Zusmarshauser Geschichte(n): Die sanfte Kunst, den Gegner zu überwältigen

 
Zwei junge Allkämpfer mit ihrem Maskottchen.
Zusmarshausen: Dreifachturnhalle |

Budoka, Dojo, Gi, Kyu, Dan, Zoris, Sensei, Seiza, Kamiza Moksuo, Jame, Sensei ni rei oder Otaga ni rei – wie bitte? Jetzt stehen wahrscheinlich viele auf dem Schlauch. Was sind denn das für Wörter? Ganz einfach, das alles sind Begriffe aus der alten japanischen Kampfkunst Jiu-Jitsu. Und in der Zusmarshauser Dreifachturnhalle fand mit vielen motivierten Sportlerinnen und Sportlern die 12. Landkreismeisterschaft im Allkampf Jiu-Jitsu statt.

Von Sonja Schönthier
Aufregung und Nervosität herrschten in der großen Halle, als sich der Vize-Präsident der Deutschen Allkampf Union, Fritz Kinzel, das Mikrofon schnappte und zu seiner Begrüßungsrede ansetzte. Es sei eine Ehre, dass dieser besondere Wettkampf – es ist eines der wichtigsten Turniere – in Zusmarshausen ausgetragen werde. Besonders deshalb, weil die Sportlerinnen und Sportler bei einer solchen Landkreismeisterschaft in allen Disziplinen bestehen müssen, also auch in denjenigen, in denen der eine oder andere vermeintlich schwach ist. Hier kann jeder zeigen, was er in den letzten Wochen so hart geübt hat. Das haben sich auch Bürgermeister Bernhard Uhl, Friedrich Kosak (Präsident Deutsche Allkampf Union), Hermann Scherer (Sponsor Raiffeisenbank) und Barbara Wengenmeier (Sportbeauftragte des Landkreises) angeschaut. „Jiu-Jitsu ist einfach eine Sportart, die man nicht so oft sieht, die aber so schön anzuschauen ist“, sagte sie.

Bei diesem Sport geht es nicht „nur“ darum, einen Gegner überwältigen zu können, sondern auch um die Etikette. Das heißt, die gegenseitige Achtung und die Werte des Do („Weg“, im Sinne von ethischen und moralischen Grundlagen) stellen unverzichtbare Bestandteile dar. Diese werden von einem ernsthaften Jiu-Jitsuka auch ins Privatleben übertragen. „Bei uns werden Achtung und Disziplin gelehrt. Hier gibt es keine Ausdrücke und jeder freut sich für jeden. Das ist schon anders als bei anderen Sportarten“, erklärt Fritz Kinzel. „Es ist ein großes Miteinander, wo man auch neben des Sports gerne etwas zusammen unternimmt.“

Fauststoß und Fußkick

Die Jury, die aus ehrenamtlichen Kampfrichtern beziehungsweise Trainern bestand, erwartete von den sechs- bis 63-jährigen Sportlerinnen und Sportlern verschiedene Disziplinen – und natürlich die entsprechende Etikette. Der Kombinations- und Formenlauf: Hierbei kämpft der Schüler gegen einen imaginären Gegner mit genau vorgegebenen Abwehr- und Angriffstechniken.

Selbstverteidigungstechniken:Die Jury gibt vor, welchen Angriff sie sehen will. Dabei kommen auch Messer und Stöcke zum Einsatz. Auf diese vorgegebene gezielte Abwehrtechnik muss vom Gegner eine entsprechende Kontertechnik erfolgen. Das können auch Fauststöße oder Fußkicks sein.

Bruchtest: Diesen kennt man eigentlich mit einem Holzbrett. „Wir verwenden inzwischen Kunststoffbretter. Die sind günstiger und können wesentlich öfter genutzt werden“, erklärt Andreas Eisele, einer der Trainer. Die Ausführung und das Gelingen des Bruchtests sind der ultimative Maßstab für die Beherrschung der erlernten Techniken. Wichtig sind hier: Willensstärke, Entschlossenheit, Tatkraft, Ausführung und Durchsetzungsvermögen. Mit diesem Test demonstriert der Schüler, dass der Geist imstande ist, Materie zu überwinden.

Am Ende des anstrengenden Tages, also als alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre verschiedenen Einzelkämpfe abgeschlossen hatten, folgte die letzte Disziplin: Der Allkampf-Fight, bei welchem immer nur drei Minuten gekämpft wird. Die Sportler starten im Stehen und versuchen, mit Hand- und Fußtechniken Punktetreffer zu erzielen. Sobald ein Kämpfer gegriffen hat, ist schlagen verboten. Mit Würfen oder sicheln (Wurftechnik) versucht man nun, den Gegner zu Boden zu bringen. Saubere Techniken bringen dabei Punkte ein. Liegt der Gegner am Boden, gilt es, ihn entweder 20 Sekunden festzuhalten oder mit Hebel sowie Würgetechnik zum Abklatschen zu bringen. Dies gibt wiederum Punkte. Sieger am Ende ist derjenige mit den meisten Punkten. Vorzeitiges Siegen ist aber auch möglich, man muss dabei 14 Punkte Abstand haben oder in allen drei Bereichen eine Dreierwertung. Das nennt man dann „Technische Überlegenheit“.

Eine Dreierwertung erhält der Kämpfer übrigens, wenn er eine Technik sehr schön ausgeführt oder gut gemacht hat. Aber auch, wenn man den Gegner 20 Sekunden am Boden festhält oder ihn mittels Hebel zum Abklatschen beziehungsweise zur Aufgabe bringt.

Power und Kampfschrei

Die Jury achtet nicht nur auf die Ausführung, sondern auch auf die Power, Richtigkeit und auf den Kampfschrei. Am Schluss werden anhand der Gesamtwertung aus den einzelnen Disziplinen die jeweiligen Sieger gekürt. Doch auch diejenigen Teilnehmer, die es nicht auf das Treppchen geschafft haben, werden belohnt. Sie hatten schließlich alle den Mut, sich der Jury sowie den vielen Zuschauern und Fans, den Eltern, zu stellen. Jeder von ihnen hat sein Bestes gegeben und hart dafür trainiert. Zweimal pro Woche geht es für sie ins Training, vor Meisterschaften oder Prüfungen oft mehrmals.

Und das Ziel beim Allkampf? Jeder Kämpfer verfolgt natürlich ein individuelles Ziel: Neue Gürtelgraduierungen, Titel oder Pokale, Fitness erhalten oder fitter werden und so weiter.
Wer jetzt Lust bekommen hat, diese Sportart selbst einmal auszuprobieren oder sich einfach informieren will: www.allkampf-schule-kinzel.de
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