen, Kies und Mörtel verfüllt wurden. Gussmauerwerk nennt man so etwas.
Die „Schwelcher“ aus Kirchheim/Teck kauften die Burg etwa 1250 und nannten sich nun „Ritter vom Wolfsberg“. 1374 gab es einen Wieland und 1382 einen Ulrich Schwelcher. Nun gibt es Geschichten von Wegelagerei und Raubrittertum vonseiten der Burgherren. Man beraubte wohl vorbeiziehende Handelstreibende auf der Straße zwischen Augsburg und Ulm.
Die Reichsstadt Augsburg wollte sich das nicht gefallen lassen und belagerte immer wieder mit ihren Truppen den Wolfsberg. Doch sie blieben lange Zeit erfolglos. Vom Städtekrieg im Dezember 1388 ist überliefert, dass man sich für die Verwüstungen der Herzöge von Bayern im Augsburger Umland rächen wollte, die abgebrannte Dörfer, Felder und getötetes Vieh hinterlassen hatten. Die Schwelcher standen auf bayerischer Seite und wurden von Augsburg angegriffen. Der eiskalte Winter half aber ebenfalls den Burgherren. Die Augsburger Truppen mussten aufgeben.
1390 kauften die bayerischen Herzöge die Burg von Wieland Schwelcher. Friedrich von Freyberg (1394 und 1396 urkundlich erwähnt) wurde nun Herr auf der Burg. 1434 lag die so genannte Pfandherrschaft bei Ulrich und Hans Nördlinger, zwei Brüdern aus Augsburg.
Während des „Reichskrieges“ zwischen Herzog Ludwig dem Reichen von Bayern-Landshut und Kaiser Friedrich III. zerstörten am 26. Januar 1462 Augsburger Söldner mit ihrem Feldherrn Wilhelm von Rechberg die Burg Wolfsberg dann doch. Die Burg wurde aufgegeben und nie wieder aufgebaut.
1508 wurde ganz Steinekirch und damit auch die Burg von den bayerischen Herzögen für 6000 Gulden an Philipp von Stain zu Jettingen verkauft. Interessant waren für die neuen Herren die Ländereien rund um die Ruine. 1589 gab es erneut einen Besitzerwechsel: Die Vormundschaft Marquards von Stain übergab das Anwesen an das Augsburger Domkapitel, welches bis zur Säkularisation im Jahr 1803 Eigentümer blieb.
Erst ab 1606 und wieder Mitte des 19. Jahrhunderts, im aufkommenden Industriezeitalter, war die Burgruine wieder von Nutzen – als „Steinbruch“ für den Bau des Spitals in Dinkelscherben und später der Eisenbahnlinie Augsburg – Ulm. Die Ruine des Bergfrieds durfte stehen bleiben, sie gehörte damals bereits dem historischen Verein von Schwaben.

Die Neuzeit

Schon im 19. Jahrhundert wurden die ersten landwirtschaftlichen Gebäude der Neuzeit auf dem Burgberg errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde neben dem Bergfried ein Wohngebäude gebaut. Der Brunnen der Burg war noch lange in Betrieb, bis auch der Berg an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen war. Der Landwirt und einige ältere Teilnehmer der Burgführung erinnern sich noch an spannende Kletterpartien, die sie als Kinder an der Wand des Bergfrieds unternahmen. Das ist inzwischen streng verboten, denn das Turnen in der bröseligen Wand ist absolut lebensgefährlich. Die Mauer wurde zuletzt – nicht schön, aber wirksam – gegen den weiteren Verfall gesichert. In diesem Zusammenhang wurde auch festgestellt, dass der „kleine Wald“, der die Reste des Turmes krönt, erst einmal dort weiter wachsen darf. So hat die Wolfsburg heute ein wildromantisches Aussehen, das die Fantasie zu Legenden und Geschichten anregt. Die Burg ist in den letzten Jahren ein Festort geworden. Nachdem das Burgfest dieses Jahr entfallen musste, ist auf dem Wolfsberg für 2020 bereits für den 1. und 2. August wieder eines geplant.
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